Spannungen

Freie Wähler rechnen mit eigenem Landrat ab

29.7.2021, 08:00 Uhr
Rund 100 FWG-Mitglieder waren nach Trockau gekommen, um sich die Ansichten von Hans Hümmer und weiterer Fraktionsmitglieder anzuhören.

Rund 100 FWG-Mitglieder waren nach Trockau gekommen, um sich die Ansichten von Hans Hümmer und weiterer Fraktionsmitglieder anzuhören. © Foto: Stefan Brand

Auslöser für diesen Termin waren seit Monaten schwelende Spannungen zwischen der Kreistagsfraktion und dem aus ihren Reihen stammenden Landrat (wir berichteten). Sie gipfelten in einer Stellungnahme der Fraktion gegen Wiedemann, in der man ihm nahelegte, sich eine neue politische Heimat zu suchen.

Hümmer hatte angeblich gegen Quarantäneregeln verstoßen und eine Mitarbeiterin des Landratsamtes verbal angegriffen. Die Reaktion Wiedemanns veranlasste Teile der Fraktion, gegen ihren Landrat auszuholen.

Hümmer gibt Vorsitz ab

Hümmer sagte, er werde "wie vor drei Jahren schon angekündigt" in der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr als Vorsitzender antreten. Wenn das gewünscht werde, "kann ich gerne auch ein paar Monate eher zurücktreten".

Die FWG habe in vier Wahlperioden "beachtliche Erfolge erzielt". Und sei nicht ohne Grund zur zweitstärksten Fraktion im Kreistag geworden, dies führe er auf "eine ausschließlich sachorientierte und vor allem unabhängige Kommunalpolitik" zurück. Doch aus einem "echten Neuanfang" sei "leider" nichts geworden.

"Einige Fraktionsmitglieder müssen sich beinahe wöchentlich mehrmals Unmutsäußerungen der Bürger anhören und können das Vorgehen von Juristen und Verwaltungsmitarbeitern nicht nachvollziehen."

Ursprünglich abgelehnt

Hümmer listete detailreich Divergenzen zwischen Wiedemann und der Fraktion auf. Von kostenlosem Kaffee für Mitarbeiter im Landratsamt, den dieser abschaffen wollte, bis zur Erweiterung des Landratsamtes, die er ursprünglich abgelehnt habe und jetzt befürworte.

So viel Wahrheit hinter den Aussagen Hümmers auch stecke: Manche hätten ihm abgeraten, "so ins Detail zu gehen, das schade dem Kreisverband eher", sagte FWG-Stadtrat Thomas Schmidt aus Pegnitz.

Klare Ansage von Waischenfelds Altbürgermeister Edmund Pirkelmann: Er sprach über seine Erfahrungen als Aufsichtsratsmitglied im Klinikum Bayreuth. Wiedemann als Zweckverbandsvorsitzender habe wenig vorangebracht von dem, was dort geschehen müsse.

Creußens Bürgermeister Martin Dannhäußer, Schriftführer der Kreis-FW, sagte im Gespräch mit der Redaktion: "Die ÜWG Creußen ist klar positioniert auf Seiten von Wiedemann." Es seien Dinge passiert, die "unschön" seien. Das sei "tragisch", aber "Fehler geschahen auf beiden Seiten". So habe die Verwaltungsleitung im Landratsamt Wiedemanns Unerfahrenheit ausgenutzt – "wie auch die politische Seite". Es könne nicht sein, "dass man so gegen seinen eigenen Landrat agiert".

Klar pro Hümmer äußerte sich die langjährige Hollfelder Bürgermeisterin Karin Barwisch. Nachdem Kreisräte in Quarantäne gehen mussten, habe sie bei einem gemeinsamen Coronatest in Aichig selbst gehört, wie Kreistagsmitglieder mit Behördenleiter Daniel Frieß beieinanderstanden und gesagt hätten, "man kann im Kreis keine Politik machen und es kommt nicht eher Ruhe rein, bis Hümmer aus dem Kreistag verschwunden ist". Aus ihrer Sicht sei das "schlecht und deprimierend". Dass Wiedemann dies dulde, müsse er sich vorwerfen lassen. Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer sprach von einer "zerrissenen Seele" der Freien Wähler.

Beifall für Wiedemann

Wiedemann selbst sagte, ins Detail wolle er nicht gehen. Aber: Durch "Weglassen und Aus-dem-Zusammenhang-Reißen" lasse sich schnell so manches falsch darstellen. Er sei angetreten, den Landkreis zukunftsfähig zu gestalten, er stehe für eine konstruktive und sachorientierte Zusammenarbeit mit allen in Kreistag vertretenen Gruppierungen. Habe er alles richtig gemacht? "Sicher nicht." Aber er sei und bleibe aus Überzeugung ein Freier Wähler. Im Gegensatz zu Hümmer erhielt er Beifall aus den Reihen der rund 100 Mitglieder.

Zu denen gehörte auch FWG-Sprecher Wilhelm Zapf aus Bischofsgrün. Er hatte sich mehrfach hinter Wiedemann gestellt. Sein Fazit: "Hümmer hat sicher nicht mit allem Unrecht. Viele Dinge, die gesagt wurden, sind aber halt auch nicht belegt von anderer Seite."

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