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Fränkische Schweiz ist jetzt "Öko-Modellregion"

Mehr Bio aus der Region - Auszeichnung für das Wirtschaftsband A9 - 24.04.2019 10:12 Uhr

Ab sofort darf die Fränkische Schweiz den Titel „Öko-Modellregion“ tragen. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) wird die Auszeichnung für die nächsten zwei Jahre an das beliebte Naherholungsgebiet sowie an 14 Mitbewerber im Freistaat verleihen.


Um die Auszeichnung beworben haben sich heuer die beiden Vereine ILE Fränkische Schweiz aktiv und ILE Wirtschaftsband A  9 Fränkische Schweiz. Im ersten Verbund für eine Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) haben sich die Gemeinden Ebermannstadt, Gößweinstein, Kirchehrenbach, Kunreuth, Leutenbach, Pinzberg, Pretzfeld, Unterleinleiter, Waischenfeld, Weilersbach, Wiesenthau sowie Wiesenttal zusammengeschlossen. Dem zweiten gehören die Kommunen Gesees, Hummeltal, Haag, Ahorntal, Creußen, Prebitz, Schnabelwaid, Pottenstein, Pegnitz, Betzenstein und Plech im Landkreis Bayreuth sowie Gößweinstein, Egloffstein, Obertrubach, Hiltpoltstein, Gräfenberg, Weißenohe und Igensdorf im Landkreis Forchheim an.

Liste der Alleinstellungsmerkmale

Sie hätten sich die Bewerbung nicht leicht gemacht, sagt der Manager des ILE-Wirtschaftsbandes A  9, Michael Breitenfelder. Eine Lenkungsgruppe habe sich zusammen mit Vertretern der Landwirtschaft der Herausforderung gestellt und alle Alleinstellungsmerkmale der Region, aber auch mögliche zukünftige Projekte aufgelistet und zusammen mit einem Bewerbungskonzept eingereicht.

Auf ihren Treffen haben die Mitglieder den aktuellen Zustand analysiert und die Potentiale der Region zusammengestellt. Weiterhin wurden Strategien und sechs konkrete Projekte ausgearbeitet. Dazu gehören ein ökologisches Getreidelager, das Landwirten die Umstellung auf ökologischen Landbau erleichtern soll, das Becherpflanzen-Projekt "100 Hektar Silphie" und eine verbesserte Zusammenarbeit von regionalen Erzeugern und Vermarkter mit Großküchen, Kantinen und Versorgungseinrichtungen.

Oberstes Ziel solle sein, sagt Breitenfelder, den in der Region betriebenen Öko-Landbau bekannter zu machen und mehr Bauern davon zu überzeugen, auf Öko-Landwirtschaft umzustellen. "Wir haben hier zahlreiche Bio-Produzenten, darunter sogar ein biozertifizierter Hopfen-Bauer bei Gräfenberg. In großen Teilen der Gesellschaft ist dies jedoch noch nicht angekommen", resümiert der ILE-Manager. Deshalb sei es auch eine der Hauptaufgaben, entsprechende Informationen zu erarbeiten und zu verbreiten sowie ein engmaschiges Netzwerk mit vielen Akteuren aufzubauen.

Dass der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und die Vermarktung ihrer Produkte in der Region im Mittelpunkt der Öko-Modellregion stehe, bedeute aber nicht gleichzeitig, dass die konventionelle Landwirtschaft benachteiligt werde. Im Gegenteil: Sie spiele eine wichtige Rolle, zum Beispiel beim Anbau der Becherpflanze. "Wir brauchen beide", betont Breitenfelder.

In einer erste Reaktion schreibt der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (SPD), der auch Sprecher der ILE Wirtschaftsband A  9 Fränkische Schweiz ist, dass "die Berücksichtigung ökonomischer und sozialer Belange eine bedeutende Position einnimmt, um die Stadt und die Region nachhaltig weiterzuentwickeln und zukunftssicher aufzustellen". Er freue sich, dass "die gemeinsamen Anstrengungen der letzten Wochen und Monate vieler Partner aus Politik, Verwaltung, lokaler und regionaler Institutionen und Versorger, Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz nun belohnt werden", so Raab.

Wertschöpfung vor Ort

Landwirtschaftsministerin Kaniber fasst die Aufgaben der Öko-Modellregionen folgendermaßen zusammen: Dort sollen zukunftsfähige Projekte zur Entwicklung des ökologischen Landbaus umgesetzt, regionale Wertschöpfungsketten etabliert und das Bewusstsein der Bevölkerung für bio-regionale Ernährung gestärkt werden. Erzeuger, Verarbeiter, Vermarkter und Konsumenten würden damit regional vernetzt. "Das Ganze funktioniert auf freiwilliger Basis und ohne gesetzliche Vorgaben", betonte die Ministerin. Sie wolle, dass die Menschen die Produkte der Landwirte in ihrer Heimat wieder schätzen lernen und sich bewusst würden, dass regionale Produktion die nachhaltigste ist.

Lob für den Wettbewerb um die Auszeichnung mit dem Titel Öko-Modellregion kommt auch vom Bund Naturschutz (BN). Landesvorsitzender Richard Mergner nennt es eine "tolle Sache", wenn die ökologische Landwirtschaft gefördert und ausgebaut wird. Der BN bestimme im Auswahlgremium mit, an wen der Titel einer Öko-Modellregion verliehen werde.

In diesem Jahr sei es gelungen, die Zahl nicht nur auf sechs Auserwählte zu beschränken, wie es in den beiden ersten Wettbewerben gehandhabt wurde, sondern auf 15 zu erhöhen. "Das erfolgreiche Volksbegehren ,Rettet die Bienen‘ hat uns bei unserer Forderung wahrscheinlich kräftig unterstützt. Hat es doch gezeigt, dass sich viele Menschen in Bayern mehr ökologische Landwirtschaft wünschen", sagt Mergner. Die Aktionen und Projekte in den Öko-Modellregionen können dazu beitragen, ist der Landesvorsitzende überzeugt.

Vorreiter Österreich

Angesichts der Tatsache, dass der Anteil der ökologischen Landwirtschaft in Bayern gerade mal zehn Prozent betrage, in Teilen Österreichs dagegen bis zu 50 Prozent, sei noch viel Luft nach oben. "Wenn das Buffet bei einer Veranstaltung der Stadt Bayreuth von regionalen Öko-Produzenten stammt, dann sind wir auf einem guten Weg", skizzierte Landesvorsitzender Mergner.

InfoNeben der Öko-Modellregion Fränkische Schweiz gibt es ab sofort noch zwei weitere in Oberfranken: Obermain-Jura (Kommunen der Landkreise Lichtenfels und Bamberg) sowie Siebenstern im Landkreis Wunsiedel.

VON GUNTER BECKER

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