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EV Pegnitz erlebt einen Boom mitten in der Krise

So viele Eishockeytalente wie nie und sogar ein hauptamtlichen Trainer - aber keiner darf aufs Eis - 06.11.2020 14:51 Uhr

Aller Anfang ist schwer: Die Jüngsten müssen erst mal in die Laufschule, damit sie sich auf den Schlittschuhen halten können.

06.11.2020 © Foto: EVP


Bei altgedienten Fans der Ice Dogs könnte es bei dem Namen klingeln: Von 1993 bis 1997 stand er in 46 Partien der Regionalliga, Bayernliga und Landesliga im Kasten der Pegnitzer – davor und danach tingelte Bayreuther durch die Eishockey-Republik: Netphen, Aachen, Wiehl (alles in Nordrhein-Westfalen), Selb, Mitterteich, Regensburg und am Ende wieder Bayreuth hießen die weiteren Stationen.

2007 beendete er im Alter von 38 Jahren seine aktive Karriere, begann 2010 eine Trainerlaufbahn, die ihn zu den Senioren nach Amberg, Bayreuth, Dingolfing, Pfaffenhofen und schließlich nach Deggendorf führte, wo er sich als Coach der U 18 und U 20 seine größten Lorbeeren verdiente, so der Pegnitzer Nachwuchsleiter Sascha Fitzek. Denn er war mit den Niederbayern höchst erfolgreich in der DNL 2 unterwegs.

Dann folgte der Ruf aus Schweinfurt in die Männer-Bayernliga. Für beide Seite kein Erfolgskapitel; nach elf Partien war Schluss. Dippold wollte eigentlich ein Jahr Pause einlegen, wurde aber laut Fitzek vom EVP erfolgreich dazu überredet, doch wieder das zu machen, worauf er sich am besten versteht: Nachwuchsarbeit.

Verpflichtet wurde er als Leitender Trainer für die Kleinschüler (U 11), Knaben (U 13) und Schüler (U 15),was bedeutet, dass er sie nicht nur trainiert und bei den Spielen coacht, sondern auch seine Co-Trainer und gelegentlichen Assistenten aus der "Ersten" koordiniert, Elterngespräche führt und alle sportlichen Belange dieser Teams abdeckt. zusätzlich soll er konzeptionell im gesamten Jugendtrainerteam mitarbeiten. Übrigens, darauf weist Fitzek dezidiert hin, bedeute "hauptamtlich" in diesem Fall nicht, dass Dippold alleine von dieser Tätigkeit leben könne.

Bisher reichte es aus nachvollziehbaren Gründen nur zu einem oberflächlichen Kennenlernen. Am 26. Oktober durfte der Nachwuchs nach dem ersten Abschnitt der Vorbereitung in Amberg erstmals aufs eigene Eis. Ab da begann Dippolds Vertrag, drei Tage später stoppte die Politik jeglichen Trainingsbetrieb im Amateursport. Für die Pegnitzer Eishockeyspieler besonders bitter.

Sascha Fitzek: "Wir haben ja nur vier Monate lang Saison im eigenen offenen Stadion. Da können wir nicht hinten hinaus verlängern. Den einen Monat Lockdown können wir vielleicht noch wegstecken, bleiben die Sportstätten auch noch im Dezember geschlossen, war es das. Das machen auch die Stadionbetreiber nicht mehr mit."

Keine gute Aussichten für die knapp 100 Nachwuchsspieler des EV Pegnitz, der heuer alle Altersklassen bis auf die Jugend (U 17) besetzt hat. Von der U 9 bis zur U 13 ist man komplett eigenständig unterwegs, in der U 15 und U 20 tritt man in einer Spielgemeinschaft mit dem Höchstadter EC an.

Ob da noch eine Runde stattfindet, kann keiner sagen, auch Fitzek nicht. Aber klar ist, dass man bei den Ice Dogs die Nachwuchsarbeit trotz der widrigen Umstände groß schreiben will: "Die Jungs sind doch unsere Zukunft."

Und bei diesem Thema müsse man immer dran bleiben und nicht nachlassen. So hätten im Vorjahr zwei "Kids Days" auf einen Schlag rund 30 neue Kinder zum Verein gebracht, in der Folge kamen noch einige durch Mundpropaganda hinzu, wie Fitzek berichtet. Momentan seien solche Werbeaktion ja nicht möglich, "aber das ist das erste, was wir wieder in Angriff nehmen müssen, wenn es wieder grünes Licht gibt".

Sieben oder acht C-Lizenzinhaber kann der EVP vorweisen, mit Michael Dippold kommt ein B-Lizenzinhaber (und lizenzierter Torwarttrainer) hinzu. Bisher hat nur Günter Skarupa eine solch hohe Lizenz, aber das Urgestein nähere sich den 70 Lenzen und ziehe sich langsam aus der Trainingsarbeit zurück. "Bei der Eislaufschule macht er aber schon noch mit". so Fitzek.

Ziel sei es, dass der Verein seinen Talenten eine Ausbildung zuteil werden lasse, "mit der sie später etwas anfangen können". In den ersten Jahren seien Ergebnisse da noch völlig nachrangig, erst müssten die Kinder das Schlittschuhlaufen und dann den Umgang mit dem Stock erlernen, ehe man an taktische Konzepte denken könne. In den höheren Altersklassen spiele man zwar noch in den unteren Leistungsklassen, schneide da aber ordentlich und meist im Vorderfeld ab.

Mit den vielen neuen Kindern und Jugendlichen soll die Nachwuchsarbeit auf ein noch breiteres Fundament gestellt werden. Da wartet also viel Arbeit auf Michael Dippold – sobald er wieder darf.

HOLGER PETER

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