Donnerstag, 25.04.2019

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FCN-Misere: "Die Mannschaft muss Dreck fressen"

Vorsitzende der Fanklubs in der Region sind geteilter Meinung - 12.02.2019 18:55 Uhr

Nach der Beurlaubung des Sportvorstands Andreas Bornemann und des Trainers Michael Köllner fragten wir die Fanklubs, wie es beim 1. FC Nürnberg weitergehen soll. © Foto: dpa/Montage: NN


Dass es eine schwierige Saison wird, wusste Detlef Walkowski schon seit dem Aufstieg. "So schlimm habe ich es aber nicht erwartet", sagt der Vorsitzende von Vogl-Max Auerbach. Bis auf eines hat Walkowski alle Heimspiele dieser Saison gesehen, wie andere Mitglieder seines Fanklubs besitzt er eine Dauerkarte.

Hätte Michael Köllner zur Winterpause beurlaubt: Detlef Walkowski. © Sabine Rühl


Walkowski sah zu, wie der Verein seines Herzens einfach kein Bein auf den Boden bekommt und dem Abstieg entgegen schlingert. Zur Winterpause stand für ihn fest: Köllner muss weg. "Das wäre der richtige Zeitpunkt, jetzt ist es viel zu spät", sagt Walkowski. Die Wende hätte er seinen Clubberern aber sowieso nicht zugetraut, dafür sei der Kader zu schlecht – was Walkowski wiederum Bornemann zuschreibt. "Er hat die Spieler ausgesucht, von daher ist er für die Misere mitverantwortlich. Die Geschichte vom klammen Sportvorstand auf dem Transfermarkt, wie sie Bornemann in Interviews erzählt hat, möchte Walkowski nicht so stehen lassen: "Auf Leihbasis hätte es genügend Spieler gegeben."

Und jetzt? Der Club braucht einen neuen Trainer. Jung und hungrig soll er sein, findet Walkowski, gleichzeitig eine Autoritätsperson. Auf wen das zutrifft, kann der Auerbacher aus dem Stegreif nicht sagen. So oder so: Walkowski wird sich auch die restlichen Heimspiele der Spielzeit im Nürnberger Stadion ansehen. "Vielleicht schaffen wir es noch auf den Relegationsplatz", hofft Walkowski, glaubt aber nicht wirklich daran. "Wir brauchen jemanden, der gleich für die nächste Saison in der zweiten Liga plant und dort eine Mannschaft aufbauen kann."

Hätte mit Köllner weitergemacht: Hans-Martin Grötsch. © privat


Auch Hans-Martin Grötsch war mit geringen Erwartungen in die Saison gegangen. "Meine Euphorie nach dem Aufstieg ist sehr schnell realitätsnah geworden", sagt der Vorsitzende des Königsteiner Fanklubs Die Besessenen. In Teilen des Umfelds, so hat es Grötsch beobachtet, regierten aber weiterhin die Hochgefühle. War ja klar, dass es irgendwann unruhig wird. So verwundert es Grötsch nicht, dass Köllner und Bornemann nun beurlaubt sind. Aber er findet es nicht gut. "Es sind einfach keine wirtschaftlichen Mittel da. Die Schere zwischen den armen und reichen Vereinen in der Bundesliga geht eben immer weiter auseinander." Daher sei es nicht die Schuld des Sportvorstands gewesen, dass für Club-Verhältnisse teure Verpflichtungen ausblieben. Im Gegenteil: "Bornemann ist ein absoluter Fußballfachmann. Es ist sehr ehrenhaft, dass er sich bis zum Ende hinter den Trainer gestellt hat." Auch am geschassten Köllner kann Grötsch die sportliche Talfahrt nicht festmachen. Nein, wäre es nach Grötsch gegangen, wären die beiden im Amt geblieben. "Ich hätte es gut gefunden, wenn man die Saison gemeinsam durchzieht." Bei den Besessenen gäbe es einige weitere Köllner-Fürsprecher, "die Meinungen über ihn halten sich etwa die Waage." Und an Bornemann hätte niemand etwas auszusetzen gehabt.

Grötsch glaubt schon, dass es nun besser werden kann, ganz unabhängig vom Trainer. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Von einigen Spielern, die eigentlich Leistungsträger sein sollten, bin ich enttäuscht. Sie geben nur 75 Prozent, müssten aber 101 Prozent geben." Jetzt gelte es, so zu spielen, wie es sich nach Volkes Meinung im Spiel um den Klassenverbleib gehört: "Die Mannschaft muss Dreck fressen."

Will den 1. FC Nürnberg für immer lieben: Gregor Nierling. © privat


Gregor Nierling aus Neuhaus besucht pro Saison zwischen sieben und zwölf Auswärtsspiele des Ruhmreichen. Auch beim Pokal-Debakel in Hamburg war er dabei. "Dort hat man gesehen, dass ein Trainerwechsel längst überfällig ist." Das 0:1 beim HSV ließ Nierling, einer der Vorsitzenden des Fanklubs Oberes Pegnitztal, endgültig umdenken. "Zuvor war ich noch geteilter Meinung. Das war schließlich die selbe sportliche Führung, mit der wir aufgestiegen sind." Doch die ausbleibenden Verstärkungen in der Winterpause brachten Ernüchterung. "Wenn man kein Geld hat, muss man kreativ sein", findet Nierling, etwa durch Verpflichtung von Leihspielern. Nur Ivo Ilicevic zu holen, war Nierling zu schwach und zu wenig.

Dass Köllner und Bornemann gleichermaßen gehen müssen, ist "die logische Schlussfolgerung. Sie waren eine Schicksalsgemeinschaft." Jetzt gelte es den Abstiegskampf anzunehmen. Nierling hat den Club in der ersten Liga noch nicht abgeschrieben. "Der Relegationsplatz und der erste Nichtabstiegsplatz sind in Schlagdistanz, wir brauchen aber ein kleines Wunder." Selbst wenn es nicht reicht und der Club nächste Saison wieder in der zweiten Liga spielt, bleibt Nierling mit dem Herzen und Dauerkarte dabei: "Es ist eine Liebe, die für immer besteht." 

Marcel Staudt

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