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Dienstag, 01.12.2020

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Fusion: Böheim und Heber brauen zusammen

In die Pegnitzer Brauerei von Eigentümer Martin Weiß kommt das Bier noch zur Lagerung und späteren Abfüllung. - 14.11.2020 15:55 Uhr

Franz Sporer (l.) und Martin Weiß (r.) leiten ab 1. Januar die gemeinsame Hewei GmbH & Co. KG. Als leitende Mitarbeiter stehen den Geschäftsführern Renate Ritter (2.v.l.) als Prokuristin und Henning Hein (2.v.r.) als Betriebsleiter im Großhandel zur Seite.

13.11.2020 © Foto: Getränke Weiß/Heberbräu


Getränkegroßhandel, Brauerei, Dienstleistung und Gasthaus sind ab 1. Januar die vier Standbeine der neuen Hewei GmbH & Co. KG, deren Sitz in Auerbach sein wird. "Hewei" steht für Heberbräu und Weiß. Die beiden langjährigen Geschäftsmänner Franz Sporer, Inhaber der Heberbräu, und Martin Weiß, Eigentümer des gleichnamigen Getränkegroßhandels und der Böheim Brauerei, kennen sich seit Jahrzehnten.

Gebraut wird in den Gebäuden der Pegnitzer Böheim Brauerei schon seit Februar nicht mehr. Das Helle und auch das spezielle Flinderer werden jetzt in Kirchen-thumbach hergestellt. In Pegnitz wird das Bier in Tanks gelagert und abgefüllt. Eine Erlebnisbrauerei – wie mal angedacht – gibt es dort vorerst nicht.

13.11.2020 © Foto: Klaus Trenz


Schon die Väter hatten sich gegenseitig beraten, so Weiß. Vor etwa einem Jahr brachte Franz Sporer eine mögliche Fusion der beiden Firmen ins Gespräch. Die Auerbacher Geschäftsleitung überlegte nicht lange. Schon Ende 2019 sei man sich einig geworden, seit Februar 2020 wird zusammen gebraut. Seit Jahresanfang wurde intensiv die Gründung des gemeinsamen Unternehmens geplant. Wöchentlich fanden Gespräche statt. "Das Vorhaben hat eine gewisse Eigendynamik entwickelt", freut sich Martin Weiß.

Der Hauptgrund für die Kooperation sind Synergieeffekte. "Wir können uns gegenseitig ergänzen", sagt Franz Sporer. In Auerbach gebe es den größeren Fuhrpark und die guten Großhandels-Kontakte. In Kirchenthumbach stehe eine moderne Brauerei, die bislang nicht voll ausgelastet war.

Nachfolgeproblem

Hinzu kam, dass beide Inhaber in ihren Familienbetrieben ein "gewisses Nachfolgeproblem" hatten. Viele Aufgaben hat ab Anfang dieses Jahres die 26-jährige Renate Ritter übernommen. Sie machte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Industriekauffrau und studierte danach berufsbegleitend in den Abendstunden Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie. Sie ist insbesondere versierte Fachfrau in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Personal. "Ohne Renate würde die Fusion gar nicht funktionieren", ist Martin Weiß überzeugt.

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Die junge Frau wird im neuen Unternehmen Einzelprokura haben und mittelfristig zur Geschäftsführerin werden, wenn Franz Sporer (68) und Martin Weiß (67) allmählich kürzer treten wollen. Momentan ist ein Ruhestand für die beiden Männer noch nicht in Sicht. "Wir haben mehr Aufgaben als bisher, weil Neues hinzukam", sagt Weiß.

Betriebsleiter für den Getränkegroßhandel, der im Auerbacher Industriegebiet Süd bleibt, ist Henning Hein (42). Insgesamt hat die Kirchenthumbacher Heberbräu aktuell sieben Mitarbeiter, bei Getränke Weiß sind 14 Frauen und Männer beschäftigt.

Im Betrieb von Franz Sporer stehen eine moderne Brauerei und das alte Sudhaus, das als Brauereimuseum besichtigt werden kann. Führungen gebe es dort nach Vereinbarung, sagt Renate Ritter. In der Heberbräu werden aktuell ein Hell, ein Dunkel, ein Pils, ein Zoigl sowie ein Sommer- und ein Winterfestbier der Eigenmarke gebraut.

Seit Februar wird im großen Sudkessel auch das Böheim Hell eingebraut. Je nach Jahreszeit kommt das beliebte Flinderer von Böheim dazu.

Für die weiteren Produktionsschritte im Brauvorgang werden die Gebäude der Böheim Brauerei wichtig. Das Bier kommt in großen Tanks in die Betriebsstätte nach Pegnitz, wo es zur besseren Gärung noch stehen bleibt. Danach werden die Biere ebenfalls in Pegnitz abgefüllt. Dabei werden ausschließlich die bauchigen Euro-Flaschen mit Kronkorken verwendet. 

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Das Pegnitzer Flinderer wird somit künftig in Kirchenthumbach eingebraut und in Pegnitz abgefüllt und ist damit ein echtes oberpfälzisch-fränkisches Gemeinschaftsprodukt. Erst mal vom Tisch sind frühere Überlegungen, in den Böheim-Betriebsräumen eine Erlebnisbrauerei einzurichten. "Wir brauchen den Platz für den Produktionsprozess", betonen Sporer und Weiß.

Neben dem Großhandel und dem Brauen ist die künftige Hewei GmbH & Co. KG auch im Dienstleistungssektor tätig. Dabei geht es um die Bestückung von Getränkeautomaten, die vor allem im Bereich der US-Kaserne in Grafenwöhr aufgestellt sind.

Ein Pluspunkt, den die Kirchenthumbacher Firma in das gemeinsame Unternehmen einbringt, ist die Brauereigaststätte. "Das ist wichtig, denn Bier braucht eine Heimat", drückt es Martin Weiß aus. Der Ausschank des Bieres in einer angegliederten Gaststätte sei identitätsstiftend, findet Franz Sporer.

Alle Sparten sind ab 1. Januar 2021 unter dem gemeinsamen Dach der Hewei GmbH & Co. KG. "Damit sind beide Familienunternehmen zukunftsfähig gemacht", freuen sich Franz Sporer und Martin Weiß auf die künftig noch intensivere Zusammenarbeit.

BRIGITTE GRÜNER

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