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Flixbus-Unfallopfer aus Bayreuth findet seinen Retter

Am 19. Mai war ein Reisebus auf der A9 verunglückt - 05.06.2019 12:17 Uhr

Am 19. Mai überschlug sich auf der A9 nahe Leipzig ein Bus des Unternehmens Flixbus mehrfach und blieb dann auf der Seite liegen. Ein Mensch starb bei dem Unfall. © Jan Woitas/dpa


"Glücklich", schrieb Engel auf seinem Facebook-Profil, nachdem sich die Mutter des Gesuchten bei ihm gemeldet hatte. Im Internet war sie auf der Suche nach weiteren Informationen zu dem Flixbus-Unglück auf den Aufruf des fränkischen Unfallopfers gestoßen, Umgehend hatte sie ihren Sohn auf die Suchaktion aufmerksam gemacht. Kurze Zeit später meldete sich der Gesuchte selbst, der zurzeit in einem Krankenhaus in Berlin liegt. Um ganz sicher zu sein, stellte Alexander Engel seinem mutmaßlichen Retter ein paar Fragen, die nur der Mann wissen konnte, der ihn nach dem Unfall geistesgegenwärtig losgeschnallt und damit vielleicht vor noch Schlimmerem bewahrt hatte.

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Und sein Schutzengel erinnerte sich daran, dass ihn der Nebenmann auf Sitz 5B bei Fahrtantritt gebeten hatte, den Rucksack vom Sitz zu nehmen. Auch daran, dass Engel seine Kontaktlinsen rausgenommen hatte, bevor er vor sich hin döste. Im Gegensatz zu dem Oberfranken, dessen mehrfach gebrochener Oberarmknochen mit einer Platte und 15 Nägeln stabilisiert wurde, hat dessen Retter noch zwei Operationen vor sich. Bei dem Unfall, bei dem sich ein Doppeldeckerbus des Unternehmens Flixbus mehrfach überschlagen hatte und dann auf der Seite liegen geblieben war, zog sich Engels Nebenmann eine komplizierte Schulterfraktur und Schnittverletzungen im Gesicht zu.

Alexander Engel hat seinen Schutzengel gefunden. © privat


Der Gesuchte, ein Musiker in etwa dem gleichen Alter wie Engel, war denn auch blutüberströmt, als er seinen hilflosen Sitznachbarn von dessen Sicherheitsgurt befreite. Nach eigener Aussage habe sein Retter danach noch einen weiteren Passagier losgeschnallt. So bald wie möglich will sich der 33-Jährige bei seinem Schutzengel persönlich bedanken. In ein paar Tagen, wenn es dem Retter besser geht, wollen die beiden Männer zum ersten Mal telefonieren.

Und wenn sein damaliger Sitznachbar seine Operationen überstanden hat, will Alexander Engel ihn treffen. Darüber hinaus will er dem Mann helfen, das Gepäck aus dem verunglückten Bus wiederzubekommen. In den vergangenen Tagen hatte sich der Oberfranke darum bemüht, seine Habseligkeiten zu erhalten — angesichts einiger bürokratischer Hürden bislang allerdings erfolglos. Nun will Engel das nicht nur für sich, sondern auch für seinen Retter regeln.

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André Ammer

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