"Es fehlt das bestimmte Etwas": Die Auerbacher Feuerwehr in der Pandemie

6.5.2021, 14:55 Uhr
Blicken auf mehr als ein Jahr Pandemie zurück: Kreisbrandinspektor Hans Sperber (links) und Auerbachs Kommandant Sven Zocher.

Blicken auf mehr als ein Jahr Pandemie zurück: Kreisbrandinspektor Hans Sperber (links) und Auerbachs Kommandant Sven Zocher. © Foto: Jürgen Masching

Auch Hans Sperber, Kreisbrandinspektor im Inspektionsbereich III des Landkreises Amberg-Sulzbach, und Sven Zocher, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Auerbach, sehen diese Situation genauso.

Hauptsächlich online

Die Treffen auf Kreisebene sind hauptsächlich online abgehalten worden, so der Kreisbrandinspektor. "Wenn man sich nicht auf irgendeinem Einsatz sieht, dann vor dem Monitor". Da auch keine Präsenz-Schulungen mehr stattfinden konnten, hat sich die Kreisfeuerwehrführung im Landkreis Amberg-Sulzbach dazu entschlossen, ab Januar 2021 insgesamt 15 Online-Schulungen durchzuführen. "Wir hatten es auf 150 Teilnehmer begrenzt", so Hans Sperber weiter.

Die Themenvielfalt war sehr unterschiedlich, aber vor allem feuerwehrspezifischer Natur. "Manche Schulungen waren bereits Tage vorher ausgebucht". Man plant, dieses Konzept der Schulungsart auch nach der Pandemie weiter fortzuführen.

Auch in Auerbach finden seit vergangenem Jahr bei der Feuerwehr Schulungen statt. "Wir hatten im Schnitt 30 Kameraden vor den Computern sitzen", so Sven Zocher. Eine praktische Ausbildung konnten die Floriansjünger aus Auerbach im Juni, Juli und August durchführen, aber danach war wieder Schluss.


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"Wir hatten dazu ein Schutz- und Hygienekonzept, das wir auch bei der Stadt eingereicht hatten". Dieses wird der Kommandant auch in diesem Jahr wieder so handhaben. "Wenn etwas passiert, bin ich der Verantwortliche", so Zocher.

"Aktuell fehlen 20 Prozent"

Auch bei bestimmten Einsätzen, so sind sich beide Führungskräfte einig, fehlt das bestimmte Etwas. "Die fehlenden Übungen machen sich bemerkbar", so Kommandant Zocher. "Es geht auch erfahrenen Kameraden nicht mehr ,so schnell von der Hand‘ und man muss mehr nachdenken". Er betont auch, dass die Feuerwehrkameraden 120 Prozent üben müssen, um 100 Prozent an der Einsatzstelle bringen können. "Aktuell fehlen einfach etwa 20 Prozent", so Zocher. "Die Übungs- und Einsatzbereitschaft ist aber weiterhin ungebrochen".

Die Einsatzzahlen sind in der Lockdown-Phase etwa um 20 Prozent zurückgegangen, so schätzt Hans Sperber. "Vor allem die schweren Verkehrsunfälle auf den Bundes- und Landstraßen in meinem Bereich sind sehr zurückgegangen". Die Feuerwehr Auerbach hatte laut Zocher bis zum 1. Mai 32 Einsätze. "Ungefähr das Niveau von 2020". Neben dem Brand in der Auerbacher Bahnhofstraße habe man auch bisher weniger Brände in der Pandemie gehabt, so Zocher weiter. "Die Leute sind zwar vermehrt zu Hause, aber was immer wieder Leben rettet, sind die Heimrauchmelder, die zur Pflicht in den Wohnungen geworden sind". In der Kreisbrandinspektion sind es etwas mehr geworden, so Sperber.

Menge Nachholbedarf

"Wir haben, sollte es wieder besser werden, in Sachen Aus- und Weiterbildung eine Menge Nachholbedarf", so Kreisbrandinspektor Hans Sperber. "Seit fast eineinhalb Jahren wurden zum Beispiel keine Atemschutzträger ausgebildet, aber es fallen bei den Feuerwehren einige weg, ob alters- oder krankheitsbedingt".

Eine große Planung für das Jahr 2021 an Ausbildungen hat man auf Kreisebene nicht. "Wir wollten keine Termine festsetzten und dann wieder einen nach dem anderen absagen", so Hans Sperber. Aber sobald wie möglich will man starten, um die wichtigsten Kurse noch 2021 durchführen zu können. 

Und auch bei den Jugendlichen sehen beide eine dringende Aktion. "Ich habe zum Beispiel zwei Feuerwehrkameraden, die altersbedingt jetzt mit ausrücken dürften, aber wegen der fehlenden Ausbildung kann ich dies nicht verantworten", so Kommandant Sven Zocher. "Nach Corona wird es für alle Feuerwehren eine Herausforderung, die Jugendlichen wieder zur Wehr zu holen". Es waren auch auf Kreisebene weniger Jugendliche wie im Jahr 2019. "Woher kommt das? Die Übertritte zur aktiven Wehr fanden statt", so Sperber. "Aber es kam nichts nach, weil man unter anderem keine Jugendwerbung machen konnte". Waren es 2019 noch 908 Jugendliche im Kreis, so waren es 2020 nur noch 745.

Auch die Kameradschaft neben den Einsätzen prägt jede Feuerwehr. "Wir hatten vor dem Lockdown nach jedem Einsatz eine Nachbesprechung im Feuerwehrhaus, da wurde noch einmal der Einsatz durchgegangen", so der Auerbacher Kommandant. "Nun kommen wir zurück, ziehen uns um und jeder muss das Gebäude sofort verlassen". "Wenn das Team passt und es dir Spaß macht, ist es eine Feuerwehrfamilie". Und auch Kreisbrandinspektor Hans Sperber fügt hinzu: "Ich möchte es eigentlich nicht mehr länger missen".

Zudem, fügt Sperber hinzu, fehlen ihm auch die persönlichen Anerkennungen. Etwa bei Ehrungen oder auch bei Todesfällen. "Wenn ein langjähriges Feuerwehrmitglied, das fast 50 Jahre ehrenamtlich im Dienst war, verabschiedet wird, geht dies zurzeit sehr einsam über die Bühne". "Es fehlt die Tradition, die auch die Feuerwehr ausmacht", fügt Sven Zocher hinzu.

Ändern könnte sich nach der Pandemie die Häufung der Online-Schulungen, so Sperber. "Man hat gesehen, dass dies in manchen Dingen sinnvoll ist".

"Was jedoch dabei fehlt, ist die gelebte Diskussion", fügt Sven Zocher aber ein. Kameradschaft, Freude und Hilfsbereitschaft sind aus seiner Sicht die drei Säulen einer Feuerwehr. "Wenn man einer dieser drei Säulen entfernt, dann knickt alles ein".

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