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Montag, 20.01.2020

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Fotografen in Pegnitz fürchten neue Regel

Falls Bürger ihre Passbilder nur noch im Amt machen dürfen, befürchten Fotografen mehr als nur Einbußen. - 11.01.2020 06:55 Uhr

Das Anfertigen von Passbildern – wie für diese Kundin – macht in den Wintermonaten den Hauptverdienst von Fotograf Hans Pastyrik aus. Bei vielen seiner Kollegen ist es ähnlich. © Foto: Ralf Münch


Wenn es draußen wärmer und heller ist, werde er für Hochzeiten, Firmenveranstaltungen, Familienfotografie und andere Termine gebucht. Doch in den Wintermonaten machten die Passbilder den Löwenanteil seiner Einnahmen aus. "Wir überstehen den Winter nicht ohne Passbilder", sagt Pastyrik. Wir, damit meint er tausende Kollegen, denen es jetzt so gehen dürfte wie ihm.

Beispielsweise seine ehemalige Mitarbeiterin Isabella Glomb, die in Auerbach am Oberen Marktplatz ihr eigenes Fotostudio unter dem Namen Pastyrik betreibt. "Passfotos sind unser tägliches Brot", sagt Glomb.

Sie stellt sich die Frage, ob das Innenministerium mit der Verlagerung der Passfotografie ins Amt tatsächlich sein Ziel erreichen kann: Betrug vorzubeugen, sicherzustellen, dass tatsächlich die Person auf dem Foto zu sehen ist, deren Name im Ausweis steht. "Schauen wir mal, ob es da dann auch Fälle von Manipulation gibt." Glomb geht es aber nicht nur um die Einnahmen, sondern auch um die Kunst. "Ein Fotograf bringt den Menschen zum Lächeln. Und jetzt soll eine tote Maschine die Bilder machen?"

Doris Dörfler-Asmus tangieren die Pläne des Innenministeriums geschäftlich nicht. Sie hat sich mit ihrem Fotostudio Lichtblick an der Winterleite in Pegnitz vor sechs Jahren überwiegend auf Porträtfotografie spezialisiert, Passfotos hat sie seitdem nicht mehr im Angebot. Gute Passfotos benötigten eben Zeit, das gehe nicht ohne hohen Zeitaufwand. "Ich wollte mich auf etwas festlegen", sagt Dörfler-Asmus. Sie wisse aber, dass es "der Genickbruch für viele Kollegen sein wird, falls es wirklich so kommt". Dörfler-Asmus ist gespannt, wie das mit den Bildern klappen soll, wenn sie irgendwie der Staat übernimmt. "Es müssen auch beispielsweise Babys und bettlägrige Menschen fotografiert werden. Kann ein Beamter das?"

Sie könne sich auch eine Möglichkeit vorstellen, die den Fotografen ihre Einnahmequelle lässt: "Jeder Fotograf gibt bei seinen Passbildern eine eidesstattliche Versicherung ab und die Fotos laufen über eine Passbildstation, die bei der Datenübertragung nicht manipulierbar ist."

Auch Bürgermeister Uwe Raab hofft, dass noch eine andere Lösung gefunden wird: "Ich habe nichts gegen eine höhere Fälschungssicherheit und bessere Fahndungsmethoden, aber das sollte auch beim örtlichen Fotogeschäft möglich sein", schreibt er auf Anfrage der Nordbayerischen Nachrichten.

Nirgends werde man charmanter zum Lächeln aufgefordert. Falls die Fotohändler wegbrechen, würde "innerstädtisches Leben wieder ein Stück eingedämmt", so Raab. Er möchte auch nicht, dass letztendlich die Stadt den Aufwand tragen muss: "Es kann und darf aus meiner Sicht nicht sein, dass dadurch die Kommunen mit Kosten, Zeit und Arbeit belastet werden, die ihnen nicht gebührend ersetzt werden würden."

Schreiben an die Politik

Hans Pastyrik will nicht tatenlos zusehen. "Nach Weihnachten erreicht man ja bei den Behörden niemanden." Aber jetzt werde er alle in Landtag und Bundestag vertretenden Fraktionen anschreiben. "Falls die Regelung kommt, will ich wenigstens nicht das Gefühl haben, nichts unternommen zu haben."

MARCEL STAUDT

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