Nach regenreichem Sommer

Ernüchternde Bilanz der Badbetreiber

18.9.2021, 17:00 Uhr
Der optische Eindruck im Nichtschwimmerbecken an einem der wenigen Hitzetage trügt: Die Besucherzahlen in Betzenstein waren heuer noch schlechter als im Vorjahr.

Der optische Eindruck im Nichtschwimmerbecken an einem der wenigen Hitzetage trügt: Die Besucherzahlen in Betzenstein waren heuer noch schlechter als im Vorjahr. © Foto: Klaus Trenz/Archiv

"Der August war so schlecht wie der Juli", erklärte der Betzensteiner Bademeister Helmut Leistner am NN-Telefon. Und ergänzt: "Das war noch schlechter als im ersten Corona-Jahr." Von den Badbesuchen sei der August genauso schlecht wie der Juli gewesen. Schuld daran seien auch die "kalten Nächte" gewesen. "Wenn das bessere Wetter im September wenigstens acht Tage früher gekommen wäre, hätten wir überbrücken können", glaubt er.

Dennoch räumt der Betzensteiner Bademeister ein: "Die Leute, die trotzdem kamen, waren zufrieden." Jetzt stünden die üblichen Winterarbeiten an, um die Becken auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.

Einen "deutlichen Umsatzrückgang" bilanzierte auch der Pottensteiner Freibadpächter Dieter Bauer. Daran sei aber nicht nur das schlechte Wetter schuld, sondern auch die Hygieneregeln. Maximal 200 Besucher, mehr wären im Felsenbad nicht erlaubt gewesen.

Manche draußen anstehenden Badegäste wurden erst noch zur Teufelshöhle, der Sommerrodelbahn oder zum Kletterpark geschickt, um die Wartezeit am Eingang des Felsenbades zu überbrücken. Bauer: "Einige setzten sich auch in unseren Biergarten." Ihre Namen wurden derweil auf eine Reservierungsliste gesetzt.

Nach diesem "extrem schlechten Sommer" hofft Bauer auf ein besseres Jahr 2022. "Dann werden die Karten neu gemischt."

Als "unterirdisch" bezeichnete der Geschäftsführer der Königsteiner Marktwerke, Oliver Berger, die abgelaufene Freibadsaison. "Im ganzen August hatten wir nur an sechs Tagen geöffnet." Die umsatzmäßig besten Wochen seien von Mitte Juni bis Mitte Juli gewesen. In den anderen Sommerwochen wurde "gnadenlos draufgezahlt".

Heuer hätte nicht mal die Hälfte der sonst üblichen Gäste den Weg ins Königsteiner Bad gefunden. In einem normalen Freibadjahr lag hier der Gesamtumsatz bei rund 50 000 Euro. "Heuer werden es höchstens 20 000 bis 23 000 Euro an Eintrittsgeldern." Nur die Dauerkartenkäufer hätten die Badbilanz etwas gerettet.

Aus Frust über das miese Wetter hätten viele Gäste ihren Unmut auf den wegen Corona vorgeschriebenen Adresszetteln hinterlassen. Da fanden sich dann auch Ausdrücke wie "Überwachungsstaat".

Generell lag der Besucherrückgang aber Berger zufolge nicht an den Hygieneregeln, sondern schlicht am Regenwetter.

In Waischenfeld rechnet Bademeister Stefan Polster mit "knapp 13 000 Freibadbesuchern in dieser Saison. Im Vorjahr, dem ersten Corona-Jahr, waren es immerhin 15 000 Badegäste." Das ist aber immer noch weit entfernt von den 25 000 bis 30 000 Freibadgängern in einem normalen Freibadjahr.

Einfache Regeln

Die Waischenfelder Hygieneregeln waren denkbar einfach. Polster: "Wer da ist, ist da, wer zu spät kommt, muss warten." Daran habe sich seit dem ersten Corona-Jahr nichts geändert.

Nur ein "paar Lockerungen" seien den heimischen Wasserratten zugute gekommen. "Unser Problem war im Vorjahr, dass der Sprungbereich viel Platz benötigt, wir haben nur ein Becken." Dieses wäre heuer einfacher geworden, "weil die geringeren Abstandsflächen leichter zu handeln sind".

Als "Solidarität" wertete der Bademeister, dass viele Waischenfelder lange im Vorfeld Jahreskarten gekauft und so das Bad finanziell unterstützt hätten. Einige dieser Jahreskarten seien nie benutzt worden. In Waischenfeld war das Freibad auch an Schlechtwettertagen wenigstens vormittags und dann noch einmal gegen Abend für Gewohnheitsschwimmer geöffnet worden.

Halbwegs "zufriedenstellend"

"Wenn es schön war, dann kamen die Leute. Wenn nicht, dann eben nicht." Dieses Beobachtung machte Mitarbeiter Kurt Utz im Hirschbacher Terrassenfreibad. Die Besucherzahlen von exakt 4284 dürften sich mit dem ersten Corona-Jahr in etwa "die Waage halten". Sein Bürgermeister Hermann Mertel erklärte: "Auch wenn es wettertechnisch nicht der Hit war, war es einigermaßen zufriedenstellend".

Ernüchternde Besucherzahlen auch im Auerbacher Freibad "Schwimm-Sal-a-Bim": Dort wurden heuer exakt 27 756 Badegäste gezählt. Das sind immerhin rund 10 000 mehr als im Vorjahr, dem ersten Corona-Jahr. Allerdings immer noch kein Vergleich zu einem normalen Freibadjahr ohne Coronaeinfluss.

Im Jahr 2019 stürzten sich rund 38 800 Badegäste ins Freibadnass oder dösten in der Sonne auf der Liegewiese. Das sind rund 11 000 Besucher mehr als in diesem wetterwendischen Sommer 2021. "Wir hatten Schlechtwettertage mit ganz wenig Besuch und andererseits wenige Tage mit sehr viel Besuch", sagte die Rathaus-Sachbearbeiterin Silvia Thiel mit Blick auf die Badestatistik.

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