Gastronomen reagierten schnell: "Leute wollen einfach raus"

25.5.2021, 06:00 Uhr
Lisa Mai vom „Mai-Hof“ in Köttweinsdorf begrüßt seit Pfingstsonntag wieder Gäste im lauschigen Außenbereich des Familienbetriebs.

Lisa Mai vom „Mai-Hof“ in Köttweinsdorf begrüßt seit Pfingstsonntag wieder Gäste im lauschigen Außenbereich des Familienbetriebs. © Foto: Rosi Thiem

"Das Wetter war leider nicht so gut gemeldet. Wir setzten uns alle noch einmal zusammen und berieten. Als aber viele Anrufe von Gästen kamen, die verstärkt nachfragten, entschlossen wir uns, am Pfingstsonntag zu öffnen." Innerhalb zweier Tage musste die gesamte Außenbestuhlung, samt der 28 Tische, aufgestellt werden, so die Tochter Lisa Mai, die für den Service zuständig ist. Auf der Homepage wurden den Gästen bereits die neuen Corona-Regelungen mitgeteilt. Viele Stammgäste hatten sich schon im Vorfeld für den Sonntag und Pfingstmontag angemeldet.

Die Mai-Hof Gaststätte gibt es inzwischen seit 51 Jahren. "Wir sind ein Familienbetrieb", resümiert Karin Mai und bedauert: "Fast sieben Monate war alles still." Es musste nun die ganze Maschinerie angeleiert werden: Bestellungen, Gläser spülen, Theke bestücken und die umfangreiche Gartenbestuhlung. Richtig gefreut hatten sich dann die ersten Gäste auf das Mittagessen am Sonntag: "Schäufele mit Kloß und Sauerkraut war der Renner", berichtete Lisa Mai. Aber auch Waldpilz-Rahmschnitzel, Gemüselasagne, Gansbrust und Rehbraten seien von den Biergartengästen gerne bestellt worden.

Der Biergarten auf Burg Rabenstein ist seit Christi Himmelfahrt wieder offen. Statt der sonst 50 Tische stehen dort derzeit nur noch 24 Garnituren, also nicht ganz die Hälfte.

Der Biergarten auf Burg Rabenstein ist seit Christi Himmelfahrt wieder offen. Statt der sonst 50 Tische stehen dort derzeit nur noch 24 Garnituren, also nicht ganz die Hälfte. © Foto: Rosi Thiem

Mit dem Schirm im Biergarten

Am Sonntag ließen Lisa Mai die ständigen kurzen, aber plötzlichen Schauer keine Freizeit: "Da musste ich öfters mit dem Tuch los und trockenwischen. Aber unsere Gäste störte das weniger – sie saßen entspannt mit dem Regenschirm und warteten auf das Essen", lachte sie. "Die Leute wollen einfach raus. Wir hatten auch keine Probleme; die Menschen kamen mit dem Test. Sie hatten auch Verständnis für das Wetter."

Der gemütliche Biergarten unter den gerade herrlich blühenden Birnen-, Apfel- und Zwetschgenbäumen ist zurzeit immer bis 22 Uhr geöffnet. Inzwischen hat sich der Familienbetrieb für die Luca App zur Registrierung entschieden. "Das ist viel praktischer, als im letzten Jahr. Da hatten wir ganze Ordner voll mit Papieren, das fällt mit der App nun alles weg", weiß es Lisa Mai zu schätzen. "Die Anmeldungen funktionieren so ganz gut."

"Wir freuen uns richtig darauf, dass es wieder losgeht", resümieren Karin und Lisa Mai. "Die ganze Zeit stand der Betrieb still und es war alles so leer."

Schon seit Christi Himmelfahrt ist der beliebte Biergarten auf Burg Rabenstein wieder geöffnet. "Aufgrund unserer Größe und des Bekanntheitsgrades war es uns wichtig zu öffnen, da viele Wanderer unterwegs sind", teilte Sabine Deß, die Geschäftsführerin, mit. Gerade der Promenadenweg sei sehr beliebt. "Außerdem spüre ich auch das Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren Mitarbeitern, die in den letzten Monaten mit dem Kurzarbeitergeld auskommen mussten. Nun ist die Möglichkeit geschaffen, wieder zu arbeiten. Wir sind glücklich und froh, wieder aufmachen zu dürfen."

Beliebt sei an den Pfingsttagen der Burgherrensalat mit Frischkäse und Kartoffeltaschen gewesen, aber auch der Sauer- und Jägerbraten, berichtet Deß, die auch Essen zum Mitnehmen anbietet.

Inzwischen seien auch das Burghotel und die Falknerei wieder geöffnet. Die Sophienhöhle und die Burgführungen müssen aber noch warten. "Uns könnten die sinkenden Inzidenzen helfen, dass es einmal schnell gehen kann, und wir weiter öffnen dürfen", hofft Deß und sagt: "Wenn es so weit ist, können wir die Führungen im Innenraum sofort umsetzen."

Mehr Personal nötig

Die raschen Regenschauer am Pfingstsonntag überraschten auch auf Burg Rabenstein die Gäste. "Wir konnten mit unseren großen Sonnenschirmen ein bisschen Regen überbrücken", berichtete Deß. Der Personalbedarf sei nun größer, weil am Eingang der Einlass kontrolliert werde. "Wir bieten auch eine digitale Anmeldung von zu Hause aus, dann geht es beim Einlass etwas schneller", zeigt die Geschäftsführerin auf.

Wegen den Abstandsregeln sind Tische im reduzierten Umfang aufgestellt. Statt den normalerweise 50 stehen nun 24 Tische vor der romantischen Kulisse zur Verfügung. Das Burghotel sei inzwischen gut gebucht und die Hotelgäste genössen das Essen im hauseigenen Burgrestaurant. "Ich bin guter Dinge", blickt Dess auf die eben begonnene Saison in Coronazeiten.

Einer der Magnete

Eine Einbahnstraßenregelung gibt es derweil am Erlebnisfelsen in Pottenstein. Skywalk, die zwei Bahnen der Sommerrodelbahn und die stark frequentierte Außengastronomie sind dort seit vergangenem Freitag geöffnet. "Die Urlauber sind da und wollen etwas geboten haben", berichtet Betriebsleiter Uwe Heinlein. "Wir sind neben der Teufelshöhle einer der stärksten Magnete der fränkischen Schweiz."

Die Besucher der Region erwarten auch, dass sie nicht vor verschlossenen Türen stehen, so Heinlein. Es ist auffällig: Unzählige Schilder und Hygienespender weisen auf die Maßnahmen hin. "Alle halbe Stunde kommt dann noch eine Lautsprecherdurchsage", erklärt Heinlein. Die langen, bunten und einladenden Tische im Außengastro-Bereich sind in der Mitte mit Schnüren abgesperrt, um den Abstand zu wahren.

"Wir haben ein großes Areal und die Gäste können sich gut verteilen", resümiert der Betriebsleiter. Erst am Donnerstag – also zwei Tage vor der jetzigen Eröffnung – hatte er grünes Licht bekommen. "Das war schon knapp", räumt Heinlein ein. "Gut war, dass das ganze Team schon in den Startlöchern stand und auf eine Öffnung wartete. Da hat das jetzt gut geklappt." Alle Attraktionen seien aber noch nicht geöffnet. Auch Heinlein bestätigt den größeren Aufwand: "Für den Betrieb, den wir jetzt haben, benötigen wir 40 bis 50 Prozent mehr Personal bei weniger Umsatz."

Wegen der Corona-Auflagen sind außerdem Teile des Parkplatzes gesperrt. Es gibt Einlasskontrollen und eine Besucherbegrenzung. "Die meisten Besucher sind einsichtig", berichtet der langjährige Betriebsleiter. "Wir müssen auch darauf achten, dass keine Gruppenbildungen entstehen. Unsere Security musste diese Tage schon eine Motorradgruppe darauf hinweisen, dass sie sich nicht so setzen können, sondern nach den Vorschriften Platz nehmen müssen. Aber die Männerrunde war einsichtig."

Aprilwetter im Mai

Das Aprilwetter im Mai sei eine zusätzliche Herausforderung. "Wenn es regnet, sind die Leute weg. Kommt aber dann plötzlich die Sonne wieder, sind sie alle wieder da. Wir haben Schirme, die bieten zusätzlichen Wetterschutz", erläutert er. Stark nachgefragt sei in der Außengastro die Currywurst in jeder Variation. Aber auch Gemüseschnitzel, Veggi-Burger, Pizza und Schnitzel mit Kartoffelsalat seien gut weggegangen. "Oder einfach nur eine Bratwurst im Brötchen wurde verlangt. Die Urlauber und Tagesgäste warten schon lange auf ein klein wenig Normalität", sagt Heinlein. "Unsere Gäste in der Fränkischen Schweiz müssen ja irgendwo auch verköstigt werden."

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