Donnerstag, 09.04.2020

|

Erster syrisch-orthodoxer Priester wird in Auerbach geweiht

Der syrisch-orthodoxe Diakon Philip Isa wird am Sonntag zum Priester geweiht. Er ist verheiratet und hat Kinder. - 11.01.2020 15:55 Uhr

Das Priestergen liegt sozusagen in der Familie der Isas. Schon Philips Vater war syrisch-orthodoxer Priester. Philip Isa wird künftig voraussichtlich im zweiwöchentlichen Rhythmus Gottesdienste in der Kirche der Auerbacher Schulschwestern zelebrieren. © Foto: Udo Fürst


Philip Isa startet in sein drittes Leben. Das erste begann mit seiner Geburt vor gut 50 Jahren im irakischen Mossul, das zweite mit seiner Ankunft vor knapp 27 Jahren in Deutschland und das dritte wird mit der Priesterweihe beginnen. Der Iraker erinnert sich noch genau an den Tag seiner Ankunft in Frankfurt: "Es war der 27. März 1993 und er hat mein Leben und das meiner Familie verändert."

Das Priester-Gen liegt sozusagen in der Familie der Isas. Schon Philips Vater war syrisch-orthodoxer Priester. Fast 40 Prozent aller Iraker gehörten dieser Kirche an. "Heute gibt es dort fast niemanden mehr mit dieser Glaubensrichtung. Vielleicht ein Prozent, das sich dazu bekennt", sagt der Noch-Diakon.

Mossul und damit auch die Kirchen seien mittlerweile genauso zerstört wie die Hauptstadt Bagdad. "Wir dürfen aber nicht aufhören zu glauben und zu hoffen, dass es eines Tages wieder besser wird", sagt Isa, der relativ spät zum Orden kam. Im Irak arbeitete der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne als Ingenieur in der Ölbranche. Vater, verheiratet, als Priester? "Bei uns gibt es kein Zölibat", sagt Isa schmunzelnd. "Das gilt nur für die Mönche und den Bischof."

Weil er in Deutschland keinen Ingenieurjob fand, arbeitete er zunächst in verschiedenen Restaurants, ehe er sich mit einem irakisch-türkischen Spezialitätenlokal selbstständig machte. Nebenbei war er Messdiener und hielt für die syrisch-orthodoxen Christen Bibelstunden – seit Jahren auch in Auerbach, das zur Region Nürnberg gehört.

In Auerbach ist Verdi Akdemir seit Jahren als Bindeglied zwischen katholischer und syrisch-orthodoxer Kirche enorm aktiv. Sie leitet den Tisch der Begegnung, ist ein wertvoller Bestandteil für diese Treffen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, zumal sie aramäisch, arabisch und türkisch spricht und dolmetschen kann.

Außerdem organisiert sie Gottesdienste und Bibelstunden. "Ich bin so froh, dass wir mit Philip einen Priester bekommen", sagt die gläubige Frau, die den Christen in ihrer Stadt sehr dankbar ist. "Wir syrisch-orthodoxe Christen sind sowohl bei der evangelischen als auch bei der katholischen Kirche immer willkommen. Das ist wunderbar."

Philip Isa wird künftig voraussichtlich im zweiwöchentlichen Rhythmus Gottesdienste in der Kirche der Auerbacher Schulschwestern zelebrieren. Und er freut sich darauf: "Ich wollte schon immer helfen, Christen auf den rechten Weg zu bringen. Das ist meine Berufung", sagt der Diakon, der seine Wurzeln nie vergessen werde, sich aber dennoch voll integriert sieht in Deutschland. Wichtig sei ihm vor allem, junge Menschen und Familien wieder verstärkt zum Glauben zu bringen. "Ziel muss sein, dass unsere Kirche weiterlebt."

Verdi Akdemir stimmt dem Diakon zu und betont: "Wir sind doch alle Äste am Stamm des Christentums und haben die gleichen Ziele. Auch wenn jede Glaubensrichtung ihre Wurzeln und Traditionen nicht vergessen sollte."

Die syrisch-orthodoxe Kirche hat etwa fünf Millionen Anhänger auf der Welt. Deutschland ist mit mehr als 100  000 Mitgliedern die größte Diözese – auch wenn die mit Abstand meisten Gläubigen mit fast vier Millionen aus Indien kommen. Hauptsitz ist Warburg in Hessen, wo auch Bischof Mor Philoxenos Matthias Nayis sitzt. Deutschlandweit gibt es 60 Priester dieser Glaubensrichtung.

Ist Philip Isa nervös vor dem großen Tag? "Überhaupt nicht. Ich spüre nur eine große Freude in mir", sagt der Noch-Diakon. Am Sonntag um 11.30 Uhr ist es soweit: Dann werden syrisch-orthodoxe, römisch-katholische, evangelische und neuapostolische Priester und Gläubige ins Gotteshaus ziehen und so auch ein großes Stück Gemeinsamkeit beweisen. Und das ist dem Neupriester ja sehr wichtig.

Ziel muss
sein, dass
unsere Kirche weiterlebt

UDO FÜRST

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Auerbach