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Fast aufgespießt: "Fabienne" schleuderte Ast durch Scheibe

Rentner wurde bei Ausflug im vollbesetzten Wagen von Unwetter überrascht - 26.09.2018 14:35 Uhr

Auf Kopfhöhe des Fahrers Lorenz Radke durchbrach ein dicker Ast die Windschutzscheibe des Audi A 3. © T. Eckert


Der erste Schock über den Ast-Unfall hat sich bei Lorenz Radke inzwischen gelegt. Dennoch ist der vitale und aktive Senior sich im Klaren: "Da haben wir wirklich ein Riesenglück gehabt." Der überstandene Schrecken saß ihm und seiner auf dem Beifahrersitz befindlichen Ehefrau noch lange in den Gliedern.

Zusammen mit Freunden hatten sie in mehreren Fahrzeugen einen Ausflug nach Krottensee unternommen. Beim Blick durch die Fenster des dortigen Ausflugslokals befiel den lebenserfahrenen Lorenz Radke eine dunkle Ahnung.

"Fabienne" im Anmarsch

"Da kommt ein Unwetter", versuchte er die Ausflugsgruppe zum baldigen Aufbruch zu bewegen. Seine Ehefrau habe schon "viele Blitze am Himmel" gesehen. Aber bis dann alle ausgetrunken und gezahlt hatten, verging dennoch wertvolle Zeit.

Endlich verließen sie das Lokal und fuhren die Straße den Berg hoch, Richtung Auerbach. Heim nach Pegnitz. Radke: "Es wurde finster, plötzlich habe ich nichts mehr gesehen." Und dann passierte es: "Mit einem Schlag" krachte der massive Ast 20 Zentimeter durch die Windschutzscheibe. "Das war ein Geräusch, das kann man sich nicht vorstellen." Es ging dem Autofahrer später noch im (Halb)Schlaf nach.

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"Fabienne" richtet in Pegnitz und Auerbach Schaden an

Sturm "Fabienne" ließ im September 2018 auch Oberfranken nicht kalt: In Pegnitz wurde das Dach einer Brauerei abgedeckt und auch in Auerbach musste die Feuerwehr mehrmals ausrücken.


Trotz des Unwetters und Regens stieg Radke aus und zerrte unter Aufbietung aller Kräfte den Ast aus der eigenen Windschutzscheibe. Dann half er bei einem weiteren Auto von Freunden mit, das Geäst zu entfernen. Mit seinem Spaten aus dem Auto erweiterte er sogar noch die durch den Ast geschlagene Öffnung. "Außenrum war die Scheibe blind." Er hätte sonst nicht weiter fahren können.

Dann wollte Radke "so schnell wie möglich" von den Bäumen weg und aus dem Wald raus. "Mit 30, 40 Sachen" Höchstgeschwindigkeit fuhr er seinen zwölf Jahre alten Audi nach Auerbach, zum dortigen Ford-Händler Auto Eckert. Der Senior-Chef Robert Eckert "ist ein Wanderfreund von mir".

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"Fabienne" fegt durch Franken: Bäume krachen auf Autos, Retter im Dauerstress

Meteorologen warnen seit Tagen vor dem Sturmtief "Fabienne" - und ihre Worte haben sich bewahrheitet: Das Sturmtief fegte am Sonntagabend durch Franken und die Oberpfalz und hinterließ dabei heftige Schäden.


Praktisch direkt an der Werkstatt wohnt allerdings dessen Sohn Thorsten Eckert. Nachdem die Unfall-Opfer Sonntagabend um halb acht bei ihm klingelten, war diesem sofort klar: "Das Auto muss in die Werkstatt gestellt werden, damit es vor dem Regen geschützt ist."

Sturmschäden: Worauf Versicherte achten sollten

Die Schadensmeldung bei der Versicherung gestaltete sich für Lorenz Radke am Montag erfreulich unproblematisch. Ein Anruf genügte. Inzwischen ist die ruinierte Windschutzscheibe komplett ausgetauscht.

Für Autohändler Eckert war es nicht der einzige Kontakt mit Sturmopfern. Aus Neuzirkendorf kam ein Kunde mit einem Ford Focus. Eine ganze Fahrzeugseite war von herabstürzenden Dachteilen und Eternit-Platten massiv demoliert worden. Die sachkundige Diagnose Thorsten Eckerts: "Totalschaden" eines zwei Jahre alten Autos.

Wildbienen attackieren Feuerwehrleute

Mit reichlich ungewöhnlichen Herausforderungen hatte auch die Pegnitzer Feuerwehr bei einem ihrer zahlreichen Sturmeinsätze am Sonntagabend zu kämpfen — übrigens fast in Sichtweite von Lorenz Radkes Anwesen in Pegnitz.

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Sturmtief "Fabienne": Der Tag und die Schäden danach

Der Sturm, der am Sonntagabend die Region heimsuchte, hinterließ deutliche Schäden und ein Verkehrschaos. Häuser wurden abgedeckt, sogar Strommasten gaben der Gewalt des Windes nach. In Franken und der Oberpfalz sorgten der Wind und der starke Regen für Verwüstung.


Die Feuerwehr war wegen eines herabstürzenden schweren Astes zum alten Milchhof-Areal am Mühlweg gerufen worden. Da die Standsicherheit des meterdicken Baumes nicht mehr gegeben war, sollte dieser gefällt werden. Wie Kommandant Roland Zahn erklärte, scheiterte der erste Versuch zum Fällen. Ein echter Fall für die Drehleiter.

Mit der Motorsäge rückte später ein Feuerwehrmann der morschen Baumkrone zu Leibe. Allerdings hatten sich in dem zum Teil hohlen Baumstamm Wildbienen eingenistet.

Bei Einsatz gestochen worden

Prompt wurden die angriffslustigen Fluginsekten nachtaktiv. Wie Kommandant Roland Zahn in der Pegnitzer Feuerwehreinsatzzentrale am Dianafelsen erfuhr, wurde "ein Mann von einer Biene gestochen". Deshalb sei der Feuerwehreinsatz in der Baumkrone abgebrochen worden. "Der Einsatzzug hatte keine Schutzkleidung dabei", so Zahn.

Selbstverständlich würde die Feuerwehr manchmal auch zum Entfernen von Wespennestern gerufen. "Dann aber nur mit der entsprechenden Schutzkleidung." Außerdem müssten solche Einsätze vorher durch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt genehmigt werden.

FRANK HEIDLER

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