Samstag, 22.02.2020

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Geburtshilfe in Pegnitzer Sana Klinik muss schließen

Alarmierender personeller Engpass im Krankenhaus - 14.02.2020 14:25 Uhr

Nach dem Tod des Gynäkologen Dr. Florian Heirler wird die Geburtsabteilung an der Sana Klinik vorübergehend geschlossen, bis sich ein neuer Facharzt findet. © Klaus Trenz


Die Nachricht, die dieser Tage bei einer Kreißsaalführung in der Sana Klinik bekannt wurde, sorgt vor allem bei werdenden Eltern für Unruhe. "Die geburtshilfliche Abteilung schließt ab Freitag, 28. Februar, bis auf weiteres", bestätigt jetzt Geschäftsführerin Petra-Marié Rinsche.

"Noch bis zu 27. Februar kann der Bereich durch Honorarärzte abgedeckt werden, alle Schwangeren, die sich zur Entbindung angemeldet haben, können bis dahin bei uns entbinden", so Rinsche. Seit dem unerwarteten Tod von Dr. Florian Heirler vor wenigen Wochen (wir berichteten) könne die Klinik die gynäkologisch-geburtshilfliche 24-Stunden-Versorgung nur unter enormen Kraftanstrengungen gewährleisten, sagt die Geschäftsführerin. Ob und wann die Geburtshilfe wieder betrieben werden könne, hänge davon ab, ob ein neuer Mediziner für die Abteilung gefunden werde.


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Von der Schließung nicht betroffen ist die ambulante Versorgung der Patientinnen. Diese übernehme weiterhin Dr. Berit Porzelt im Rahmen des medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). "Wir suchen weiter händeringend nach einem neuen Gynäkologen, der die Nachfolge von Herrn Heirler antreten kann."

"Der Wegfall der Geburtshilfe an der Sana Klinik ist höchst bedauerlich, denn natürlich sollen unsere Kinder auch in unserer Stadt zur Welt kommen können", sagt Bürgermeister Uwe Raab.

Personalakquise läuft auf Hochtouren

Er sei sich mit Petra-Marié Rinsche darüber einig, dass alle Personalakquise-Maßnahmen auf Hochtouren weiter betrieben werden müssen, um diese vorübergehende Schließung schnellstmöglich wieder umzukehren. Einfluss auf die Einwohnerzahl befürchtet Raab aber nicht: "Wir haben nach Jahren des Rückgangs eine positive Entwicklung im Bereich der Einwohnerzahl und unterm Strich im vergangenen Jahr rund 160 Personen dazu gewonnen, die bewusst ihren Lebensmittelpunkt in Pegnitz gewählt haben", führt Raab aus. Das sei insbesondere durch Zuziehende und Rückkehrende bedingt.

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"Natürlich ist es schön und wichtig, wenn unsere Kinder in Pegnitz zur Welt kommen, aber in dieser Notlage muss dann eben beispielsweise nach Bayreuth ausgewichen werden."

"Sind weiter für die Frauen da"

"Wir bieten weiter unsere Kurse, die Vor- und Nachsorge sowie die Besuche bei den Frauen an", versichert Stefanie Köhler-Kolb, eine der vier Beleg-Hebammen an der Sana Klinik, und fügt hinzu: "Wir sind weiter für die Frauen da, vor Ort zu Hause und an der Sana Klinik." Die Frauen hätten also weiter ihre gewohnte Rundum-Betreuung während und nach der Schwangerschaft.

Köhler-Kolb und ihre Kolleginnen seien vom Tod Florian Heirlers "völlig überrascht" worden, bedauern das Ableben des Mediziners sehr und hoffen nun auf einen baldigen Nachfolger. Aber nicht nur die Suche nach einem Gynäkologen sei schwierig, auch bei den Hebammen sei es nicht leicht, Nachwuchs zu finden. "Wir raten nun den Schwangeren, die voraussichtlich ab März Termin haben, sich eine andere Möglichkeit der Entbindung zu suchen."

"Komplizierte Notsituation"

Von einer "komplizierten personellen Notsituation an der Sana Klinik" spricht die oberfränkische Bundestagsabgeordnete Anette Kramme (SPD).

Auch ihre CSU-Kollegin Silke Launert bedauert den Schritt: "Gerade im Falle einer Geburt befinden sich Frauen in einer Situation, in der sie auf eine schnelle medizinische Versorgung angewiesen sind", stellt sie fest. Mit der Schließung offenbare sich, so Silke Launert, "das grundsätzliche Problem, Ärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen".

Frauke Engelbrecht und Frank Heidler

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