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Dienstag, 18.06.2019

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Fatale Kräutermischung in der Unterhose

Rückfall hätte einen 20-Jährigen aus dem südlichen Landkreis fast um Bewährung gebracht - 21.05.2019 22:20 Uhr

Bereits 2017 war der Angeklagte wegen Drogenhandels zu zwei Jahren Jugendarrest auf Bewährung verurteilt worden. So stand er zum Tatzeitpunkt unter Bewährung. Es sei gut gelaufen, bis er seinen Job verloren hätte und dann auch noch seine Freundin, schilderte der 20-Jährige. Er habe allein da gestanden und wieder Kontakt zu alten Freunden aufgenommen, die Kräutermischungen konsumierten, die angeblich bei Abstinenzkontrollen nicht nachgewiesen werden könnten. Doch das stellte sich als Irrglaube heraus.

Im Internet bestellte er sich ein Tütchen mit 15 Gramm der Kräutermischung. Durch den Konsum sei das Verhältnis zu seinen Eltern schlechter geworden, bis er von Zuhause weglief. Als dann das Drogen-Screening positiv ausfiel, beichtete er alles seinem Bewährungshelfer. "Da wurde mir klar, was ich gemacht habe", sagte der Mann. Er suchte sich eine neue Arbeit, auch seine Freundin kam zurück. Richter Meixner sah in dem Vorfall trotzdem bedingten Vorsatz: "Wenn man die Kräuter in der Unterhose versteckt, traut man den Inhaltsstoffen nicht." Das sei ein Reflex gewesen, als er die Polizisten auf sich zukommen sah, erklärte der Angeklagte.

Der Bewährungshelfer wertete den Rückfall als typischen Verlauf; viele Ex-Drogenkonsumenten stiegen auf Kräutermischungen um. Seit der 20-Jährige wieder Arbeit hat, sehe er einen positiven Trend, so der Bewährungshelfer und riet zu einer Suchtberatung. Die Jugendgerichtshilfe empfahl, noch mal Jugendstrafrecht anzuwenden. Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zugute, dass er geständig war. Zudem war die Kräutermischung kein typisches Betäubungsmittel. Aber der Angeklagte war einschlägig vorbestraft und stand unter Bewährung. Der Staatsanwalt plädierte für einen zweiwöchigen Dauerarrest und die Kontaktaufnahme mit einer Suchtberatung.

Verteidiger Hans-Walter Hofmann schloss sich der Einschätzung der Anklagebehörde an. Sein Mandant sei in einer Ausnahmesituation gewesen. Eine lange Haftstrafe, die bei einer Bewährungswiderrufung die Folge wäre, könnte das junge Leben zerstören. Meixner verurteilte den 20-Jährigen schließlich zur Zahlung einer Geldstrafe von 800 Euro an den Verein "Kontakt". Außerdem muss er eine Suchtberatung aufsuchen und die Kosten des Verfahrens tragen. 

nag

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