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Firma Eckart erweitert Hallen und stellt ein

Aufatmen in Hartenstein: Unternehmen geht gestärkt aus der Übernahme durch Altana heraus - Steuerkraft - 26.09.2007

50 Hektar groß ist die kleine eigene Stadt der Eckart-Werke auf dem Hügel vor Hartenstein (im Hintergrund), um neun Hektar könnte sie noch wachsen. Doch jetzt werden erst einmal vorhandene Produktionshallen vergrößert. © Kohl


Die Bürgermeister des reichen Offenhausen (Dauphin) oder des armen Happurg (E.on) können ein Lied davon singen, wie schön oder schlecht es ist, in der Gewerbesteuer wesentlich von einem großen Unternehmen abhängig zu sein. Hartenstein ist mit durchschnittlich gut zwei Millionen Euro Gewerbesteuer (brutto) dank der Eckart-Werke eine schuldenfreie Gemeinde mit eigener Burg.

Doch als vor zwei Jahren der Konzern Altana die Werke in Güntersthal übernahm, ging bei den Kommunalpolitikern die Angst um. Denn vom Umsatz her macht der jetzt als «Eckart Effect Pigments» firmierende Geschäftsbereich in Güntersthal und Wackersdorf nur ein Viertel der gesamten Chemie-Spezialprodukte der Altana AG aus.

Standort gesichert

Inzwischen zeigt sich aber: Der Traditionsstandort im oberen Pegnitztal ist gesichert, ja wird ausgebaut. Ende August erlaubten die europäischen Kartellbehörden der Altana AG in Wesel die Übernahme der britischen Wolstenholme Gruppe. Die erzielte im weltweiten Pigmentegeschäft jährlich knapp 30 Millionen Euro Umsatz. Weil Eckart (letzter Jahresumsatz 340 Millionen Euro) eine ganz ähnliche Produktion hat, schließt Altana die Wolstenholme-Werke in Großbritannien und USA - und verlagert die Arbeit nach Güntersthal.

50 Hektar groß ist die kleine eigene Stadt der Eckart-Werke auf dem Hügel vor Hartenstein, um neun Hektar könnte sie noch wachsen. Doch jetzt werden erst einmal vorhandene Produktionshallen vergrößert, um die hundert heuer hinzukommenden Mitarbeiter unterzubringen. Zehn Millionen Euro werden in den nächsten Jahren investiert. 1187 Beschäftigte hatte Eckart Anfang des Jahres in Günters-thal. Zum Jahresende sollen es 1285 sein, darunter 65 Azubis.

Eigene Ausbildung ist für die spezielle Pigmente-Produktion der Eckart-Werke traditionell wesentlich. Das Unternehmen braucht viele Techniker, Ingenieure und Chemiker. Auch die Facharbeiter müssen speziell qualifiziert sein. Deshalb schult die Firma auch im eigenen Haus um. So mancher Bäcker oder Metzger aus dem Pegnitztal ist in Güntersthal schon zur Produktionsfachkraft Chemie geworden. Viele Akademiker werden zudem aus ganz Deutschland angeworben, verrät Personalchef Harald Bräuning.

Die 1876 von Carl Eckart in Fürth gegründeten Werke produzieren seit 1920 in Güntersthal Bronzepulver, 1928 kamen die Aluminium-Pigmente hinzu. Die Grundidee, die harten Metalle pulverisiert in andere Produkte einzusprühen, erweist sich auch nach mehr als 130 Jahren als äußerst erfolgreiche Nische der Chemieindustrie. Autolacke oder Pilsflaschenverschlüsse sind klassische Eckart-Produkte. Nicht der äußeren Schönheit, sondern der Langlebigkeit der Produkte dienen dagegen Zinkpigmente in Karosserien, Schiffen oder Brückenpfeilern.

Die Gemeinde, so Bürgermeister Werner Wolter, ging davon aus, dass sich die Übernahme der Werke und die Verlagerung der Konzernzentrale nach Wesel steuermindernd für Hartenstein auswirken würden. Jetzt kommt es ganz anders. Obwohl der Gemeinderat den Hebesatz um 50 Punkte auf den landkreisweit niedrigsten Satz von 260 Punkten gesenkt hat, rechnet Hartenstein auch in den nächsten Jahren wieder mit dem alten Durchschnitt von zwei Millionen. 

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