Geplanter Wiesenttal-Radweg: Naturschützer protestieren

15.6.2020, 08:55 Uhr
Vertreter von Bund Naturschutz und Deutschem Alpenverein protestieren auf dem wie eine Autobahn augebauten Radweg im Wiesenttal gegen dessen Weiterbau, der massive Eingriffe in die Natur nach sich ziehen würde.

Vertreter von Bund Naturschutz und Deutschem Alpenverein protestieren auf dem wie eine Autobahn augebauten Radweg im Wiesenttal gegen dessen Weiterbau, der massive Eingriffe in die Natur nach sich ziehen würde. © Foto: Udo Fürst

Der Bund Naturschutz (BN) und die im Deutschen Alpenverein organisierten Kletterer laufen Sturm gegen ein Vorhaben, das sie im Normalfall eigentlich unterstützen würden: einen Radweg. Weil aber besagter Weg durch das Wiesenttal teilweise durch eine europäisch geschützte Landschaft führe, wertvolle Tier- und Pflanzenarten bedrohe und enorme Einschnitte in die Natur mit sich bringe, wollen mehrere BN-Kreis- und Ortsgruppen den Weiterbau dieser asphaltierten "Radautobahn" mit aller Macht verhindern.

Zu viel Geld kann auch ein Problem sein. Deutlich wird das bei Projekten, die vom Staat mit bis zu 90 Prozent gefördert werden und oft nur deshalb realisiert werden, weil sie den Kommunen fast nichts kosten.

Bestes Beispiel dafür ist der Radweg im Wiesenttal: Zwischen Rabeneck und Doos wurde vor zwei Jahren ein neuer, fast drei Meter breiter Weg zwischen der Wiesent und der Staatsstraße 2191 gebaut, obwohl es nur zirka 200 Meter entfernt auf der anderen Seite des Flusses einen bestehenden Wander- und Radweg gibt.

"Inmitten der Flussaue wurden Stützmauern, ein breites Asphaltband und Böschungen wie für eine Staatsstraße angelegt", kritisiert der Bund Naturschutz die überdimensionierte Umsetzung der Radweg-Pläne. "Unsere vorgeschlagene Alternative, den Feld- und Forstweg auf der anderen Flussseite zu nutzen, wurde vom Staatlichen Bauamt nicht in Betracht gezogen", klagte Tim Konopka, BN-Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken, bei einem Ortstermin vor wenigen Tagen und fügte erläuternd hinzu: "Hintergrund ist eine Förderrichtlinie, nach der es Förderungen von 80 bis 90 Prozent gibt, wenn die Radweg-Trasse an der Straße verläuft."

Peter Ille, Geschäftsführer der Kreisgruppe Bayreuth des Bund Naturschutz, betonte, dass man vom Baubeginn des Radwegs zwischen Rabeneck und Doos erst erfahren habe, als die Bagger schon angerollt seien. "Wir bekamen weder die Pläne zu Gesicht noch hatten wir die Möglichkeit, die Planungen rechtzeitig zu stoppen", moniert Ille.

Wenn das Landratsamt als zuständige Behörde dem Eingriff nicht vehement widerspreche, bauten die Straßenbauer eben auch ungehemmt ins europäische Schutzgebiet hinein. "Das ist ärgerlich", schimpft Ille.

Beim Wiesentgrund gehe es nicht nur um einen Höhepunkt fränkischer Landschaft, sondern um ein europäisch doppelt geschütztes Gebiet. "Es gibt hier zahlreiche seltene Vogelarten wie den Eisvogel und die Wasseramsel und auch de Fluss ist mit seiner Unterwasservegetation außergewöhnlich", sagte Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim. Dieser Radweg sei wie ein Relikt aus früheren Zeiten, als Radwege ungeachtet ihrer Ausführung per se als naturfreundlich angesehen wurden. Wenn der Weg in Richtung Forchheim fortgeführt werde, sei das "ein Skandal" und bedeute ein "Schachmatt für die Natur".

Christian Kiehr, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Ebermannstadt-Wiesenttal, ergänzte: "Wir wollen naturverträglichen Tourismus im Wiesenttal – und da gehört der Radtourismus absolut dazu. Aber die Radinfrastruktur darf nicht zerstören, was die Radler hier eigentlich suchen: nämlich ein wunderschönes Tal, das von technischen Bauwerken weitgehend verschont blieb."

Auch viele Gäste, Angler und Gastronomen hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und ihr Unverständnis über diesen weit überdimensionierten Weg geäußert. "Niemand kann verstehen, dass man zunächst die Natur zerstört, um anschließend die Natur auf dem Fahrrad zu erleben."

In der Tat ähnelt der Radweg unterhalb der Burg Rabeneck mit all seinen Eingriffen in die Flusslandschaft der Wiesent einer kleinen Autobahn. Noch problematischer dürfte allerdings ein Radwegebau ab der Schottersmühle in Richtung Behringersmühle werden.

Dort schlängelt sich die Wiesent eng durch das Tal, eingerahmt von steilen Felsen auf der einen und der Staatsstraße sowie der Museumsbahnlinie auf der anderen Seite. Enorme Rodungen und der Bau von Stützmauern wären hier erforderlich. Man müsse sich deshalb die Frage stellen, welche Art Tourismus man in der Fränkischen Schweiz wolle, betonte Nils Grube vom Deutschen Alpenverein Forchheim. Dieser von den Behörden und einigen Kommunen eingeschlagene Weg sei sicherlich nicht der richtige.

Als "massiven und mit der Natur unvereinbaren Eingriff" kritisierte DAV-Vertreter Jürgen Kollert das Projekt scharf. Man müsse unbedingt verhindern, dass der Radweg weiter in Richtung Forchheim und Pottenstein gebaut werde, weil dafür enorme Waldflächen gerodet werden müssten. "Da bleibt nichts mehr stehen an manchen Stellen. Dieser Radweg wäre ein Menetekel für Behördenversagen."

Die Vertreter von Bund Naturschutz und Alpenverein befürchten, dass das für den nächsten Abschnitt zuständige Bauamt Bamberg das Projekt schon wieder fertig in der Schublade habe, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. "Wir haben Akteneinsicht beantragt, diese aber nicht bekommen". sagte Christian Kiehr. Man werde aber nicht eher ruhen, bis man die nötigen Informationen bekomme.

Der BN appelliert an das Landratsamt Forchheim sowie an die Marktgemeinden Wiesenttal und Gößweinstein, nicht den fatalen Fehler wie beim Radwegebau zwischen Rabeneck und Doos zu wiederholen. "Wir fordern für den Abschnitt Doos – Behringersmühle ein transparentes Planungsverfahren und eine Prüfung von Alternativen."

Und auch an die Grundstückseigentümer in diesem Bereich hatten die Umweltschützer eine Bitte: "Verkaufen sie keinen Grund für einen Radweg."

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