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Gastronomie hofft auf ein Oster-Wunder

Ausblick auf die kommenden Monate für die Gastronomen in der Region - 24.02.2021 11:55 Uhr

Die Familie Krems auf der leeren Terrasse ihres Cafés: Seniorchef Joachim Krems (oben links) mit Sohn und Juniorchef Marcel sowie Ehefrau Phenchan (unten links) und Mutter Johanna.

23.02.2021 © Foto: Pension Krems


Schlecht gehe es ihm und seiner Familie in dieser Situation, zumindest, was das Geschäft angeht, sagt Marcel Krems. "Im vergangenen Jahr sind große Teile unseres Umsatzes weggebrochen", erklärt der Juniorchef des Café Krems in Waischenfeld. Seit einem halben Jahr geht nichts mehr, sowohl die Terrasse als auch die 30 Betten des Übernachtungsbetriebes sind leer.

Ein Teil des finanziellen Schadens werde durch Stammgäste abgefedert, treue Kunden, die teilweise aus Bayreuth nach Waischenfeld fahren, um ihr Mittagessen abzuholen. Großzügig sei das, sicher, aber eben nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Eine dieser Redewendungen, wie sie Selbstständige seit Wochen und Monaten verwenden, meistens in Bezug auf die Überbrückungshilfen der Bundesregierung.

Über die schimpft auch Krems: Sie seien schwer zu bekommen, für den Antrag brauche es einen Steuerberater, der koste Geld, das im Moment fehle. Und die irgendwann eintreffenden Staatshilfen reichten vorne und hinten nicht.


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Grund ist ein bürokratisches Hindernis: Das Geld aus Berlin soll die Fixkosten zum größten Teil abdecken, außerdem greift der Staat den Unternehmen beim Lohn unter die Arme. Selbstständige Familienbetriebe wie der von Familie Krems dagegen schauen in die Röhre. Der sogenannte Unternehmerlohn – also das, was ein Selbstständiger aus seinem eigenen Betrieb an Gewinn zieht – spiele bei den Hilfen keine Rolle, sagt der 26-Jährige. Das sei nicht nur für den Moment ein Problem: "Wir zehren an unserer Altersvorsorge, an dem, was mal unsere Rente sein soll."

Luciano Nestola klingt ähnlich resigniert. Der Betreiber der Pegnitzer Pizzeria "La Romantica" spricht von einer ruhigen Zeit, wie sie es immer ist, Ende Februar, in der Fastenzeit.

Doch die Delle, die Nestola heuer in der Bilanz sieht, ist überdeutlich, selbst für diese Wochen.

Man halte sich mit Stammgästen über Wasser, für den Neuanfang hat Nestola seine Räume renoviert, alles sei bereit für den Startschuss. Dass dieser einer sich anbahnenden dritten Infektionswelle zum Opfer fallen könnte, macht ihm Sorgen: "Ich weiß nicht, ob wir das durchhalten."

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Auch in Pegnitz habe man zu lange auf Staatshilfen warten müssen. Ein Problem, das sich jetzt beim viel zu langsamen Impfstart wiederhole. Frustration lässt er trotzdem nicht gelten: "Ich lebe in der Hoffnung, dass wir das noch hinbekommen. Ich kann mich nicht täglich hier reinsetzen und verzweifeln."

Düstere Perspektiven

Marcel Krems hat dagegen zu knabbern, besonders der Mangel an Perspektiven macht dem 26-Jährigen zu schaffen. "Das ist das Schlimmste: Wir wissen einfach nicht, wann es weitergeht, wie es weitergeht." Ohne eine Öffnung noch in diesem Frühjahr sieht er schwarz.

"Wenn uns Ostern genommen wird, dann holen wir das nicht mehr auf. Der Frühling und Spätsommer sind unsere stärksten Wochen. Die kann niemand kompensieren." Das Vertrauen in die Politik schwinde. "Söder redet von einer Inzidenz unter 35, Spahn will unter zehn kommen. Was ist, wenn jemand dann den nächsten Wert bringt?"

Die Kunden spürten, dass der Betrieb leide. Marcel Krems macht das an einer Anekdote vom vergangenen Wochenende fest. 

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Eine Stammkundin aus Bayreuth habe seinem Vater ein Darlehen angeboten, mehrere Tausend Euro wolle sie dem Café aus ihrem Privatvermögen zur Verfügung stellen. "Papa war sprachlos, das ging ihm sehr nahe." Krems stockt. "Es ist traumhaft, zu sehen, dass man etwas zurückbekommt." Die Gäste wollten eine Zukunft für die Gastronomie, wieder ein Mittagessen mit Blick auf das Wiesenttal.

Sollte es diese Zukunft geben, gibt sich Krems optimistisch. Von der Gastronomie gehe keine Gefahr aus, es gebe Studien, die das bestätigten. Er selbst und seine Familie seien auf die neue Situation vorbereitet: Weniger Tische, größere Abstände, Plexiglasscheiben, Desinfektionsspender, ein Lüftungskonzept – sogar die Toiletten hätten sie umgebaut.

"Wir sind kein Krankenhaus, aber mehr als hygienisch", sagt der 26-Jährige auf der Terrasse, auf der er bald wieder Gäste begrüßen will. "Sonst wird es wirklich eng."

JULIAN SEIFERTH

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