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Fußballer dürfen wieder trainieren

Während es bei manchen Mannschaften in Kleingruppen wieder losgeht, wollen andere abwarten. - 11.05.2020 17:16 Uhr

Auf dem Sportgelände des SV 08 Auerbach könnte es bald wieder in Kleingruppen losgehen — vorausgesetzt die Schutzmaßnahmen können umgesetzt werden. © Foto: Klaus Trenz


Hans Mösch hatte am Freitagabend die Mitteilung des Bayerischen Fußball-Verbands auf dessen Homepage gelesen. Nur kurze Zeit später hatte der Abteilungsleiter des ASV Pegnitz die ersten Anfragen per Whatsapp. "Die Spieler haben sich gleich erkundigt, wann sie wieder auf den Platz dürfen", sagt Mösch.

Der Sportplatz des FC Pegnitz wird wohl bis auf Weiteres menschenleer bleiben. Wie Trainer Peter Schramm sagt, möchte der Verein noch abwarten. © Foto: Klaus Trenz


Der BFV informierte seine Vereine über die Internetseite, nachdem BLSV-Präsident Jörg Ammon die nun doch überraschende Entwicklung bei einer gemeinsamen Videokonferenz mit den Vertretern der Sportfachverbände mitgeteilt hatte. Auch das Bayerische Innenministerium gab grünes Licht. "Mannschaftsbezogene Sportarten, die einen Körperkontakt nicht ausschließen lassen, wie Fußball, Volleyball, Basketball, Football usw. können derzeit nicht ausgeführt werden", schrieb das Bayerische Innenministerium auf seiner Homepage, öffnete aber dem Amateurfußball die Türe: "Möglich ist aber ein kontaktloses Training in Form von z.B. Taktik-, Technik- oder Konditionstraining o.ä., wenn dies im Freien und mit insgesamt höchstens fünf Personen stattfindet. Achten Sie bei einem solchen Training auf die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern."

Es geht aber nicht nur um den Mindestabstand, wie der BFV in einem Leitfaden rät: Insgesamt sollen nicht mehr als 20 Spieler gleichzeitig auf den Platz, maximal zehn pro Hälfte. Es wird ohne Zweikämpfe trainiert. Die Sportler sollen auf Desinfektion achten und etwa eine eigene Trinkflasche mitbringen. Spucken und Nase putzen auf dem Feld sind zu vermeiden. Die Spieler sollen am besten bereits umgezogen kommen, das Duschen soll zu Hause erfolgen. Umkleidekabinen und Gemeinschaftsräume an den Sportstätten sollen nicht genutzt werden. Besonders corona-vulnerable Personen (Risikogruppen) sollen nicht besonders gefährdet werden. Zuschauer sind beim Training nicht erlaubt.

Der ASV Pegnitz will die Erlaubnis zum Fußballtraining laut Mösch so umsetzen: Spieler kommen am Trainingsgelände einzeln an, melden sich bei ihren Trainern und erfahren von denen und durch aufgestellte Schilder, welcher Teil des Platzes für ihre Kleingruppe vorgesehen ist. Alle Personen desinfizieren sich die Hände mit Spendern, die auf dem Vereinsgelände aufgestellt werden. Das Equipment, etwa Bälle und Hütchen, "werden von den Trainern geholt und desinfiziert", sagt Mösch. Wer während einer Trainingseinheit aufs WC muss, bekommt den Schlüssel vom Trainer. Ansonsten dürfen die Spieler Räumlichkeiten nicht betreten, auch nicht die Duschen nach den Trainingseinheiten. Welche Personen von wann bis wann trainiert haben, wird schriftlich festgehalten.

Erstmal möchte der ASV seine Vollmannschaften aufs Spielfeld lassen. "Wir haben auf einem Fußballplatz maximal Platz für vier Kleingruppen. Wir wollen die Abläufe mit den Erwachsenen testen und probieren, ob alles funktioniert", sagt Mösch. Dass es bald wieder losgehen könnte, findet er "für die Spieler einerseits gut, die Lockerung birgt aber auch Risiken, sich gegebenenfalls anzustecken." Er werde auch in einem Konzept, dass Mösch als Corona-Beauftragter des Vereins entwirft, darauf hinweisen "dass es keine 100 prozentige Garantie geben kann, sich nicht anzustecken".

"Aktiv passiert bei uns nichts"

Nun hofft Mösch auf eine Genehmigung der Stadt Pegnitz, die Fußballplätze wieder freigeben zu dürfen. Nur: Bei der Stadt fühlt man sich für die Erteilung dieser Erlaubnis nicht zuständig. "Die Mitteilung des BFV an die Vereine, sich an die Kommune vor Ort zu wenden, ist offensichtlich aus einem Missverständnis entstanden", sagt Stefan Reichel, Fachbereichsleiter Ordnungsamt, Gewerbewesen und Bestattungswesen, "es läuft aber alles über die Schiene Infektionsschutzgesetz." Also sei das Landratsamt zuständig.

Beim Landratsamt Bayreuth tut man sich damit allerdings schwer. So schreibt Karen Görner-Gütling von der Pressestelle: "Für die Zustimmung der Kreisverwaltungsbehörde zum Trainingsbetrieb von Sportmannschaften liegt keine Rechtsgrundlage vor. Eine Genehmigung kann daher mangels rechtlicher Befugnis nicht erfolgen."

Christine Hollederer aus dem Landratsamt Amberg-Sulzbach sieht keinen Handlungsbedarf. "Aktiv passiert bei uns nichts. Das Innenministerium hat klar definiert, was erlaubt ist", sagt Hollederer. Tätig werde das Landratsamt erst, wenn gegen Regelungen verstoßen wird, "beispielsweise, wenn die Fußballer den Mindestabstand nicht einhalten. Dann würden wir genau so eingreifen, als wenn wir erfahren würden, dass in einer Eisdiele keine Schutzmaßnahmen erfolgen."

Verlässt sich der SV 08 Auerbach als Verein im Landkreis Amberg-Sulzbach auf die Aussagen Hollederers, könnte er folglich seine Mannschaften wieder trainieren lassen. "Wenn es möglich ist, werden wir von der Erlaubnis Gebrauch machen", sagt Bernhard Ziegler, Leiter des Herrenfußballs beim SV 08. Es sei aber auch entscheidend, ob sein Verein die Schutzmaßnahmen so umsetzen kann, wie es sich der Verband in seinem Leitfaden vorstellt. "Wir werden uns noch mit unseren Trainern abstimmen", sagt Ziegler, der ähnlich wie Mösch nicht Hurra schreit: "Die Fußballer scharren natürlich schon mit den Hufen, aber persönlich wäre ich noch vorsichtiger."

Norbert Biersack, Leiter des Frauen- und Mädchenfußballs des SV 08, reagiert ebenfalls verhalten. "Ich ziehe es in Erwägung, dass man sich einfach mal wieder trifft und eine Stunde trainieren kann." Es gehe jetzt aber nicht um eine Vorbereitung auf die geplante Saisonfortsetzung im September, sondern darum, wieder persönlichen Kontakt innerhalb der Mannschaft zu haben, wenigstens in Kleingruppen. Wichtig sei, dass es — siehe ASV Pegnitz — ein Konzept gibt, an das sich alle halten. "Wir müssen uns im Verein mit den verschiedenen Mannschaften abstimmen, nicht, dass am Ende jeder etwas anderes macht."

FC wartet noch ab

"Wir machen erst einmal gar nichts", sagt dagegen Peter Schramm, Trainer der ersten Herrenmannschaft des FC Pegnitz. Den Leitfaden des BFV empfindet er als schwierig umsetzbar, er fragt sich auch, wo der Verein so viel Desinfektionsmittel herbekommen soll. "Ich bin da mit meinem Vorstand einer Meinung: Wir wollen noch abwarten. Es spielt doch keine Rolle, ob wir in zwei oder in fünf Wochen wieder mit dem Training anfangen."

Er appelliert an Vereine, die sich vielleicht leichter tun, die Maßgaben des Verbands umsetzen, an die Schwächeren zu denken: "Ich hoffe, dass jetzt niemand auf die Idee kommt, Spieler abzuwerben. So nach dem Motto: In deinem Verein kannst du momentan nicht auf den Platz, aber bei uns schon."

Seine Mannschaft werde sich lieber auf eine Gruppenaufgabe konzentrieren. Ziel ist es, in den nächsten drei Wochen gemeinsam insgesamt 1500 Kilometer zu laufen, jeder allein versteht sich. "Wenn die Jungs das schaffen, gebe ich ein Spanferkel aus." Gegessen würde es, so bald den Vereinen auch die Geselligkeit wieder gestattet ist.

MARCEL STAUDT

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