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Erfolgsstory im oberen Wiesenttal

Der SV Bavaria Waischenfeld ist zum ranghöchsten Fußballverein der Fränkischen Schweiz avanciert - 16.11.2020 12:21 Uhr

Stolz, aber mit Abstand auf dem schmucken Sportplatt des SV Bavaria Waischenfeld: Die Vorstandsmitglieder (von links) Andreas Dinkel und Bernhard Bachmann und Ehrenamtsbeauftragter Robert Sönning.

16.11.2020 © Foto: Jürgen Masching


M In den vielen Jahren des Bestehens der SV Bavaria gab es Höhen und Tiefen. Dies betonten die Vorstände Bernhard Bachmann und Andreas Dinkel sowie Ehrenamtsbeauftragter Robert Sönning, aber auch die Tatsache, dass man im oberen Wiesenttal schon immer etwas zwischen den Stühlen saß.

"Gerade stehen wir in der Bezirksliga Oberfranken Ost in unserer zweiten Saison auf einem gesicherten Platz", so Andreas Dinkel. "Und sind im Jahre 2020 noch ungeschlagen". Dabei müssen dann alle doch etwas schmunzeln, denn die Mannschaft hatte nur drei Spiele absolviert. Von Anfang an hatte es der Verein im abgelegenen Tal"der Fränkischen Schweiz nicht einfach. "Wo gehören wir hin?" Diese Frage musste man sich immer wieder stellen.

"Angefangen hatte alles bereits vor dem Krieg", so Robert Sönning. Doch im Jahre 1933 musste der Spielbetrieb eingestellt werden. Am 14. März 1946 fanden sich im Gasthaus Sonne neun Männer ein und gründeten den SV Bavaria Waischenfeld. Erster Vorsitzender war damals Franz Friedmann. Wie man auf den Namen "Bavaria" kam, können die heutigen Verantwortlichen nicht genau erklären. "Vielleicht, weil unsere Farben ja auch weiß und blau sind", so Sönning.

"Wir sind einer der ersten eingetragenen Fußballvereine (e.V.) im Landkreis", so die Verantwortlichen stolz. Das erste offizielle Fußballspiel fand am 5. Mai 1946 gegen den damaligen TuSpo Ebermannstadt statt. Gespielt wurde damals auf dem Buchberg, der mit dem Spiel eingeweiht worden ist. Jetzt stehen dort Solaranlagen. Bis 1948 gab es danach nur Freundschaftsspiele gegen benachbarte Vereine. Im Jahr 1948 stieg der SV Bavaria dann in der C-Klasse in den Spielbetrieb ein. "Dort stiegen wir direkt in die B-Klasse auf, weil unter den Flüchtlingen viele gute Spieler waren", erinnert sich Sönning.

Alles im Griff: Keeper Benjamin Schatz vom SV Bavaria Waischenfeld fängt hier in einem Spiel des Toto-Kreispokals Bayreuth beim FSV Schnabelwaid eine Flanke ab. Die Elf aus dem oberen Wiesenttal hat sich aktuell in der Bezirksliga Oberfranken Ost bestens etabliert.

16.11.2020 © Foto: Peter Mularczyk


Danach ging es für den Verein immer Auf und Ab. "Da wir früher zum Landkreis Ebermannstadt gehörten, wurde dort gespielt", so Bachmann. Im Zuge der Gebietsreform von 1972 wurde dieser aufgelöst, Waischenfeld kam zum Landkreis Bayreuth. Fußballerisch blieb man zunächst im Landkreis Forchheim, "wie eigentlich alle Vereine in dieser Ecke der Fränkischen Schweiz", so Sönning. Aber ab der Saison 1982/83 wurde man dem Spielkreis Bayreuth und damit dem Fußballbezirk Oberfranken zugeschlagen, während die alten Gegner fußballerisch weiterhin zu Mittelfranken gehörten.

Als einen der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte bezeichnen die Verantwortlichen den mehrmaligen Gewinn des Landkreispokals (Rudolf-Eberhard-Pokal) im Landkreis Forchheim. Der einstige Ebermannstädter Landrat und spätere bayerische Finanzminister Eberhard war auch der Schirmherr bei der Einweihung der Waischenfelder Turnhalle 1961 – damals die einzige weit und breit.

"Natürlich ist in der jüngeren Geschichte das Highlight der Durchmarsch von der Kreisklasse in die Bezirksliga", so Andreas Dinkel. "Und das haben wir mit einem guten Trainer, der Kameradschaft und Zusammenhalt geschaffen hat". Und Robert Sönning ergänzt: "Wir haben auch keine bezahlten Legionäre, alle Spieler haben einen Bezug zu Waischenfeld." In einem weiteren Punkt sind sich die drei Verantwortlichen einig: Mit aller Macht wolle man nicht höher spielen, selbst wenn der Verein zurzeit rund 60 Spieler zur Verfügung hat und dadurch auch drei Mannschaften (Bezirksliga, A-Klasse, B-Klasse) stellen kann.

Bei den Großfeldjugendteams spielt der SV Bavaria mit Kirchahorn und Pottenstein (Dinkel: "Das ist eine hervorragende Zusammenarbeit") in einer Spielgemeinschaft. Von der G- bis zur A-Jugend seien 120 Waischenfelder Kinder und Jugendliche am Ball – und das bei einer Einwohnerzahl von knapp über 3000. Immer wieder schaffen Eigengewächse den Sprung in die "Erste". Eine stabile und konstante Mannschaft bilden die Damen in der Bezirksliga. "Schon einige Jahre wird dort gespielt und man hat sich etabliert. Natürlich ist es schwer, Spielerinnen zu finden, wenn man keine Nachwuchs-Mannschaften hat", so Dinkel.

Finanziell sehe es "noch" gut aus für den Verein, so Bachmann. Aber das Jahr 2020 habe schon seine Spuren hinterlassen. "Wichtige Einnahmen aus den Heimspielen oder anderen Veranstaltungen sind weggefallen. Aber wir haben große Unterstützer, allen voran unseren Hauptsponsor und die Stadt Waischenfeld", so der Vorsitzende weiter. Da keine großen zusätzlichen Kosten auf den Verein zukommen, werde man das Jahr 2020 auch überstehen.

"Aber was uns alle sehr traurig machte, war der Umstand, dass wir unser 75-jähriges Vereinsjubiläum für nächstes Jahr absagen mussten", so der Vorsitzende. Stolz auf den SV Bavaria kann man in Waischenfeld aber auch ohne eine große Feier sein.

Immer wieder die Frage:

Wo gehören

wir hin?

JÜRGEN MASCHING

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