Samstag, 28.11.2020

|

Faust-Festspiele künftig in Pottenstein?

Die beiden Macher Uwe Vogel und Daniel Leistner sind zuversichtlich, ein neues Zuhause gefunden zu haben. - 09.06.2020 07:55 Uhr

Daniel Leistner (links) und Uwe Vogel (rechts) hoffen darauf, dass die Faust-Festspiele in Pottenstein eine neuen Heimat finden. Seit geraumer Zeit sind sie deshalb mit Bürgermeister Stefan Frühbeißer im Gespräch.

08.06.2020 © Foto: Hans von Draminski


Erst vor einem halben Jahr platzte die Bombe: Nach drei Jahren Faust-Festspiele in Pegnitz war alles vorbei. Immer wieder gab es Gegenwehr und Proteste von Bürgern. Geschäftsführer Uwe Vogel kämpfte in den vergangenen Jahren immer wieder mit verschiedenen Problemen: Der Standort war nicht optimal, die finanzielle Förderung durch die Stadt wurde in Frage gestellt, die Besucher kamen nicht wie erhofft. Jetzt gibt es wieder Hoffnung – der letzte Akt ist noch nicht gespielt. Denn die Faust-Festspiele haben eine neue Heimat im Visier.

Bilderstrecke zum Thema

Viel Gelächter: So war die Premiere der Faust-Festspiele

Mit dem Stück "In der Hölle wird gescheuert" starteten die Faust-Festspiele in ihre zweite Saison. Die Darsteller servierten komödiantisches Können vom Feinsten und ernteten ordentlich Gelächter und Beifall vom Publikum. Für die zweite Saison erhofft sich Intendant Daniel Leistner ordentlich "Mund-zu-Mund-Propaganda", damit er bis Ende September die 6000 Zuschauer knackt.


Bereits im Dezember fasste Uwe Vogel den Entschluss, dass es keine Festspiele mehr geben wird. "Ich werde in Pegnitz nichts mehr machen. Die Faust-Festspiele wird es hier nicht mehr geben", sagte er nach einer Informationsveranstaltung in der Aula des Pegnitzer Gymnasiums. Es gab keine Alternative zum Schlossberg, und dorthin zurückkehren wollte er nicht.

Schnell fündig geworden

"Wir haben sofort nach einem anderen Standort gesucht. Es ging gar nicht um Pottenstein, sondern darum, etwas in der Nähe – rund um Pegnitz – zu finden", erklärt Daniel Leistner, der sich weiterhin als Regisseur und Intendant um die Festspiele kümmern wird. Doch dass sie so schnell fündig werden würden, das hatten Vogel und Leistner nicht erwartet.

Bilderstrecke zum Thema

Faust-Festspiele: Faust, Gretchen und Mephisto geben sich in Pegnitz die Ehre

Am Schlossberg in Pegnitz gaben sich am Sonntagabend Faust, Gretchen und Mephisto die Ehre, als die ersten Pegnitzer Faust-Festspiele Premiere feierten.


Pottenstein habe sich so ergeben; dort gebe es auch viele schöne und romantische Plätze, die in Frage kommen würden. "Wir haben dort eine große Auswahl – Spielgelände, Kulisse und die Parkmöglichkeiten, das wird bei der Suche nach einem geeigneten Platz alles eine Rolle spielen", bestätigt Vogel. Er bedankt sich im selben Atemzug bei Pegnitz: "Wir haben in der Vergangenheit viel dazugelernt. Was hat funktioniert und was nicht? Worauf müssen wir mehr achten und was müssen wir ändern? Diese Erfahrungen möchten wir nicht missen."

Gerade weil Pottenstein nicht so weit von Pegnitz entfernt ist, sei der Umzug in das Felsenstädtchen ideal. Denn die beiden Veranstalter hoffen natürlich darauf, dass die Pegnitzer Fans der Faust-Festspiele gerne die zehn Kilometer "Kurz-Anreise" auf sich nehmen, um die Aufführungen zu besuchen. "Das Team ist wieder komplett vereint. Wir können die gesamte Mannschaft aus Pegnitz mitnehmen – Statisten und Schauspieler, einfach alles", erklärt Leistner. Es seien Freundschaften entstanden. "Wir sind eben eine Festspiel-Familie."

Bilderstrecke zum Thema

Faust-Festspiele in Pegnitz: "Schlau, schlau, die Frau"

Lachen, bis es Risse im Zwerchfell gibt - das war die Devise am Mittwochabend in Pegnitz. Im Rahmen der Faust-Festspiele wurde eine schräge und streckenweise bitterböse Adaption der Molière-Komödie "Die Schule der Frauen" aufgeführt. Das Publikum war begeistert.


Trotzdem hoffe das Team auch auf Neuzugänge aus Pottenstein. Vogel selbst möchte auch der Bühne treu bleiben und sieht sich so oder so als das "Mädchen für alles". Er werde weiterhin Requisiten aufbauen, schauspielern und die Veranstaltung planen. Das alles in guter Zusammenarbeit mit der Stadt und den Bürgern.

Fast hätten die Faust-Festspiele sogar noch 2020 stattfinden können, doch die Corona-Krise habe diese Idee schnell zerschlagen. "Uns wurde sozusagen eine Zwangspause auferlegt, was gar nicht mal so schlecht ist. Wir können nun alles in Ruhe angehen. Außerdem ist ja noch nicht alles in trockenen Tüchern. Uns fehlen noch ein paar Genehmigungen", sagt Leistner.

Das bestätigt auch der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer. Seit geraumer Zeit sei man im gemeinsamen Austausch, im Gespräch mit den Fachstellen und kläre alle baurechtlichen Fragen. "Es wird selbstverständlich erst mal Thema in der nächsten Stadtratssitzung sein. Grundsätzlich wären die Faust-Festspiele eine kulturelle Bereicherung für die Stadt. Wir müssen nun abwarten, wie es sich entwickelt und was die Fachstellen uns rückmelden. Ich würde das Ganze begrüßen", betont Frühbeißer.

Auch die Veranstalter freuen sich, wenn alles reibungslos klappen würde. Man habe auch eine Art Auftrag. "Das Konzept der Festspiele, wir sehen es als eine Bildungsförderung. Es ist unter anderem eine Bereicherung für Schüler – diesen Kunst näher zu bringen und sagen zu können: Literatur ist nicht langweilig, sondern sehr spannend", erklärt Vogel. So werde man auch am Konzept festhalten und weiterhin Komödien und Kinderstücke präsentieren. Lediglich bei den Bühnen und Sitzplätzen soll sich etwas verändern. So werde es wohl zu anfangs nur eine Bühne geben und die Anzahl der Sitzplätze auf 300 begrenzt.

Abgelegener Platz

Auf die Frage, ob man schon einen Standort gefunden habe, antwortete Leistner: "Wir versuchen einen abgelegenen Platz zu finden, sodass sich keine Anwohner stören und es doch zentral genug für Pottenstein ist." Mit großem Gegenwind rechne jedoch keiner, denn das Felsenstädtchen kenne sich aus. Es sei einfach eine gute Symbiose. Gegen 19 oder 20 Uhr würden die touristischen Attraktionen schließen und dann starte das kulturelle Programm durch die Faust-Festspiele, sagt Vogel überzeugt.

Nun müssen die Festspiele erst mal einige Hürden überstehen, doch das kenne man aus Pegnitz und man sei gut darauf vorbereitet. Und doch – trotz aller Schwierigkeiten in Pegnitz – leidet Leistner noch etwas und verrät: "Ich traure vor allem um den Schlossberg. Die Kulisse und der Platz haben mich einfach begeistert." Doch der Aufwand, Stress aber auch der Zeitdruck seien zu viel gewesen.

Auch die Stadt Pegnitz hatte alle Möglichkeiten ausgeschöpft, erklärt Bürgermeister Wolfgang Nierhoff: "Der Schlossberg sollte es ja nicht mehr sein und beim anderen Standort gab es nur Diskussion. Vielleicht finden die Faust-Festspiele in Pottenstein einen Platz, bei dem es diese Unwägbarkeiten nicht gibt. Es ist immer schade, wenn Pegnitz eine kulturelle Bereicherung wegstirbt. Ich wünsche ihnen aber alles Gute und viel Erfolg für das Projekt."

Nun hat das Team eine Verschnaufpause und kann in aller Ruhe planen. "Wenn wir Genaueres wissen, dann informieren wir alle und werden einladen", verspricht Vogel. "Wir planen in ganz kleinen Schritten für die Zukunft und freuen uns, dass es weiter geht", ergänzt Leistner.

MARTIN BURGER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pottenstein, Pegnitz