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Es gibt soviel Schwerkranke: Schicksale, die erschüttern

NN-Hilfsaktion "Schmücken und Helfen" gibt tiefe Einblicke in das Leid der Menschen - 18.12.2020 17:06 Uhr

Die ganze Familie des Sanitär- und Heizungsbauers Lang aus Pegnitz steht hinter „Schmücken & Helfen“. Weil sie die versteckte Armut rund herum kennen, verzichteten Mario (li.) und Georg Lang (M.) heuer auf Kundengeschenke zu Weihnachten und übergaben 2000 Euro. Thomas Knauber (re.) bedankte sich sehr herzlich dafür.

17.12.2020 © Foto: privat


Da ist zum Beispiel eine zarte Frau, die glücklich im Ausland groß wurde. Dann kehrte ihre Familie zurück und sie engagierte sich neben ihrem Beruf beim Roten Kreuz. Aber dann kamen die Krankheiten. Eine nach der anderen. Aktuell ist es die Krebsdiagnose. "Wegen Bauchproblemen bin ich ins Krankenhaus", sagt sie, "und dann kommt der Befund. Es langt. Ich bin froh, wenn das Jahr rum ist." Sie wartet auf den Entscheid, ob Chemo oder Bestrahlen.

Die signierten Glaskugeln am NN-Christbaum strahlen mit den Kerzen in den Pegnitzer Abendhimmel. Für 2,50 Euro, gerne auch mehr, dürfen Spender für die Aktion „Schmücken & Helfen“ eine Kugel signieren und an den Baum hängen.

17.12.2020 © Foto: Andreas Beil


Sie sitzt in ihrer dunklen Altbauwohnung und kann nicht raus, nicht mal einkaufen gehen: "Ich darf nichts heben." Zum Reden hat sie kaum jemanden. "Ich muss alles mit mir selber ausmachen." Wie schafft sie jetzt, von ihrem abgelegen Dorf her, die Fahrten zum Krankenhaus? Wie schafft sie die Zuzahlung für spezielle Hilfsmittel?

In einer kleinen Stadt wartet der nächste Fall: In einem großen alten Mietshaus wohnt ein Rentner-Ehepaar. Sie ist krank, krank, und nur krank. "Da kommt eins zum andern. Es gibt einfach keine Ruhe." Sie müsste nach Regensburg in die Klinik. Aber wegen Corona sagen die Ärzte ab. Es muss ein Akutfall sein, sonst nehmen sie niemanden. So lebt sie weiter mit ihrer Organschwäche, die sie dauernd frieren lässt und dauernd müde macht. Und Stürze verursacht.

Ihr Mann hat selbst diverse Operationen gehabt. Trotzdem behält er seine Fröhlichkeit. "Es gibt immer Mittel und Wege, man muss bloß lange überlegen", sagt er. "Wir lassen uns nicht unterkriegen, das wäre doch gelacht." Sein Schlusswort: "Es dürften mal bessere Zeiten kommen."

Ein paar Kilometer weiter hat sich ein altes Ehepaar schon vor Jahren in ein kleines Dorf zurückgezogen, wegen der billigeren Miete. Das ist jetzt der Nachteil: Beide sind so krank, dass sie kaum mehr Auto fahren können. Und damit festsitzen. Er war noch vor 15 Jahren der Vorzeigerentner mit starken Armmuskeln, Daueroptimismus und Bohrmaschine zur Hand, wenn wo was zu tun war.

Dann kam seine erste Schwäche. Es folgte ein Leben im Pyjama. Er kam kaum mehr raus aus dem Bett. Und jetzt der Krebs. Seine Frau, auch nur ein Hauch der früheren Lebensfreude, hat mit dem Kreislauf zu tun, mit Knochenschwäche und Schmerzen im Knie. Sie müsste operiert werden, zieht es aber raus. Sie sieht ihren Mann mit seiner künstlichen Ernährung. Sie sieht die Probleme der Zukunft, wo alles vermutlich noch schlimmer wird. Trotzdem sagt sie: "Da müssen wir durch. Es geht weiter."

Einer Rentnerin geht es vergleichsweise bedeutend besser: "Ich bin gesund geblieben, das ist das Wichtigste." Aber ihr fehlt das Geld. Ihre Rente ist zu klein. "Alles ist teurer geworden. Mir fehlt‘‘s an allen Ecken und Enden", sagt sie. Jetzt flackert auch noch der Fernseher. Lang macht er‘s nimmer, dann gibt er seinen Geist auf. Sie hat aber kein Geld für Ersatz.

Im Monat bleiben nur 80 Euro

Ein paar Straßen weiter lebt ein Mann, der absolut sparsam ist. Dennoch: "Wissen Sie, wie viel mir im Monat bleibt? Ich hab‘s durchgerechnet: 70 bis 80 Euro. Aber jetzt bin ich 80 Jahre alt und hab‘s bis dahin geschafft, da werde ich die nächsten 20 Jahre auch noch schaffen."

Er hat Gläser auf sein Regal gestellt, mit gesammelten Euros drin. Ein Glas ist für die nächste Hose, eins für den nächsten Einkauf, eins für die Medikamente. Zwei Meter weiter steht ein kleiner Tisch, ein abgenutzter Adventskranz drauf, künstlich. "Ich lass mich nicht unterkriegen." Er war einmal selbstständig. Dann änderten sich mit dem Internet die Käufer und sein Geschäft war am Ende.

INFO: Wenn Sie für "Schmücken & Helfen" spenden möchten, können Sie es direkt bei Schreibwaren-Löhr an der Hauptstraße 59 tun. Jeder, der mehr als 2,50 Euro gibt, kann dort eine von ihm signierte Kugel am NN-Christbaum aufhängen. Wir danken der Familie Löhr sehr herzlich für ihre Mithilfe. Oder Sie überweisen an "Freude für Alle", Konto DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth. Jeder Cent kommt an.

nn

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