Donnerstag, 28.01.2021

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Freie Bahn für das Schlusslicht Medi Bayreuth

Basketballer leisten gegen Gießen kaum Gegenwehr und sind nach dem 99:110 endgültig in der Krise - 27.12.2020 22:47 Uhr

Symbolhaft: Gießens Scottie James (re.) hat allen Platz der Welt, der Bayreuther Andreas Seiferth kommt deutlich zu spät – und hat weit und breit keine Hilfe.

27.12.2020 © Foto: Peter Kolb


Mit drei Siegen aus neun Bundesliga-Partien stehen die Bayreuther Basketballer zwar noch auf Rang 13, aber der Trend ist erschreckend. Gerade defensiv findet das Team keine Lösungen – selbst gegen Mannschaften, die bisher kaum ein Bein auf den Boden gebracht hatten. Als ob man aus christlicher Nächstenliebe gerade den Bedürftigen reichlich Geschenke zukommen lassen möchte.

Offensiv deutete das Team mit 99 Punkten an, dass es kreativ über viele Möglichkeiten verfügt. Eigentlich ein Luxusproblem, dass viele Produzenten für Punkte infrage kommen, doch für Raoul Korner nicht einfach herauszufinden, wer an diesem Tag sein "Händchen" hat. Einer, der immer viel Power zur Korbjagd geht, ist Frank Bartley. Mit 27 Punkten war er auch gegen Gießen der erfolgreichste Scorer auf dem Parkett.

Verräterische Plus-/Minusbilanz

Doch gerade an ihm manifestiert sich das Manko am Team Medi 2020/21: Bei der Plus-/Minusbilanz hält er nämlich auch den höchsten Wert – in negativer Hinsicht: minus 20 ist mit Abstand die schlechteste Bilanz aller Akteure. Von seiner Physis her müsste er ein guter Verteidiger sein, doch in der Realität steht er oft falsch, "begleitet" seinen Kontrahenten eher freundlich als ihn unter Druck zu setzen.

Gerade im Schlussviertel durfte sein direkter Gegenspieler Isaac Hamilton machen, was er wollte, markierte 13 seiner insgesamt 20 Punkte. Ohnehin unfassbar, was da abging: Schon im ersten Viertel hatte das Kellerkind Oberwasser, Bayreuth schien noch nicht ganz wach zu sein und ließ sich bis zur ersten kurzen Pause (27:30) gleich 30 Zähler einschenken. Ein Spektakel, aber ohne Defensivbemühungen – so kann man einen verunsicherten Gegner schon mal aufbauen.

Im zweiten Viertel kam die große Zeit des Ryan Woolridge, der sein Team zu einem 19:4-Lauf und einem 52:47-Halbzeitvorsprung führte. Die Machtverhältnisse schienen gerade gerückt. Doch der junge Mann, der direkt vom College nach Europa kam, ist eben noch kein fertiger Spieler und noch extrem schwankend in seinen Leistungen.

Als er im dritten Viertel wieder eingewechselt wurde, war das nur von kurzer Dauer, leichtsinnige Fehler ließen die Führung wieder schwinden – zumal mir Dererk Pardon eine bisherige Konstante im Bayreuther Spiel einen schwarzen Tag erwischt hatte und seinem Team dieses Mal nicht helfen konnte. So hieß es vor dem Schlussviertel 70:71; und wer im heimischen Lager gehofft hatte, dass die Gießener, deren Top-Leute sehr lange auf dem Feld standen, müde werden würden, sah sich getäuscht.

Bayreuth verteidigte – man mag es kaum glauben – nun noch weniger als zuvor. Sage und schreibe 39 Punkte markierten Hamilton, Stark (21), James (18), Bowman (17) und Thomas (13) in diesem Viertel. Und das mit glänzenden 75 Prozent Trefferquote aus dem Feld.

Doch wie frei die Gießener zum Wurf kamen, ließ Raoul Korner die Haare raufen. Da brennt über den Jahreswechsel der Baum. Schon am Mittwoch steht für Medi das Derby in Bamberg auf dem Programm – ob da Wiedergutmachung drin ist?

 

Bayreuth: Pardon 5, Woolridge 9/1, Jalalpoor, Doreth 11/2, Seiferth 10, Tiby 13/1, Walker 13/2, Bartley 27/1, Olisevicius 11/1, Wenzl, Bruhnke und Krug n.e.

HOLGER PETER

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