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Montag, 16.09.2019

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"Existenz im Eimer": Wie geht es mit Brandruine weiter?

Pegnitzer Zahnarzt und seine Beschäftigten wissen nicht, was aus ihnen wird - 12.09.2019 12:22 Uhr

Zahnarzt Stefan Reinfelder weiß nicht, wie es weitergeht. Im Februar muss er spätestens eine neue Bleibe für seine Zahnarztpraxis haben, denn dann läuft die Ausfallversicherung weg. © Foto: Martin Burger


Für den Zahnarzt Stefan Reinfelder beginnt die emotional mächtige Geschichte in den frühen Morgenstunden des 5. Februars. "Man muss sich das mal vorstellen", erzählt Reinfelder bedrückt, "du gehst am Montag um 18 Uhr aus deiner Praxis und am Dienstag ist deine Existenz komplett im Eimer. Du denkst, du bist gut versichert und trotzdem wird es problematisch."

Seitdem sitzt er auf heißen Kohlen und durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. Zuerst dachte er, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen würden und alles würde zügig geregelt werden. Das war auch so. Dann kamen die Probleme. 

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Nächtlicher Großeinsatz: Pegnitzer Ärztehaus in Flammen

Große Aufregung in Pegnitz: Gegen 4 Uhr in der Nacht zum Dienstag musste ein Großaufgebot der Feuerwehr zum Böllgraben ausrücken, weil dort ein Wohn- und Geschäftshaus in Brand geraten war. Insgesamt vier Bewohner, darunter auch ein Säugling, wurden von der Polizei in Sicherheit gebracht. Ein 75-Jähriger kam wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.


Seit dem 1. April steht alles still

Seit dem 1. April stehe alles still – nichts geht mehr. Das große Problem: Das Dach wurde weggebaggert. Denn dadurch, dass es kein Dach mehr gibt und ein neues gebaut werden müsste, greift die Energiespar-Novelle 2019. Das heißt folgendes: Das Dach und die Wohnungen müssen den Standards von 2019 angepasst werden und die Kaltwasserleitungen müssen nun so saniert werden, dass sie den neuen Richtlinien entsprechen.

Dies würde wiederum bedeuten, dass der bisherige Aufbau von elf Zentimetern Estrich nicht ausreicht und auf 15 bis 18 Zentimeter erhöht werden muss. Streng genommen müsste damit auch der Dachstuhl erhöht werden. Doch damit noch nicht genug.


Großbrand in Pegnitz: Vom Ärztehaus bleibt nur eine Ruine


Immer mehr Probleme kommen ans Tageslicht, so passten das Treppenhaus und die Schalldämmung nicht mehr zu den aktuellen Richtlinien, auch die Fensterbrüstung passe nicht mehr. Und selbst, wenn man das alles kompensieren könne, stehe man spätestens beim barrierefreien Aufzug vor einem Riesenproblem.

Wer bezahlt das alles?

Das sind die großen Punkte, die ein Sanitärhandwerker auf den Tisch gebracht habe. Seitdem stehe man vor sehr vielen Fragen und Überlegungen. "Der Gesetzgeber gibt das so vor." Natürlich könnte man erst mal das Dach machen aber dann bleibe die Gerechtigkeitsfrage: Warum kriegen die da oben alles neu – weil nichts mehr vorhanden ist. Und die anderen unten haben einen Altbau. Diese Problematik muss jetzt geklärt werden und eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Und zum Schluss: Wer bezahlt das alles?

Stefan Reinfelder ist langsam im Zeitdruck. "Ich bin gedanklich schon längst in 2020. Was mache ich dann?" Diese Fragen quälen ihn nun seit Wochen und Monaten. Ein Hauptgrund, weshalb er sich nun dazu entschloss, das Mandat im Stadtrat niederzulegen.

Als die Komplexität des Schadens bekannt wurde, war ihm klar, dass er seinen Fokus nicht allein auf das Haus legen oder überhaupt über eine Wiedereröffnung nachdenken sollte. Zudem seien einfach keine schnellen Lösungen in Sicht. So sucht er nach Alternativen.

"Das schweißt zusammen"

Das Spektrum an Möglichkeiten sei groß, erzählt er: "Ich könnte als angestellter Zahnarzt praktizieren, die Praxis verlegen oder eine Praxisgemeinschaft eröffnen." Auch seine Angestellten fiebern fleißig mit. Man stehe im regelmäßigen Kontakt, auch über eine WhatsApp-Gruppe. "Das schweißt zusammen."

Die Angestellten wissen, dass Stefan Reinfelder sich nach Alternativlösungen umsieht. Der Wunsch sei es, in Pegnitz weiter zu machen. Doch auch hier gibt es große Widerstände, die man klären muss. Zum einen sei die Nutzungsänderung einer Immobilie sehr aufwändig. Zum anderen bräuchte die Praxis – selbst wenn er jetzt einen geeigneten Ort finden würde – drei bis fünf Monate, bis diese einsatzfähig sei. Denn allein so ein Zahnarztstuhl benötige fünf Zuleitungen: Wasser-, Abwasser-, Strom-, Luft- und eine Saugleitung. "Die müssen alle durch den Boden. Ich brauche eine große Infrastruktur und das kostet auch noch eine Stange Geld." Was die Zukunft bringt, darüber möchte er nicht spekulieren. Er hofft natürlich das Beste.

Seinen Patienten rät er: "Alle, die noch einen Stempel in diesem Jahr benötigen, sollen sich bitte bei einem meiner Kollegen melden. In diesem Jahr wird das nichts mehr bei uns." 

Martin Burger

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