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Explosion auf Pottensteiner Firmengelände: Bayreuther vor Gericht

Ein Pottensteiner Arbeiter wollte beweisen, dass Waschbenzin nicht brennt - 10.05.2021 14:10 Uhr

Ein 36-jähriger Bayreuther musste sich wegen "gröbster Fahrlässigkeit" jüngst vor Gericht verantworten.

31.10.2010 © dpa


Das Leben des Opfers hat sich von Grund auf verändert. Der junge Mann hat Hauttransplantationen hinter sich, extreme Schmerzen. Er kann zurzeit nicht mehr arbeiten, muss Spezialhandschuhe tragen, Spezialstrümpfe. "Eigentlich darf ich nur noch im Büro sitzen", sagte der Mann am Montag als Zeuge im Prozess gegen einen ehemaligen Arbeitskollegen, der wegen fahrlässiger Körperverletzung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässigen Herbeiführens einer Explosion angeklagt ist.

Dieser, ein 36-Jähriger Bayreuther, hatte am 16. Dezember 2020 schon lange für ein Maschinenbauunternehmen in Pottenstein gearbeitet. Jetzt ist er arbeitslos, fristlos entlassen. "Man hat es mir nicht direkt gesagt, aber ich denke, es war deswegen." Er meint den Betriebsunfall, den er selbst verursachte hatte und bei dem der damals 22-jährige Zeitarbeiter, der nur zur Probe auf dem Firmengelände arbeitete, schwerste Verbrennungen erlitt.

Zum Reinigen von Metallen

"Ich habe keine Ahnung, was in mich gefahren ist. Aber ich war in dem Moment der Meinung, dass nichts passieren kann." Der 36-Jährige hatte in dem Betrieb unter anderem die Aufgabe, in speziell dafür vorgesehenen Containern Waschbenzin zu wechseln. Das Waschbenzin dient bei dem Unternehmen zum Reinigen von Metallteilen. Der Angeklagte sagte in seinem Prozess: Er habe geglaubt, dass durch die wie immer laufende Lüftung und die offene Tür am Container keine Gefahr bestehe. Und kam auf die Idee mit dem Feuerzeug. Es sei gefahrlos, sagte er dem jungen Mann, den er seit einigen Tagen hatte anlernen sollen. Und hielt das Feuerzeug an die Öffnung des Fasses.

Ein im Prozess vorgespieltes Video aus einer Überwachungskamera zeigt zwei Gestalten, die in den Container hineingehen. Es dauert nicht lange, dann schlägt eine riesige Stichflame aus der Eingangstür, eine erste Person rennt heraus, dann eine zweite, in Flammen stehend. Die erste Person bringt die zweite zu Boden, zieht ihre Jacke aus und erstickt damit die Flammen an den Beinen der zweiten Person.

Beide Männer wurden in eine Spezialklinik nach Nürnberg eingeliefert. Der 36-Jährige erlitt Verbrennungen an der Hand, den zweiten Mann erwischte es weit schlimmer: 17 Prozent der Körperoberfläche mit Verbrennungen zweiten Grades.

Bei der Polizei hatte der Angeklagte seine Schuld noch bestritten. "Weil ich das damals noch nicht wahrhaben wollte", erklärte er im Prozess. Doch nun steht er zu seiner Schuld: "Ich werde hier in jedem Fall nichts leugnen." Und zum Opfer sagte er: "Ich wollte das nicht. Es tut mir sauleid. Wenn ich nachts die Augen zu machen, sehe ich die Flammen."

Für den Prozess hatte die Richterin einen Experten des Landeskriminalamtes geladen. Der Diplom-Ingenieur nannte als Ursache für die Explosion die offene Flamme am Feuerzeug des Angeklagten.

Die zentrale Rechtsfrage im Prozess war nach dem Geständnis diese: Muss man dem Angeklagten Vorsatz unterstellen? Also, dass er beim Hantieren mit einer offenen Flamme direkt an dem Waschbenzinfass das Unglück in Kauf nahm? Während Nebenklageanwalt Tobias Liebau dies bejahte, war Staatsanwalt Alexander Böhmer anderer Meinung: "Da müsste man dem Angeklagten ja unterstellen, dass er sich selbst in die Luft jagen wollte." Böhmer beantragte eine elfmonatige Bewährungsstrafe für den bisher nicht vorbestraften Angeklagten, Liebau zwölf Monate. Verteidiger Uwe Fritz meinte, eine Geldstrafe sei noch möglich.

Die Richterin sprach im Urteil von "gröbster Fahrlässigkeit". Als Bewährungsauflage setzte sie fest, dass der Angeklagte an das Opfer 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen muss.

MANFRED SCHERER

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