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Donnerstag, 09.07.2020

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"Es geht langsam aufwärts": Gastronomie auf dem Weg in die richtige Richtung

Umfrage: Die heimischen Wirte sehen nach dem Pfingstwochenende wieder Licht am Horizont. - 04.06.2020 05:55 Uhr

Der Kirchenbirkiger Gastwirt Dieter Bauernschmitt an einem Tisch im Biergarten seines beliebten Ausflugslokals. Am Nachmittag sitzen hier die Gäste. © Foto: Julian Seiferth


"Es geht langsam aufwärts", sagt Dieter Bauernschmitt vom Landgasthof Bauernschmitt im Pottensteiner Ortsteil Kirchenbirkig. Das Geschäft sei wesentlich härter als noch vor der Corona-Krise, "aber besser als gar nichts", bilanziert der 76-Jährige. Das Pfingstwochenende habe sich fast angefühlt wie Normalbetrieb — natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften.

Die Schließungen der vergangenen Wochen hätten ihm zu schaffen gemacht, sagt Bauernschmitt. Bedrohlich sei die Situation allerdings nie geworden. "Wir stehen auf gesunden Füßen." Trotzdem ist er froh, wieder im Geschäft zu sein. "Jetzt freue ich mich auf das kommende Fronleichnam-Wochenende. Das könnte noch mal ein Stück besser werden als Pfingsten."

Unter der Woche "schleppend"

Verhalten sei der Anlauf in Bernheck gewesen. "Unter der Woche war es eher schleppend", sagt Elke Seitz, die im Plecher Ortsteil den Gasthof Seitz betreibt. "Aber der Pfingstmontag war super. Fast wie früher."

Die Gäste seien noch zurückhaltend, eher zu vorsichtig als zu lässig, außerdem sehr einsichtig bezüglich der Abstands- und Hygieneregeln. "Wir haben mit den Gästen bisher keine schlechte Erfahrungen gemacht", sagt die Gastwirtin. Den Gästen sei es auch zu verdanken, dass das Geschäft sich während der Schließungen mit Abholungen über Wasser halten konnte.

Normal sei die Situation nach dem Pfingstwochenende noch lange nicht, trotzdem ist Seitz vorerst zufrieden mit den Wiederöffnungen in der Gastronomie. "Wenn wir so weiter machen dürfen, dann ist das gut." Auch die Gäste machen auf sie einen zufriedenen Eindruck: "Am Wochenende hatten wir Plätze fast nur noch auf Reservierung." Gefühlt 80 Prozent der Gäste seien mit Reservierungen gekommen. "Wir waren die meiste Zeit über voll besetzt – so voll, wie das mit den Abstandsregeln möglich ist."

Passend zum Wetter ist Sabine Deß von der Burg Rabenstein in sonniger Stimmung. "Wir waren mit Pfingsten sehr zufrieden", sagt die Gastronomin. Biergarten, Gutsschänke und Hotelbetrieb seien gut angelaufen: "Unser Hotel war gut gebucht, aber nicht voll. Und im Biergarten war sehr guter Betrieb."

Eine Besonderheit auf Burg Rabenstein sind die Burg- und Höhlenführungen in der Sophienhöhle, die ab sofort wieder angeboten werden können. "Am sinnvollsten ist es, wenn die interessierten Gäste dafür online oder telefonisch reservieren", sagt Deß. "Das gilt auch für Plätze im Biergarten." Der Personalaufwand ist laut Deß hoch, spürbar höher als noch vor der Corona-Krise. "Wir wollen ja dafür sorgen, dass die Gäste gerne wieder hier sind", sagt Deß.

Ab 15. Juni will Deß auch wieder Konzerte in der Sophienhöhle anbieten können. "Wir sind wild entschlossen, den Kulturbetrieb hier wieder hochzufahren", sagt die Gastronomin. Noch sei aber nicht klar, ob und wie das gehen soll. "Wir müssen sehen, wie wir das schaffen."

Deutlich gedämpfter ist die Stimmung bei Conny Krug. Der Inhaber von Krug-Bräu im Waischenfelder Ortsteil Breitenlesau kann sich nach eigenen Angaben nicht über die Besucherzahlen oder die Einnahmen beschweren, die Küche habe an der Belastungsgrenze gearbeitet. "Aber", sagt Krug, "die Biergartenkultur leidet."

Kontakte erschwert

Grund dafür seien vor allem die Abstandsregeln. "Früher haben die Leute sich mit Fremden an den Tisch gesetzt, kamen ins Gespräch, haben sich kennengelernt. Das geht jetzt nicht mehr." Der Geräuschpegel sei deutlich gesunken, so Krug. "Ich fühle mich eher an ein norddeutsches Wirtshaus erinnert als an einen fränkischen Biergarten."

Auch der Arbeitsaufwand sei nicht zu vergleichen mit der Zeit vor der Corona-Krise. Alleine vier Mitarbeiter seien für Ordner-, Security und Registrierungs-Aufgaben abgestellt. "Das muss auch so laufen, wenn man die Maßnahmen ernsthaft durchsetzen will", sagt der Gastronom. "Meine Belegschaft arbeitet am Limit, den ganzen Tag mit Maske. Viele haben Kopfschmerzen und Übelkeit, gerade nach der Hitze am Montag."

Normal sei das alles auch für ihn noch nicht, sagt Conny Krug, aber die Gastronomie befinde sich auf dem Weg in die richtige Richtung. Gerade ab Samstag, als die Fränkische Schweiz ihre Tore wieder für Touristen öffnen durfte, habe sich zumindest ein Teil des alten Gefühls wieder eingestellt. Verschiedene Dialekte, unterschiedlichste Menschen, von Niederbayern bis Nordrhein-Westfalen. "Wenn du den Leuten dann das Cordon Bleu hinstellen kannst, sind die dir nur noch dankbar", sagt Krug. "Das ist ein schönes Gefühl, das langsam wieder zurückkommt."

JULIAN SEIFERTH

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