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Entscheidung nie bereut: Dieter Putzer seit 25 Jahren im Priesterdienst

Die NN sprachen mit Seelsorger Dieter Putzer über seine Berufung und seine Stationen als Pfarrer. - 07.07.2020 11:55 Uhr

Dieter Putzer (58) hat sich erst spät für den Priesterberuf entschieden. Nach dem Besuch der Grund- und Hauptschule in Auerbach machte er eine Ausbildung zum Formenbauer bei KSB in Pegnitz. Als junger Mann war er unter anderem bei der Feuerwehr und bei der KLJB engagiert. Im September 1980 ging er in das Theresianum nach Bamberg, um dort sein Abitur nachzuholen. Nach dem Abitur 1985 wurde er Novize bei den Salesianern Don Boscos. Sein erstes Gelübde legte er 1986 ab. Putzer studierte Sozialpädagogik, Philosophie und Theologie in Benediktbeuern. 1984 wurde er zum Diakon und ein Jahr später zum Priester geweiht.

© Foto: Brigitte Grüner


Herr Putzer, wann und warum haben Sie sich entschieden, Priester zu werden?

Putzer: Es war fast am Ende meiner beruflichen Ausbildung in der KSB; diese Frage kann ich noch ,leicht‘ beantworten. Mit der Frage nach dem ,warum‘ wird es schon wesentlich schwieriger. Da haben wohl viele Faktoren zusammengespielt. Mit Sicherheit hat die KLJB in Welluck, zu der ich mit etwa 16 Jahren gestoßen bin, eine große Rolle gespielt. Über die Jugendarbeit in Welluck bin ich ,auf den Feuerstein‘ zur Jugendbildungsstätte der Erzdiözese Bamberg gekommen. Dort habe ich als junger Kerl eine ganz andere Art und Weise des Glaubens kennengelernt, als ich es von meiner Heimatgemeinde her kannte — und ich kannte nicht sonderlich viel.

 

War der Glaube für Sie schon immer wichtig?

Putzer: Religion und Glauben spielten in meinem Elternhaus keine große Rolle, umso mehr haben diese lebensnahe Weise des Glaubens und die Gottesdienste auf dem Feuerstein, die mich als jungen Menschen angesprochen haben, weil ich mit meinem Leben darin vorkam, neugierig gemacht. Eine Art Initialzündung gab es wohl nicht oder ich kann sie nicht beschreiben, es war eher ein ,okay, ich probier‘s mal‘.

 

Wie kamen Sie zu den Salesianern Don Boscos?

Putzer: Die fünf Jahre bis zum Abitur, die ich damals schon in Bamberg war, waren eine Art Schritte setzen, einen nach dem anderen: Bekomm‘ ich das Abi hin, dann geh‘ ich ins Noviziat der Salesianer Don Boscos. Übersteh‘ ich das Noviziat, damals noch in der Eifel, lege ich die erste Profess ab. Und so ging es weiter, Schritt für Schritt, oft mit großen Zweifeln, mit der einen oder anderen Enttäuschung, aber auch mit vielen guten Erfahrungen.

 

Pater Dieter Putzer (Mitte) feierte vor 25 Jahren Priesterweihe und Primiz. Mit im Bild der damalige Bürgermeister Hanni Haberberger (r.) und Pfarradministrator Wladyslaw Dymny (l.).


Was bedeutet Glauben für Sie?

Putzer: Glauben heißt für mich einen Schritt auf sein Wort hin setzen und wenn ich spüre, sein Wort trägt, kann ich den nächsten Schritt tun. Das Studium der Sozialpädagogik lief gut, ebenso die Praktika und die Assistenzzeit in Nürnberg, dann nach dem Diplom das Studium der Philosophie und Theologie: Schritt für Schritt bin ich in meiner Entscheidung sicherer geworden.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an die Primiz in Auerbach?

Putzer: Die Priesterweihe in der Basilika in Benediktbeuern und die Primiz eine Woche später in der Heimatgemeinde war nach 15 Jahren Ausbildung etwas ganz Besonderes für mich, ein echtes Highlight. Dieses Gefühl ,ich hab‘s geschafft‘, wo einige der Mitbrüder, die viele Jahre zuvor mit mir in den Orden eingetreten sind, wieder gegangen sind, hat nicht nur die Vergangenheit, die ja auch ihre Schwierigkeiten mit sich brachte, fast ein wenig verklärt, es war eine große Ausrüstung für die Zukunft.

Ich habe erfahren dürfen, nicht nur ich freue mich auf diese Tage, sondern ganz viele Menschen, die zu meinem Leben dazugehören und deren Unterstützung, deren Freundschaft mir bis heute wichtig sind. Und meine Heimatgemeinde freute sich mit mir! Meine Heimatprimiz in Auerbach waren mächtige Vorschusslorbeeren für einen nicht immer einfachen Dienst.

 

Haben Sie die Entscheidung, Priester zu werden, jemals bereut?

Putzer: Vor kurzen sagte mir ein junger Student, der hier in Bamberg in der Jugendarbeit sehr engagiert ist: ,Wenn du nicht Priester geworden wärest, wären wir uns nie begegnet!‘ Vieles, ganz vieles, was mir bis heute wichtig ist, hätte ich nie erlebt, hätte ich mich nicht irgendwann eingelassen auf dieses das könnte was für mich sein, mal schau‘n!

 

Wo waren Sie als Kaplan und Pfarrer bislang eingesetzt?

Putzer: Unmittelbar nach der Priesterweihe wurde ich nach Regensburg versetzt. Dort war ich in unserer Einrichtung zwei Jahre als Sozialpädagoge und Pastoralleiter tätig, bevor der damalige Bischof Manfred Müller meinte, er könne mich als Stadtjugendseelsorger in Regensburg brauchen. Elf Jahre konnte ich diese Aufgabe als Jugendseelsorger wahrnehmen — und es war ein Traumjob. Dann hat mich die Ordensleitung nach Augsburg als Stadtpfarrer zweier Stadtpfarreien versetzt. Fünf Jahre in diesem Arbeitsfeld waren wahrlich genug. Ich konnte 2013 nach Bamberg wechseln und bin hier als Pfarrvikar in einer der beiden großen Seelsorgebereiche und als Dekanatsjugendseelsorger tätig.

 

Kommen Sie noch oft in die alte Heimat? Welche Kontakte pflegen Sie außer der Familie?

Putzer: Der Weg von Bamberg nach Auerbach ist natürlich wesentlich kürzer als der von Augsburg in meine Heimat. Ich kann jetzt öfter wieder mal zuhause sein, werde für Taufen und Hochzeiten von Freunden und Bekannten eingespannt, nehme mir Zeit für Besuche bei Menschen, die mich auf meinem Weg seit Jahren und Jahrzehnten begleiten — und die mir auch wichtig sind. Ab und zu schau ich auch bei den Kameraden der Feuerwehr in Nitzlbuch-Welluck vorbei, bei denen ich mich wohlfühle. Dann fahre ich aber gerne weiter zu meinem Bruder nach Hersbruck; seine Physio-Praxis bringt doch gewisse Vorteile mit sich.

INTERVIEW: BRIGITTE GRÜNER

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