Freitag, 05.03.2021

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Es begann mit Brautschuhen: Wie die Vorderkleebacher Kapelle vor über 50 Jahren entstand

Versteigerungen von Hochzeitsgegenständen und ein Erbe ermöglichten den Bau der Marienkapelle in Vorderkleebach. - 17.02.2021 14:55 Uhr

Rosalinde Neukum ist mit Leib und Seele Mesnerin. Wenn sie die Kapelle betritt, fühlt sie ein Urvertrauen: Am besten beschreiben es die Bezeichnungen „Heimkommen“ und „Geborgenheit“, sagt sie.

16.02.2021 © Foto: Rosi Thiem


Leise und lächelnd lässt Rosalinde Neukum die Marienkapelle mit sanften Tönen im Hintergrund berieseln, als sie die großzügige Dorfgebetsstätte zeigt. Sie ist die Mesnerin. Mit einer beruhigenden Gelassenheit erklärt sie: "In Vorderkleebach gab es bis 1969 keine Kapelle. Zu kirchlichen Zusammenkünften versammelte man sich an dem Kreuz, das heute noch neben dem Feuerwehrhaus an der Straße steht. Wir nannten das Kreuz immer ,Maigebet‘. Wegen des großen Verkehrsaufkommens könnten wir uns da heute gar nicht mehr versammeln."

Die meisten Arbeiten wurden von den Bürgern in Eigenleistung erbracht.

17.02.2021 © NN-Bildarchiv


Der Wunsch nach einer eigenen Kapelle war damals groß. Das Kapellengrundstück stammte von Elisabeth Neubig, die es wiederum von ihrer Tante Kunigunda Brendel geerbt hatte; mit der Stiftungsauflage zu einem Kapellenbau. Vormals stand dort ein unterkellerter Stadel, der teilweise von den Bewohnern des vorderen Dorfes für Wintereinlagerungen genutzt wurde. "Bauherr der Kapelle und Grundstückseigentümer war die ehemals selbständige Gemeinde Vorderkleebach.

Überwiegend Eigenmittel

Nach der Eingemeindung gingen alle gemeindlichen Besitztümer auf die Stadt Pottenstein über", erklärt Rosalinde Neukum. Erst durch Eigeninitiative und ehrenamtliche Bereitschaft konnte die Kapelle überhaupt gebaut werden. Georg Richter hat sich anfänglich um die Finanzen gekümmert. Sein Enkel Martin Richter führt dazu aus: "Die Maurerarbeiten wurden von Alfons Haas, Joseph Horn und Johann Neubig vorgenommen. Zuverlässige Handlanger waren Veit Thiem und Georg Orlet und alle Zimmerergewerke blieben bei Thomas Landmann. Georg Orlet, der sich damals noch in der Ausbildung befand, übernahm alle elektrischen Arbeiten." Martin Richter findet es bemerkenswert, dass sich der Bau fast ausschließlich aus Eigenmitteln und Spenden finanziert hatte. In einem immensen Schriftverkehr wurden damals sogar Konrad Adenauer und Heinrich Lübke angeschrieben und um einen Obolus gebeten, erinnert Richter sich.

Absagen der Bundespolitiker

Auffallend ist der elegante Tabernakel links vom hölzernen Altar.

16.02.2021 © Foto: Rosi Thiem


Doch der Ort musste auf seine eigenen Stärken setzen: "Es gab keine tatsächlichen Spenden von Bundespolitikern. Sie haben in der Regel mit dem Vermerk geantwortet, lokal begrenzte Initiativen nicht zu unterstützen, da sie sonst im Sinne der Gleichbehandlung alle ähnlichen Anliegen bedenken müssten. Gleichwohl wünschten sie immer gutes Gelingen", berichtet Rosalinde Neukum. "Den ersten finanziellen Grundstock gab es bereits 1960, als die zwei Brautpaare Gunda und Adam Richter und Kunigunde und Friedrich Eckstein ihre Erlöse aus den Brautschuhversteigerungen dem geplanten Kapellenbau widmeten", erzählt die Mesnerin lachend. "Adam Richter, der Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde Vorderkleebach, hat sich auch um die Geldmittel und den späteren baulichen Unterhalt gekümmert."

Ende 1968 stand die Kapelle als Rohbau mitten im Dorf.

17.02.2021 © NN-Bildarchiv


Geweiht wurde die Kapelle am 15. Juni 1969 durch Pfarrer Georg Popp aus Hohenmirsberg. "Die Glocke stammt aus dem Jahr 1778", berichtet die Mesnerin. Im Krieg wurde die Glocke zum Schutz vor einer möglichen Konfiszierung in den Scheunen der Familie Schrenker versteckt und entging somit der sorgfältigen Eisensammlung durch die NS-Wehrmacht. Martin Richter erinnert weiter in seinen Aufzeichnungen, dass die Glocke vorher bei der Familie Schrenker auf dem Hof stand und diese Familie einst auch das Gebetsläuten vornahm. Heutzutage läuten die Glocken, wenn jemand aus dem Ort stirbt und bei der Überführung ist der Glockengruß eine Verabschiedung des Verstorbenen. Die Kapellenglocke läutet dann so lange, bis sich der Sarg des Verstorbenen dem Ortsblick entzieht.

"Für die Kapelle wurde eine runde Form gewählt", zeigt Rosalinde Neukum stolz auf die geschwungene Form zwischen den 60 Sitzplätzen. "Sie steht, wenn man das Ortsbild von oben auf einer Karte betrachtet, ziemlich in der Mitte des Ortes. Dieser rundet sich ebenfalls." Vorbei an dem modernen Kreuzweg aus Keramik und dem eleganten Tabernakel zeigt sie auf eine stattliche Marienstatue: "Die Mutter Gottes wurde unserer Kapelle von der Kuratie Poppendorf überlassen", erzählt sie freudig. Die Kapelle sei in das Pfarrleben der Kuratie Poppendorf sehr gut eingebunden. "Alle vier Wochen findet bei uns auch eine heilige Messe statt. Dann sind die Bewohner aus Hinterkleebach und dem Ahorntal gern gesehene Gäste." Inzwischen kümmert sich Robert Neubig um die finanziellen Angelegenheiten. Rosalinde Neukum ist gerne Mesnerin, das spürt man. Sie hat noch ein Lied parat. "Leise sinkt der Abend nieder", ertönt es sanft im ruhigen Kirchlein.

Die Marienkapelle in Vorderkleebach ist rund angelegt und bietet Platz für 60 Menschen. Das kleine Gotteshaus steht in der Dorfmitte.

16.02.2021 © Foto: Rosi Thiem


"Wir haben in dem kleinen Ort fünf Ministranten. Das ist wirklich lobenswert, mit welchem Eifer die Kinder dabei sind", erkennt sie dankbar an.

Vorderkleebach zählt derzeit 78 Einwohner. Die Kapellenpflege teilen sich sechs Frauen in Zweiergruppen. Neben der Mesnerin helfen Karin und Margarete Haas, Margarete Hacker, Katja Neubig und Andrea Bauernschmitt. "Ich gehe beim Schmücken schon mal durch die verschiedenen Dorfgärten hausieren und schneide – mit Erlaubnis – schon mal die schönsten Blumen ab", bekennt sie lächelnd. "Manche Familien säen auch extra Blumen auf die Äcker, damit die Kapelle geschmückt werden kann", freut sie sich.

Im Sommer ist die Kapelle offen, allerdings schützt ein Holzschutzgitter den besonderen Innenraum. Alle drei Jahre an den Bitttagen ist die Marienkapelle Ziel der Poppendorfer Wallfahrt. "Im vergangenen Jahr haben wir zu Fronleichnam einen Altar gestaltet. Pfarrer Matthew Anyanwu hielt eine Andacht. Wir waren stolz, dass unser kleiner Ort Teil der Prozession war."

Welches Gefühl hat die Mesnerin, wenn sie die schmucke Kapelle betritt? Rosalinde Neukum antwortet: "Es ist eine Art Urvertrauen. Besser umschreiben es jedoch die Bezeichnungen ,Heimkommen‘ und ,Geborgenheit‘ für mich. Meine jetzt schon erwachsenen Kinder habe ich von klein auf dazu animiert: Kommt Heim, wenn euch was belastet, wenn ihr euch freut. Erzählt, was los war, nur so kann ich euch helfen, euch verteidigen, die Last wird leichter, die Freude größer, über ein Danke bin ich glücklich. So ist auch das Gefühl, wenn ich Lasten, Freuden und auch Dank vor Gott hintrage. Man wird es los, dann kommt das Vertrauen: Mit Gottes Hilfe wird es schon gutgehen. Und über ein Danke freut er sich bestimmt – so wie ich."

ROSI THIEM

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