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Erzbischof Schick zeichnet "Unermüdliche" aus

Katholischer Geistlicher würdigt die Arbeit heimischer Gruppierungen, die ehrenamtlich stark engagiert sind - 08.07.2017 11:57 Uhr

Verdi Akdemir, Schwester Brigitte Hintermaier, Hans Kormann, Hildegard Wieber, Lotte Mura und Marianne Mimler-Hofmann sowie Eugen Eckert und Annemarie Hartmann (beide nicht im Bild) sind der harte Kern des Freiwillligenteams, das seit zwei Jahren regelmäßig — einmal im Monat — im katholischen Pfarrzentrum einen „Tisch der Begegnung“ organisiert. Flüchtlinge, einsame Menschen und ältere Menschen sollen bei diesen Treffen zusammengebracht werden. © Sonny Adam


Verdi Akdemir kommt ein bisschen außer Atem zum Pressetermin. "Heute ist kein guter Tag. Drei unserer Schützlinge haben die Ablehnung bekommen. Sie dürfen nicht bleiben", sagt sie. Es handelt sich um Flüchtlinge aus Eritrea, die an die Drittländer, über die sie eingereist sind, zurück überstellt werden sollen. Sofort ist die Aufregung groß. Denn in Auerbach kennt jeder jeden. "Wer ist es denn?", fragt das Organisationsteam. Und natürlich wird beratschlagt, ob man gegen den Bescheid noch Einspruch erheben könne oder ob man anderweitig helfen könnte.

Integration vor Ort

Schon seit der großen Flüchtlingswelle hat sich in Auerbach ein Flüchtlings-Helferkreis gebildet. Die ehrenamtlich Tätigen haben es sich zur Aufgabe gemacht, vor Ort zur Integration beizutragen. "Es geht nicht darum, dass wir den Menschen Essen oder Kleidung geben oder so etwas. Es geht darum, dass wir bei der Integration helfen", erklärt Hildegard Wieber.

Aus diesem Grund wird immer am letzten Montag im Monat ein sogenannter "Tisch der Begegnung" veranstaltet. "Wir möchten Asylbewerber mit Auerbacher Bürgern zusammenbringen, wir machen die Veranstaltung auch für Menschen, die vielleicht alleine sind oder die ein bisschen Geselligkeit möchten", sagt Schwester Brigitte Hintermaier.

Die Ordensschwester ist sichtlich froh, wenn viele Menschen kommen und steuert auch gerne Kuchen bei. "Bisher habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass Muslime Ordensleuten und Priestern mit sehr großem Respekt begegnen", erzählt die Geistliche, die zugleich Hausoberin von Sankt Josef in Auerbach ist.

In die Tat umgesetzt wird der Tisch der Begegnung im katholischen Pfarrzentrum. Pater Markus Flasinski ist ein aktiver Unterstützer, der von der ersten Minute den Neuankömmlingen geholfen hat.

"Ich bin von Anfang an dabei, weil ich die Idee einfach gut fand. Anfangs kamen vorwiegend Asylbewerber, inzwischen trauen sich auch Einheimische. Wir wollen ja die Berührungsängste abbauen", erklärt Lotte Mura. "Wenn ich nicht helfen würde, würde ich auch auf einen Kaffee und Kuchen vorbei kommen", meint die Ehrenamtliche selbst. Verdi Akdemir, ursprünglich Aramäerin, ist ein wertvoller Bestandteil für den Tisch der Begegnung. Sie spricht aramäisch, arabisch, türkisch und kann zwischen den Ethnien dolmetschen.

Aktuell laufen die Vorbereitungen für das große Grillfest an. "Es soll am 30. Juli um 14 Uhr stattfinden - auf dem Freibad-Campingplatz. Wir müssen den Bürgermeister fragen", sagt Akdemir. Denn noch ist unklar, ob das Gelände frei ist.

Interkultureller Abend

Marianne Mimler-Hofmann wird — wie schon so oft — die Flyer gestalten. Und auch die Männer sind wieder mit von der Partie. "Im September planen wir einen interkulturellen Abend. Wir feiern beim Tisch der Begegnung auch Fasching, Advent. Toll war, als der Nikolaus kam. Die Kinder hatten gar keine Angst, wollten sich alle mit dem Nikolaus fotografieren lassen", erzählt Hildegard Wieber.

Das Helferteam besteht aus rund zwölf Freiwilligen. "Dass wir jetzt geehrt werden, freut uns natürlich schon", sagt Wieber.

Doch nicht nur aus Auerbach reiste eine Gruppe nach Bamberg zu Erzbischof Ludwig Schick, sondern auch in Trockau gibt es Ehrenamtliche, die die Aufmerksamkeit des Erzbischofs auf sich gezogen haben: "Unser Seniorenteam um Baronin Magdalena Groß von Trockau ist sehr aktiv. Es ist einmal im Monat im Einsatz — immer an jedem dritten Mittwoch im Monat von 14.30 Uhr bis 18 Uhr", erzählt Pfarrer Josef Hell stolz. Seit zwölf Jahren organisieren die ehrenamtlichen Helfer einmal im Monat einen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen.

Pfarrer Josef Hell steuert zu diesen Treffs jeweils den geistlichen Impuls bei. Und meistens wird bei solchen Treffen auch Musik gemacht: vom Sankt-Thomas-Duo, bestehend aus Thomas Haber und Adolf Hartmann.

"Ich habe im Ausschuss des Dekanatsrates selbst den Vorschlag eingebracht, unser Seniorenteam für die Ehrung vorzuschlagen. Denn in dem Team sind Menschen, die sich seit Jahrzehnten engagieren. Und im Frühling war zum zwölften Mal der Dekanats-Seniorennachmittag. Da kommen bis zu 130 Personen — und unsere engagierten Ehrenamtlichen organisieren alles und sorgen für die Bewirtung", lobt der Pfarrer und fügt hinzu: "Ich freue mich, wenn die, die sich seit Jahrzehnten engagieren und einbringen, einmal vom Erzbischof selbst eine Anerkennung erfahren", sagt der Trockauer und freut sich offen für sein Team. Denn vieles wäre in der Kirche nicht möglich, wenn es für diese vielfältigen Aufgaben keine freiwilligen Helfer gäbe.

SONNY ADAM

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