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Ex-Pegnitzer fordert Transrapid für Lübeck

Euroimmun-Chef Winfried Stöcker rüffelt Politiker als feige - 02.09.2016 12:16 Uhr

Auch in Fernost hat sich der Transrapid nicht durchsetzen können. © dpa


„Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München. . . mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen. . . am. . . am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr ... äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in. . . in. . . in Rom.“

Dieses legendäre Statement über die vom einstigen bayerischen Ministerpräsidenten favorisierte Magnetschwebebahn vom Münchner Hauptbahnhof zum Franz-Josef-Strauß-Flughafen fehlte in keinem Beitrag zum Stoiber-Geburtstag.

Damit war zu rechnen. Dass aber nahezu zeitgleich auch der Ex-Pegnitzer Unternehmer Professor Winfried Stöcker eine solche Bahn von Schwerin über Lübeck bis nach Hamburg forderte, überraschte schon mehr. Der Chef der Vorzeige-Firma Euroimmun scheint nicht mehr zu bremsen zu sein: Er baut nicht nur sein Unternehmen auf Weltniveau aus, er kaufte auch das schönste Kaufhaus des Ostens in Görlitz, wertet Baggerseen in der Lausitz mit Original-Ostsee-Sand zu Naherholungsgebieten mit so klangvollen Namen wie „Blaue Lagune“ auf und riss sich jüngst auch noch den mehrfach insolventen Flughafen Lübeck unter den Nagel.

Derart auf der Erfolgswelle schwimmend hat er jetzt beim Richtfest für ein 14 Millionen Euro teures Forschungszentrum am Euroimmun-Standort Dassow den Politikern die Leviten gelesen. Statt auf Fortschritt zu setzen, werde vieles herunter geredet, wenn nicht gar verteufelt: „Sie sind zu feige, um etwas Anständiges, Vernünftiges und Technologieorientiertes durchzusetzen.“

Das hat gesessen. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe etwa wusste nicht so recht, ob er die Forderung nach einer Transrapidstrecke überhaupt ernst nehmen solle. Er bezweifelte ein zur Refinanzierung nötiges hohes Passagieraufkommen, ganz abgesehen davon, dass der über 400 Stundenkilometer schnelle Zug seine Vorteile erst auf längeren Strecken ab 400 Kilometern ausspielen könne.

Eher an Flugweg interessiert

„Lübeck und Schwerin sind sich mit 56 Kilometern zu nah, um durch einen Transrapid verbunden zu werden“, so Saxe weiter, der einen launigen Gegenvorschlag in die Waagschale warf: „Als Flughafenbetreiber sollte Stöcker doch eher die Einrichtung einer täglichen Flugverbindung in Erwägung ziehen.“ Derzeit hebt von Lübeck allerdings kein einziger Flieger mehr ab.

Auch die einst in Shanghai mit deutschem Knowhow errichtete erste kommerzielle Schwebebahnstrecke der Welt zum nur 30 Kilometer entfernten Flughafen Pudong taugt längst nicht mehr als Vorzeigeobjekt. Die Träume blieben Luftschlösser, vor allem wegen der gewaltigen Baukosten.

Ein weißer Elefant

Shanghai bereut es heute, sich den teuren Zug angelacht zu haben. Die Hongkonger „South China Morning Post“ nannte den Transrapid kürzlich gar einen „weißen Elefanten, der den Beamten der Stadt die Schamesröte ins Gesicht treibt“.

Kurzum: „Ein Lübecker Luft-Taxi käme wahrscheinlich billiger als dieser Luft-Zug.“ 

RICHARD REINL

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