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Sonntag, 25.10.2020

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Gassi gehen wird Pflicht

Halter müssen täglich mindestens zweimal täglich Gassi gehen. Lang andauernde Kettenhaltung wird verboten. - 20.08.2020 14:55 Uhr

Hundezüchterin Birgit Beck mit den Großpudeln und mit zwei Berner Sennen (rechts neben ihr). Diese sind noch ganz jung und werden vielleicht mal in Zukunft zur Zucht eingesetzt. Dazu müssen sie erstmal die Gesundheitstests bestehen.

© Foto: Georg Beck


Es ist nicht die einzige Pflicht, die Hundehalter nach Erlass einer geplanten Verordnung in den ersten Monaten des kommenden Jahres erfüllen müssen: Mindestens vier Stunden täglich sollen sich private und professionelle Hundezüchter künftig um Welpen kümmern. Außerdem gilt künftig für Hundezüchter, dass ein Betreuer sich gleichzeitig höchstens um drei Würfe kümmern darf.

Verboten werden soll grundsätzlich die Anbindehaltung von Hunden. Das heißt, sie dürfen nicht mehr die ganze Zeit angekettet werden; nur unter bestimmten Voraussetzung ist dies dann noch zulässig.

Waldemar Dressel (67), Vorsitzender des Vereins für Deutsche Schäferhunde Pegnitz und Umgebung, bezeichnet die Pflicht zum täglichen Auslaufen im Freien und die Abschaffung der Kettenhaltung als "großen Schmarren". Ein Hund schlafe die meiste Zeit. "Er muss nicht dauernd rennen." Viel wichtiger ist für Dressel, dass ein Hund nicht vernachlässigt wird. Ein Hund müsse sozialisiert werden.

Sobald ein Welpe nach etwa acht Wochen von der Muttermilch entwöhnt und von der Mutterhündin getrennt worden ist, müsse man ihn füttern und sich mit ihm beschäftigen, so Dressel. Eine intensive Lernphase beginnt. "Ein Hund braucht den Kontakt zum Menschen. Unser Blickkontakt ist zum Ritual geworden." Er sieht keine Probleme, wenn ein Hund längere Zeit an der Kette liegt oder angeleint ist. Eine Kette muss so und so lang sein.

"Eigentlich ist das bisher gut geregelt", meint Dressel, der einen Dobermann namens Zeus besitzt. Zeus liege zu Haus in Christanz angeleint auf der Terrasse und sei zufrieden. Er sei in dieser Zeit in der Nähe von Menschen und "hört unsere Stimmen". So sei die Sicherheit gewährleistet. "Zeus kann nicht auf die Straße", sagt Rentner Dressel. Als er noch gearbeitet habe, sei sein Hund von 7 bis 16 Uhr im Zwinger gewesen. "Er hat sich hingelegt und ist in dieser Zeit nicht im Garten umhergerannt."

Tierarzt Klaus Windsheimer, der in Pegnitz eine Kleintierpraxis betreibt, hält es für sinnvoll, wenn man Zwingerhunden die Möglichkeit zum Auslaufen bietet. Problematisch sei die Umsetzung. Man könne den Hundehaltern das Gassigehen nicht vorschreiben. Dies müsste seiner Ansicht nach anders geregelt werden. "Wenn man Tiere einsperrt, ist das grundsätzlich nicht gut. Das ist eine Frage der artgerechten Tierhaltung", sagt Windsheimer. Was den Auslauf betrifft, komme es auch darauf an, wie groß ein Hund sei. "Ein großer Hund braucht mehr Bewegung als beispielsweise ein Chihuahua." Der Bewegungsdrang sei bei Hunden individuell.

Dass ein Hund die ganze Zeit an der Kette liegt, ist für Tierarzt Windsheimer "nicht in Ordnung". "Das ist nicht gesund." Für solche Tiere müsse man Bedingungen schaffen, dass sie sich zumindest kurzzeitig im Zwinger bewegen können.

Waldemar Dressel rät davon ab, einen Hund zu überfordern und ihm keine Ruhe mehr zu lassen. Er müsse sich auch mal zurückziehen können. "Selbst ein Hund kann Burnout wegen Überbeschäftigung kriegen."

Birgit (56) und Georg Beck (65) züchten in Eckenreuth bei Betzenstein seit zehn Jahren Großpudel. Sie leben zusammen mit acht Hunden auf einem 2200 Quadratmeter großen Grundstück. "Wir haben keine Zwinger oder Hundehäuser, alle Hunde leben mit uns zusammen im Haus, unsere Welpen werden im Wohnzimmer geboren und im Haus aufgezogen und nehmen von Anfang an Anteil an unserem Alltag" ist auf der Homepage (www.pudel-vom-kirschgarten.de) zu lesen.

Zwei, maximal drei Würfe betreut das Ehepaar jährlich. Dass künftig ein Betreuer nicht mehr als drei Würfe gleichzeitig betreuen darf, findet Birgit Beck ganz gut. "Ich hatte noch nie so viele. Du hast als Züchter Verantwortung für deine Tiere." Die Arbeit, die sie mit den Welpen haben, schaffen die Becks.
"Ich bin 24 Stunden für die Welpen da", sagt sie. In der Regel habe ein Wurf sechs oder sieben Welpen. "Ich hatte auch schon einen mit dreizehn Welpen."

Birgit Beck umsorgt die jungen Tiere wie eine Mutter. "Ich schlafe bei den Welpen die ersten drei Wochen nebendran." Denn in der Zeit nach der Geburt könne viel passieren. Es könne vorkommen, dass sich die Mutterhündin auf Welpen drauflege, sodass diese ersticken oder erdrückt werden. Auch die frisch gebackene "Hundemama" kann plötzlich krank werden und braucht dann Hilfe.

So eine Rund-um-Betreuung ist unter Hundezüchtern vermutlich nicht alltäglich. Beck weiß von Tieren, die in Scheunen aufgezogen werden. Sie glaubt nicht, dass sich durch schärfere Gesetze etwas ändern werde. Ihrer Meinung nach ist es kaum möglich festzustellen, ob die Verordnung eingehalten wird.

Birgit Beck achtet darauf, dass alle ihre Hunde vor dem Zuchteinsatz "auf Herz und Nieren" getestet, geröntgt und untersucht werden. Sie kauft nur Zuchthunde, die Papiere haben. Sie will nicht ausschließen, dass es schwarze Schafe unter den Züchtern gibt.

Klaus Windsheimer erklärt, dass eine Kontrolle der Hundezüchter machbar wäre, wenn diese sich registrieren und Würfe dem Veterinäramt melden müssten. Wenn Tierärzte dann Hundezüchter überprüfen, könnten sie sich bei ihren Besuchen gleichzeitig einen Eindruck verschaffen. "Das würde bestimmt nicht schaden."

Angekettet werden die Hunde auf dem Anwesen der Becks nicht. "Die Hunde können sich frei bewegen, im Haus, im Garten, meistens sind sie da, wo wir uns aufhalten, sie mögen die menschliche Gesellschaft. Wer alt ist und mehr Ruhe braucht, kann sich zurückziehen."

Trotz des großzügigen Gartens gehen die Hunde täglich alle zusammen in die Natur der Fränkischen Schweiz und zusätzlich alleine oder zu zweit zu Ausflügen, Hundeschule, an den See oder in die Stadt.

Die Welpenkäufer wissen das Engagement zu schätzen, deshalb sind Welpen aus Betzenstein von der Ostsee bis nach Italien, der Schweiz und Österreich zu finden.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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