Donnerstag, 15.04.2021

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Feuerwehren der Region auf eventuelles Hochwasser vorbereitet

Mit den milderen Temperaturen steigt auch die Hochwassergefahr - 16.02.2021 17:43 Uhr

Der Gerätewart der Pegnitzer Feuerwehr, Walter Steger, sortiert die Sandsäcke in die Gitterboxen im Gerätehaus. 400 Stück sind immer vorhanden, werden mehr benötigt, dann muss nachgefüllt werden. Entweder selbst oder in der Kirchahorner Abfüllanlage.

16.02.2021 © Foto: Feuerwehr


In den vergangenen Wochen hat sich der Winter von seiner schönsten Seite präsentiert. Viel Schnee verwandelte die Region in eine weiße Winterlandschaft. So schön wie es auch ist, bei einsetzendem Tauwetter steigt auch die Hochwassergefahr. Die Feuerwehren sind dann vermehrt im Einsatz, wenn die Lage kritisch wird. Sie hindern die Fluten unter anderem mit Sandsäcken daran, sich weiter auszubreiten und größeren Schaden anzurichten.

 Bereits Ende Januar wurde die Feuerwehr Pegnitz nach Oberailsfeld alarmiert. Durch Schneeschmelze und anhaltenden Regen stieg dort das Wasser des Ailsbachs schnell an und trat über die Ufer. Zur Unterstützung belieferten sie die Einsatzkräfte vor Ort mit Sandsäcken – mittlerweile ist der Bestand wieder aufgefüllt. "Bei uns im Feuerwehrhaus liegen immer knapp 400 gefüllte Sandsäcke. So sind wir gut vorbereitet", sagt Kommandant Roland Zahn. Gelagert werden die Säcke in Gitterboxen, die sich in der Fahrzeughalle befinden. Wird die Feuerwehr zu einem Hochwassereinsatz gerufen, werden die Boxen auf die jeweiligen Fahrzeuge geladen und zum Einsatzort gefahren.

Abfüllanlage in Kirchahorn

Doch vor dem Einsatz müssen die Sandsäcke erst einmal befüllt werden. Das findet teilweise durch die Feuerwehr Pegnitz selbst, aber auch durch eine Sandsackabfüllanlage in Kirchahorn statt. Diese ist eine von zwei vom Landkreis Bayreuth angeschafften Abfüllanlagen. "Die eine steht bei uns, die andere in Goldkronach. Das ist Teil des Katastrophenschutzes", erklärt Frank Wickles, Kommandant der Feuerwehr Kirchahorn.

Zwar steht die Anlage bei der Feuerwehr Kirchahorn, die stellt aber nur das Personal zur Verfügung. "Wir sind darauf geschult worden", sagt Wickles. Zum Abfüllen werde die Anlage zum Bauhof gebracht, wo immer 60 Tonnen Sand vorrätig seien. Sollte eine Feuerwehr dann Bedarf haben, meldet sich diese bei der Feuerwehr Kirchahorn. "Wir fahren dann mit der Abfüllanlage zum Bauhof und füllen ab", erklärt Wickles. Bis die Anlage aber einsatzbereit sei, brauche es eine Vorlaufzeit von einer Stunde. "Da steckt eine wahnsinnige Logistik dahinter."

Das schwierigste sei die Organisation und die Maschine am Laufen zu halten, wenn sie erst einmal in Betrieb sei. Wenn sie läuft, schaffe die Anlage im Dauereinsatz 1000 Sandsäcke in der Stunde. In den vergangenen zwei Jahren seien zirka 15 000 Sandsäcke abgefüllt worden. Aktuell hat die Feuerwehr Kirchahorn selbst 1500 bis 2000 Sandsäcke vorrätig. "Das ist der Restbestand von der letzten Befüllung." Um diese große Menge unterzubringen, wird sie auf verschiedene Feuerwehren und Lager in der Umgebung verteilt.

Bei der Feuerwehr Auerbach hingegen werden die Sandsäcke komplett per Hand befüllt. "Das machen entweder wir selber oder nach Absprache der Bauhof", erklärt Kommandant Sven Zocher. Da der Hochwasserschutz in Auerbach und Umgebung sehr gut sei, reiche das Abfüllen von Hand vollkommen aus. "Wir hatten in Auerbach in den vergangenen zehn Jahren so gut wie kein Hochwasser. Auch weil wir keine Flüsse haben, die über die Ufer treten können."


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Trotzdem sei die Feuerwehr Auerbach auf den Ernstfall vorbereitet: "Wir haben immer zwei Paletten mit Sandsäcken auf Gitterboxen auf Lager. Das dürften knapp 200 Stück sein." Dazu habe man noch etliche leere Säcke, die bei Bedarf befüllt werden können. "Auch die kleineren Feuerwehren in der Umgebung haben meist nur die Mindestmenge an Säcken vor Ort, weil der Bedarf einfach nicht gegeben ist", erklärt Zocher. Die Feuerwehren in den Gebieten, in denen vermehrt Hochwassergefahr bestehe, seien in der Regel aber immer gut ausgerüstet.

1000 Stück auf Lager

So wie die Feuerwehr Neuhaus an der Pegnitz. "Wir haben aktuell 1000 Sandsäcke auf Lager", bestätigt Kommandant Thomas Kulacz. Aufgrund der Nähe zur Pegnitz sei das Risiko von Hochwasser hier auch höher. Gelagert werden die Säcke bei der Schule in einem Unterstand, aber auch im Feuerwehrgebäude selbst – nochmal etwa 200 Säcke. "Wir beschaffen die Säcke schon befüllt im Internet", sagt der Kommandant. Der Markt Neuhaus hat insgesamt vier Feuerwehren, alle holen sich die Säcke vom Hauptstützpunkt in Neuhaus. Erst vor drei Wochen habe die Feuerwehr aus Nankendorf Säcke geholt, die Mühle war vom Hochwasser betroffen. Zudem habe es wegen der Schneeschmelze einen weiteren Hochwasser-Einsatz gegeben. Dabei musste ein Steg aus der Pegnitz geborgen werden, so Kulacz. Sandsäcke seien dabei nicht zum Einsatz gekommen.

Die Feuerwehr Waischenfeld habe aktuell noch Restbestände von etwa 500 Sandsäcken. Eine geplante Nachrüstung sei durch die Pandemie verhindert worden. "Wir wollten uns heuer eigentlich neue im Ahorntal füllen", sagt Kommandant Roland Huppmann. Er hoffe auf eine Möglichkeit im Frühjahr und will dann wieder 1000 Stück einlagern. Die Europaletten mit den Säcken werden in einer städtischen Scheune bei der Burg Waischenfeld gelagert. Beim Einsatz sei es dann besser, wenn die Säcke schon feucht oder nass seien. "Dann klumpt der Sand nicht", erklärt Huppmann. Natürlich würden aber sowohl trockene als auch feuchte Säcke ihren Dienst tun. In Waischenfeld selbst sei nur der Campingplatz hin und wieder anfällig für Überflutungen. Dieses Jahr habe es aber noch keinen Einsatz gegeben.

Ist das Hochwasser wieder abgeklungen, werden die Sandsäcke "in der Regel entsorgt", erklärt Roland Zahn. Der Grund: durch übergelaufene Gullischächte bestehe die Gefahr, dass die Säcke durch Fäkalien kontaminiert sind. Auch Öl von Heizöltanks könne sich im Sand sammeln. Um die Entsorgung der Säcke kümmere sich dann die jeweilige Feuerwehr vor Ort oder eine Firma.

Sollte es sich um Hochwasser auf Privatgrund handeln, wäre der Eigentümer dafür zuständig, die Säcke zu entsorgen, sagt wiederum Kulacz. Eine Rechnung werde dann ausgestellt. Auf Gemeindegrund würde sich hingegen der Bauhof um die Entsorgung kümmern.

FLORIAN ZEILMANN UND JANA TREHKNOPF

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