Samstag, 18.01.2020

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Geschäftsführer der VG Betzenstein geht in den Ruhestand

Der Geschäftsleitende Beamte und Standesbeamte Roland Leuchner geht mit 62 Jahren in Pension. Sein Credo waren Ausgleich und Verschwiegenheit. - 18.12.2019 06:55 Uhr

Nach 40 Jahren bei der VG Betzenstein räumt Geschäftsführer Roland Leuchner seinen Schreibtisch und geht in den Ruhestand. Sein erster Job war damals das Neustarten der Ölheizung. © Foto: Klaus Trenz


Jetzt geht er in den Ruhestand, wird in dieser Woche noch gebührend vom Stadtrat Betzenstein und der Marktgemeinde Plech verabschiedet. Die Geschäfte hat Leuchner bereits im vergangenen Juni seinem Nachfolger Stefan Pickelmann übergeben und ihn eingearbeitet. Die Leitung der VG soll fließend übergehen.

Am 1. Mai 1979 hat der heute 62-jährige Leuchner seine Stelle in Betzenstein angetreten, als 23-Jähriger. Der erste Job? Leuchner muss Schmunzeln. Man war damals noch im alten Rathaus an der Nürnberger Straße untergebracht, wo gelegentlich schon mal im Winter die Heizung ausfiel. Der jüngste Angestellte – und das war Leuchner – musste dann in den Keller und die Ölpumpe wieder anschmeißen. Da war er offenbar als Chef der erst 1978 gegründeten VG nicht gefeit.

Roland Leuchner hat damals nicht nur die Heizung wieder zum Laufen gebracht, sondern mit den damaligen Bürgermeistern Viktor Wagner und Friedrich Schmidt auch die Verwaltungsgemeinschaft. Der gebürtige Plecher war offenbar der richtige Mann an der richtigen Stelle. Leuchner, der später 20 Jahre in Betzenstein wohnte und inzwischen in Pegnitz zuhause ist, war auch ein verbindendes Element. Denn: Leichte Unstimmigkeiten durch die Gemeindegebietsreform hätten immer noch leicht geschwelt, erinnert sich der 62-Jährige.

Betzenstein hätte vor 1978 gerne eine Einheitsgemeinde gehabt und die Plecher wollten ebenfalls keine VG. "Da hat man sich eben zusammengerauft." Leuchner war immer auf Ausgleich bedacht: "Ich habe immer versucht, alle gleich zu behandeln."

Seine Linie hat er über die vier Jahrzehnte beibehalten, auch bei den folgenden Bürgermeistern Friedrich Funk und Claus Meyer (FW) in Betzenstein und Alois Kreuzer und Karlheinz Escher (ÜWG) in Plech. "Die Verwaltungsarbeit war ja immer die gleiche", sagt Leuchner. Es ging nur darum sich auf die "Neuen" nebenan im Bürgermeisterbüro einzustellen. "Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind."

Seine ausgleichende Art nutzte Leuchner viele Jahre lang auch noch auf einem ganz anderen Gebiet, wo festgelegte Verwaltungsarbeit nicht viel half: bei sogenannten Sühneversuchen, bei denen er versuchte, Einigungen zerstrittener Bürger herbeizuführen, bevor es zu einer Privatklage kommt. Hier könnte Leuchner einige Anekdoten erzählen. Aber er behält das lieber für sich, so wie vieles und schmunzelt in sich hinein – der Gentleman schweigt.

Das Ende der 1980er Jahre bedeutete für Leuchner und seine Mitarbeiter in der VG einen Meilenstein. Im neuen Verwaltungsgebäude beziehungsweise Rathaus Betzenstein hatte man endlich genügend Platz. Nach und nach sei auch die Bürotechnik eingezogen. Vorher, so erinnert sich der Pegnitzer, gab es nur Schreibmaschinen – mechanische. "Heute", sagt Leuchner, "geht ohne Computer nichts mehr".

Ende der 1980er Jahre hat er es mit einem weiteren Großprojekt der VG zu tun: Für zehn Millionen Deutsche Mark – "das war damals viel Geld" – baute man die von der Stadt Betzenstein und der Marktgemeinde Plech gemeinsam betriebene Kläranlage, die jetzt zum Ende der Amtszeit von Leuchner wegen ihrer Sanierungsbedürftigkeit wieder in den Fokus rückt: "Das zu finanzieren, war ein Kraftakt." Als weitere Errungenschaft nennt Leuchner, dem Wasserversorger Betzensteingruppe ein festes Domizil in Betzenstein verschafft zu haben. Die Ausweisung des Plecher Gewerbegebiets Ottenhof sowie die Jahre andauernde Dorferneuerung in Betzenstein gehörten demnach zu den wichtigen Projekten, die dem scheidenden Geschäftsführer auf Anhieb einfallen. Weitere Höhepunkte waren für ihn die Sanierung des Pflegamtsschlosses, die 800-Jahr-Feier in Betzenstein sowie die positiven Entwicklungen in Sachen Zeiserla und Brauereigasthof Wagner.

Politische Neutralität gewahrt

Politisch hat sich Leuchner immer aus allem herausgehalten und damit die gebotene Neutralität eines Verwaltungsfachmanns gewahrt. Klar, habe man sich im Vorfeld von Stadtrats- oder Marktgemeinderatssitzungen einbringen müssen, was aber nur die Finanzierbarkeit von Vorhaben betroffen habe. Schließlich hätten beide Mitglieder der Verwaltungsgemeinschaft kleine Haushalte. Und egal, wie die politische Entscheidung hinterher ausgefallen ist: Leuchner hat einen Haken dahinter gemacht: "Mir waren alle Entscheidungen recht." An Fehlentscheidungen kann er sich in all den 40 Jahren nicht erinnern. Beide Gemeinden sieht Leuchner auf einem guten Weg: "Plech hat sich auf jeden Fall gut entwickelt und das wird auch so bleiben". Dort sei die dringendste Aufgabe, das Wunderland wieder zu beleben. Auch in Betzenstein werde es positiv weitergehen. Die Abwasserbeseitigung werde da das nächste große Thema sein.

"Ich habe es zu keiner Zeit bereut, aus Nürnberg weggegangen zu sein", sagt Leuchner. Denn vor seinem Amtsantritt hatte er in der Dürer-Stadt gelebt und gearbeitet. "Es war eine schöne Zeit", blickt der 62-Jährige zurück. Roland Leuchner will nun seinen Ruhestand genießen: "Jetzt kann ich alles das tun, für das ich keine Zeit gehabt habe." Aus den Augen und dem Sinn wird er den Plechern und Betzensteinern vermutlich nicht kommen. Denn Leuchner will sich künftig im historischen Arbeitskreis mit einbringen.

Dort wird er anscheinend schon erwartet. Wanderwart und Familienforscher Richard Otto forderte jedenfalls beim jüngsten Treffen mit sanftem Nachdruck, Leuchner möge doch der Gemeinde ehrenamtlich erhalten bleiben. Die Chancen stehen gut, hat der Ex-Geschäftsführer dafür dann die Zeit eines Pensionärs.

 

KLAUS TRENZ

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