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Dienstag, 22.10.2019

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"Glitzer" im normalen Gottesdienst

Mit einem besonderen Sonntagsprojekt Ende September soll der Kirchgang evangelischer Christen besser werden. - 17.09.2019 08:00 Uhr

Der Pegnitzer Dekan Gerhard Schoenauer wirbt für den besonderen Gottesdienst „Aber bitte mit Segen“ am 29. September um 10 Uhr in der Bartholomäuskirche. © Foto: Frank Heidler


Noch nie gab es ein solches Gottesdienstprojekt in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Pegnitz und im mit Oberfranken fast deckungsgleichen Kirchenkreis Bayreuth: "Aber bitte mit Segen" heißt es hier am Sonntag, 29. September, um 10 Uhr bei einem "Back to church"-Gottesdienst in der Bartholomäuskirche. Back to church (zu deutsch: "Zurück in die Kirche") gilt da als Leitsatz.

Der evangelische Dekan Gerhard Schoenauer, der heuer sein 20-jähriges Pegnitzer Dienstjubiläum feiert, macht aber auch deutlich: "Das wird kein Eventgottesdienst, wo alles anders ist, sondern ein ganz normaler Gottesdienst mit ein bisschen Glitzer." Für diesen "Glitzer" werden auch Musikbeiträge von Jugendkantorei und Posaunenchor sorgen. Nach dem Gottesdienst startet das "Kirchencafé" im Gemeindehaus.

Das Projekt "Back to church" läuft Schoenauer zufolge "ganz toll auf der ganzen Welt". In England gab es inzwischen tausende solcher Gottesdienste. Auch in der bayerischen Landeskirche seien solche Gottesdienste bereits zu einer regelrechten "Erfolgsstory" geworden. Der Dekan fügt hinzu: "Wir waren oft ganz erstaunt, wie offen die Gespräche waren."

Zielrichtung bei "Back to church" sei aber nicht, den Kirchenaustritten einen Riegel vorzuschieben. Diese lagen 2018 auf Dekanatsebene bei 71. Viel wichtiger ist Dekan Schoenauer, etwas gegen den "sinkenden Gottesdienstbesuch" zu unternehmen.

Das Hauptproblem: "Die ganz treuen Gottesdienstbesucher werden alt und sterben." Dennoch gebe es im Dekanat Pegnitz noch einen "relativ guten Besuch bei der Vielzahl angebotener Gottesdienste". An seine Gemeindeschäfchen appelliert Schoenauer deshalb im monatlichen Gemeindebrief: "Helfen Sie mit, dass diese Aktion eine Erfolgsstory wird, dass viele Menschen unseren Gottesdienst erleben und sich daran freuen." Ganz entscheidend komme es da auf "persönliche Einladungen" an. Die Gemeindeglieder könnten sich damit "an den Nachbarn oder den Friseur" wenden.

Wer auch immer ihnen dazu als Adressat einfalle.

Aber mit dieser Einladung allein sei es nicht getan. Aus seiner Praxis als Seelsorger weiß Dr. Schoenauer: "Bei vielen Hausbesuchen, die ich mache, bekomme ich am nächsten Sonntag einen Gegenbesuch im Gottesdienst." Davon lebe die Gemeinde. Er weiß aber auch: Manche Gemeindeangehörige waren "seit zehn Jahren nicht mehr in der Kirche."

Gerade für sie werde eine detaillierte Handreichung zum minutiösen Gottesdienstablauf in der Kirche bei den Gesangbüchern ausliegen.

Diese wurde tausendfach gedruckt und soll künftig auch in der Konfirmandenarbeit verwendet werden. Darin aufgeführt sind jeder Zwischengesang, das Glaubensbekenntnis, aber auch das Vaterunser. "Wir haben da schon einen großen Aufwand betrieben."

Für den Dekan ist aber auch klar: "Der Gottesdienst ist die Mitte der Gemeinde." Das wurde ihm seit Jahren immer wieder von Gläubigen und Kirchenvorstehern bestätigt. Dazu käme noch die "nachgehende Seelsorge", also Hausbesuche durch die drei Pegnitzer Gemeindepfarrer.

Jetzt ist er gespannt, wie gut das Pegnitzer "Back to church"-Vorhaben klappt. "Dabei geht es weniger um die Anzahl der Gottesdienstbesucher, wir freuen uns natürlich, wenn viele kommen." Er erwarte aber keine Massen. Bei den monatelangen Vorbereitungen sei gemeindeintern "intensiv" über die angebotenen Gottesdienste gesprochen worden. Dieser "Impuls" diene auch als Motivation der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter.

FRANK HEIDLER

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