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Dienstag, 07.07.2020

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Gefährlicher Start in die Saison für Motorradfahrer

Die durch Corona verlängerte Winterpause stellt für viele Motorradfahrer ein hohes Risiko dar. - 02.06.2020 16:33 Uhr

Ein Motorrad-Sicherheitstraining – hier organisiert und durchgeführt vom Mogo-Team Auerbach – kann gerade zum Start der Zweirad-Saison dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Geschult wird der Umgang mit dem Motorrad – und auch das Thema „Fahrphysik“ kommt nicht zu kurz. © Archivfoto: Mogo-Team/privat


Vor Kurzem krachte es auch in der Region Pegnitz wieder einmal heftig: Ein Motorradfahrer stieß mit einer Radlerin zusammen, die bei dem Unfall sehr schwer verletzt wurde. Auf der Suche nach den Hintergründen kommt man darauf, dass durch die Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie die gewohnte Winterpause der Biker sehr deutlich verlängert wurde; die Reflexe und Automatismen, die zur sicheren Beherrschung eines motorisierten Zweirades einfach nötig sind, haben die Motorradfahrer über das Winterhalbjahr ein Stück weit verlernt, wenn sie sich wieder auf den Bock schwingen.

Fragt man beim Leiter der Pegnitzer Polizei, Roland Schmitt, nach, dann gibt es im Unfallgeschehen mit Motorradfahrern zwei "Höhepunkte": einerseits beim Saisonstart, wenn es noch an der Routine fehlt und sich die Motorradpiloten erst wieder an die Fahrphysik gewöhnen müssen.

"Auch bei den Autofahrern setzt sich erfahrungsgemäß erst mit Verzögerung die Erkenntnis durch, dass man die Straße wieder mit Motorrädern teilen muss", warnt Roland Schmitt. Zweiräder hätten eine niedrigere und schmalere Silhouette als Autos und seien oft auch schneller unterwegs, was das Gefahrenpotenzial erhöhe.

Ein weiterer Faktor, der zu Unfällen führen kann, ist die falsche Einschätzung des Straßenzustands. Im Frühjahr können Reste von winterlichem Streumittel auf dem Asphalt sein; in den Morgen- und Abendstunden kann es selbst in den Frühlingsmonaten noch Glatteis geben.

Glätte ist es auch, die zum Saisonende oft für eine zweite Unfallwelle mit Motorrädern führt. Herbstlaub und durch Traktoren verschmutzte Straßen sind – oft überraschend – sehr rutschig, Kurven werden für Zweiradfahrer zu Todesfallen.

Tödliche Selbstüberschätzung

Ein Übriges tut die Selbstüberschätzung: "Am Ende der Saison glauben viele, sie würden ihr Motorrad in jeder Situation beherrschen", sagt Roland Schmitt und lässt keinen Zweifel daran, dass dies ein Trugschluss ist. Auch die Idee, mit nagelneuen und entsprechend wenig griffigen Reifen die Schräglage in Kurven auszutesten, kann schnell in einem bösen Sturz enden.

Die nach wie vor beste Lösung, um die Zahl der Motorradunfälle zu senken, ist ein Sicherheitstraining, wie es beispielsweise von der Kreisverkehrswacht Bayreuth angeboten wird. Ab 1. Juni dürfen Motorradfahrer wieder darin geschult werden, wie man auch knifflige Situationen im Verkehr unfallfrei übersteht. Zum Beispiel, wenn überraschend einem Hindernis ausgewichen werden muss. Oder wenn es darum geht, mit gefühlvollem Einsatz von Vorder- und Hinterradbremse schnell und sicher zum Stehen zu kommen.

HANS VON DRAMINSKI

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