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Früher Taufen im Fluss: "Es war einmal so einfach"

An der ökumenischen Wallfahrt zum Kloster Michelfeld beteiligten sich rund 500 Gläubige. - 23.07.2019 08:00 Uhr

Das Kreuzzeichen an der Stirn erinnerte alle Gottesdienstbesucher an ihre Taufe. Dazu wurden Tonschalen mit Weihwasser durch die Reihen gegeben. Im Bild Abt Beda Maria Sonnenberg aus Plankstetten und Regionaldekan Dr. Josef Zerndl aus Bayreuth. © Foto: Brigitte Grüner


Bei der nächsten ökumenischen Wallfahrt kann der Pegnitzer Dekan, der voraussichtlich zum 30. Juni nächsten Jahres in den Ruhestand gehen wird, allenfalls noch als "Pilger" teilnehmen. "Wir haben schöne Wege, gute Bläser und eine große Kirche." Mit diesen Worten lud Pfarrer Ulrich Böhm die Christen aller Konfessionen zur nächsten Wallfahrt am 5. Juli 2020 nach Betzenstein ein.

Eine große Kirche war auch am Sonntag nötig. Fast 500 Gläubige waren der Einladung zum ökumenischen Gottesdienst gefolgt. Einige davon waren in einem der drei Wallfahrtszüge von Nasnitz, dem Ortsteil Saaß oder Staubershammer aus auf das Klostergelände gekommen. Das Kirchenschiff der Asamkirche war bis auf den letzten Platz belegt. Auch auf den Emporen waren Gottesdienstbesucher; einige nahmen mit Stehplätzen vorlieb.

Die christliche Taufe verbinde und verpflichte, sagte Dekan Markus Flasinksi bei der Begrüßung. In der Anfangszeit des Christentums wurde meist in einem Fluss getauft, nicht in einer katholischen oder evangelischen Kirche. "Es war einmal so einfach", so Dekan Schoenauer bei seiner Ansprache. Die Taufe sei ein Geschenk Gottes, das man sich nicht verdienen muss.

Heute seien die Gläubigen in die unterschiedlichsten "Dialekte des Glaubens" hineingeboren, sind aber dennoch "Eins in Christus". Als sichtbares Zeichen gingen alle Geistlichen durch die Reihen und verteilten Tonschalen mit Weihwasser. Somit konnte jeder seinen Nachbarn mit einem Kreuzzeichen auf der Stirn an die Taufe erinnern. Der evangelische Dekan zeigte die Segenshandlung bei Dekan Markus Flasinski.

Abt Beda Maria Sonnenberg sagte in seiner Predigt, dass alle Getauften Gesendete seien. Jeder solle dem Anderen offen und selbstlos begegnen. Das Leben der Getauften solle Einladung für Andere sein, sich Gott zuzuwenden. Wichtiger als der Taufschein sei der Glaube, betonte der Abt.

Die Großveranstaltung, die mit dem Sommerfest von Regens Wagner und dem Mittelaltermarkt zusammenfiel, war von der gastgebenden Pfarrei und dem RW-Team, das an vielen Ständen für die Bewirtung beim anschließenden "Fest der Begegnung" sorgte, gut organisiert worden.

Die örtliche Feuerwehr hatte bereits am Vormittag mit dem Trassieren der Wallfahrtswege begonnen und kümmerte sich mit Kameraden befreundeter Wehren um die Einweisung der vielen Fahrzeuge, die aus allen Himmelsrichtungen nach Michelfeld kamen. Am Nachmittag verkehrte ab 16 Uhr regelmäßig ein Kleinbus und brachte die Wallfahrer zu den Parkflächen an den Startplätzen der Prozessionszüge.

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Gläubigen im Klosterhof. Während sich die einen Kaffee und Kuchen holten, ließen sich andere ein kühles Festbier schmecken. Die Auerbacher Schulschwestern flanierten durch den Klostergarten. Die Festprediger trafen sich am Ehrengästetisch zum Gespräch.

Der Festprediger Abt Beda Maria Sonnenberger aus Plankstetten war am Vormittag bei einer Firmung in Neuendettelsau und konnte so auf dem Rückweg der Einladung von Dekan Markus Flasinski folgen. Für die Bayerische Kongregation der Benediktiner sei es ein Anliegen, "an alten Stätten aufzutauchen". Das Kloster in Michelfeld sei ein besonderer Ort für die Mönche, denn viele Benediktiner haben hier studiert, als das Kloster noch in der Hand des Ordens war.

15 Mönche im Kloster

Beda Maria Sonnenberg (52) ist seit 2010 Abt und hat im Kloster Plankstetten aktuell 15 Mönche. Diese arbeiten vor allem in der Seelsorge, im Gästehaus und der Landwirtschaft, erzählte er. Für den Abt war es die erste, für den Dekan die 19. Wallfahrt.

"Für mich ist es die beste ökumenische Veranstaltung in unserer Region", sagt Gerhard Schoenauer. Es seien gute Freundschaften entstanden, erinnert er sich gerne an die Zusammenarbeit mit Pater Dominik Sobolewski, der die Wallfahrt viele Jahre zusammen mit ihm vorbereitet hat.

Die christliche

Taufe verbindet

und verpflichtet 

BRIGITTE GRÜNER

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