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Montag, 20.01.2020

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Erfolgsmodell Kinderfeuerwehr Auerbach

2017 wurde die Kinderfeuerwehr Auerbach gegründet. Mittlerweile zählt die Gruppe fast 50 Mitglieder. - 15.01.2020 14:55 Uhr

Gemeinschaftserlebnisse wie die Teilnahme an einem Festumzug schweißen die Mädchen und Jungen der Kinderfeuerwehr zusammen. © Foto: Brigitte Grüner


"Willst du dich nicht mal verabschieden?" ruft eine Mutter ihrem Sohn hinterher, als dieser zu seinen Freunden von der Kinderfeuerwehr eilt. Es ist eine große, fröhliche Gruppe, und selbst Leiter Harald Schmidt hat oft zunächst Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Aufmerksam werden die Kinder, als die jungen Betreuer ein "Einsatzlied" vorspielen und singen. "Wir sind als Allererste da, wir machen laut tatü-tata." Insgesamt neun Betreuer – sieben Frauen und zwei Männer – kümmern sich alle zwei Wochen um die Mädchen und Jungen. Der jüngste ist der 15-jährige Valentin Weber.

Als die Gruppe vor über zwei Jahren ins Leben gerufen wurde, haben die Verantwortlichen mit fünf bis zehn interessierten Kindern gerechnet. Geworben wurde unter anderem mit Handzetteln und Mundpropaganda. Schon zum ersten Treffen kamen über 20 Mädchen und Jungen. Das Team war positiv überrascht. Seit dem ersten Abend engagieren sich die Betreuer mit großem Eifer und jeder Menge guter Ideen für die Gestaltung der "Übungen", die alle zwei Wochen am Freitag von 17 bis 18:30 Uhr im Auerbacher Gerätehaus stattfinden. Nicht nur Kinder aus der Stadt sind mit Eifer dabei. Die Sechs- bis Zwölfjährigen kommen auch aus den Ortsteilen Degelsdorf, Gunzendorf, Michelfeld, Nitzlbuch, Welluck und sogar aus Pegnitz. Aktuell hat die Kindergruppe der Auerbacher Wehren 48 Mitglieder: 28 Jungen und 20 Mädchen.

Bevor die Feuerwehrknoten gelernt werden, üben die Kinder mit diesem selbst gebauten Schuhmodell das Binden der Schnürsenkel. Links Kreisbrandmeister Michael Schmidt bei der Abnahme der „Kinderflamme“. © Foto: Brigitte Grüner


 Die Themen der Treffen werden vorher im Betreuerkreis besprochen und ausgearbeitet. Es gibt sportliche, kreative und informative Treffen. Ein Besuch in der Polizeiinspektion, beim Roten Kreuz oder bei der Oldtimer-Gruppe der Auerbacher Wehr ist vielen Kindern in Erinnerung geblieben. Je nach Jahreszeit wird auch gebastelt: Drachen im Herbst und Vogelhäuschen im Winter beispielsweise. Momentan studiert das Team mit den Kindern ein Theaterstück ein, das im ersten Halbjahr 2020 vor Publikum aufgeführt werden soll. Themen rund um die Feuerwehr kommen natürlich nicht zu kurz. Es geht unter anderem um Brandschutz, Ausrüstung der Aktiven und Feuerwehrknoten. Die Kinder seien durchwegs sehr motiviert und wissbegierig, hat Leiter Harald Schmidt festgestellt. Die Nachwuchs-Feuerwehrler lernen immer wieder Neues, zum Beispiel das Schuhe-Binden. "Die Generation ‚Klettverschluss‘ kann Feuerwehrknoten oft besser als Schuhe binden", schmunzelt Schmidt.

Das Engagement der Kinderfeuerwehr wurde bereits mehrfach gewürdigt. Unter anderem bekam die Gruppe 2018 den mit einer Spende dotierten Zukunftspreis der Firma ZF. Auch Sponsoren konnte die junge Wehr gewinnen. So war es möglich, einheitliche T-Shirts für die Kinder zu besorgen. Die Anschaffung von Warnwesten und Handschuhen haben die Ortswehren finanziert. Stolz sind die Mädchen und Jungen, die das Abzeichen "Kinderflamme" an ihr T-Shirt heften können. Die Flamme gibt es in vier Stufen. Die Prüfung ähnelt einer Leistungsprüfung bei der aktiven Wehr. Es sind verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Dazu gehören das Absetzen eines Notrufs, das Anlegen eines Verbands, das Binden eines Feuerwehrknotens, Kenntnisse über Ausrüstung und Geräte der Wehr und vieles mehr.

Ausreichend Nachwuchs als Ziel

Die Gründung der Kinderfeuerwehr erfolgte nicht, weil Harald Schmidt und seine Mitstreiter Langeweile hatten. Grund war und ist vielmehr das mittelfristige Ziel, ausreichend Nachwuchs für die Jugendfeuerwehr und später für die aktive Mannschaft zu haben. Bei Kindern lässt sich die Begeisterung für den Dienst bei der Feuerwehr sehr schnell wecken. Manche schauten fast etwas ehrfürchtig, als zur Abnahme der Kinderflamme acht Feuerwehr-Funktionäre in ihrer Uniform auftauchten. Das Projekt "Kinderfeuerwehr" wurde landkreisweit 2012 in Haslmühl, Gemeinde Kümmersbruck, begonnen.

Inzwischen gibt es eine solche Gruppe in zwölf Gemeinden, eine 13. Kinderfeuerwehr läuft gerade an. Harald Schmidt aus Auerbach ist Leiter des noch jungen Fachgebiets "Kinderfeuerwehr" auf Landkreisebene. Dieses Ehrenamt bringt vor allem organisatorische Aufgaben mit sich, erzählt er.

Er weiß, dass insgesamt rund 200 Mädchen und Jungen in Amberg-Sulzbach regelmäßig zur Kinderfeuerwehr kommen. Alle diese Kinder sind im wahrsten Sinne des Wortes "cool genug für ein heißes Hobby", wie ein Werbeslogan vor einiger Zeit den ehrenamtlichen Dienst umschrieben hat.

BRIGITTE GRÜNER

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