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Montag, 17.06.2019

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Gößweinstein: Planung für die Klosterkirche ist total durcheinander

Die Sanierung des Gotteshauses verzögert sich um zwei Jahre - 12.01.2019 17:56 Uhr

Mit Zugankern wurde die Stabilität des Kirchenschiffs wieder hergestellt. Und die tiefen Risse und Hohlräume in den Wänden sind auch ausgebessert. Doch dabei muss es jetzt erst einmal bleiben. In den nächsten ein bis zwei Jahren wird hier nicht mehr gearbeitet. © Ralf Münch


"Im April wurde damit begonnen, das Gerüst innen und außen aufzustellen", sagt Bernhard Schrüfer, der bis Dezember noch Kirchenpfleger war, inzwischen aber sein Amt niedergelegt hat. Im Juni waren die Dachdecker und Zimmerleute am Werk. Zum einen wurde der Dachstuhl verstärkt und ausgebessert, zum anderen das Dach neu eingedeckt. Nicht mit Schiefer, sondern mit Ziegeln – eine Sache, die nicht allen Gößweinsteinern gefällt.

Enorme Ersparnis

Pfarrer Pater Flavian: "Tatsächlich gibt es einige Gläubige, die sich nicht besonders darüber freuen. Aber es wurde vom Denkmalschutz genehmigt. Die Basilika wurde 2003 neu mit Schiefer gedeckt. Jedes Jahr muss ein Dachdecker vorbei kommen, um die Schindeln, die abgerutscht sind, wieder anzubringen. Mit Ziegeln sparen wir uns das." Außerdem ist da auch noch der Kostenfaktor. "Dadurch sparen wir uns eine enorme Summe, die wir anderweitig einsetzen können."

Auch die Außenfassade wurde neu verputzt — teilweise mussten fünf Zentimeter Putz abgeklopft werden. Nötig war dies, weil festgestellt wurde, dass der alte Putz zu viel Salze hatte. Hätte man das einfach überstrichen, dann würde der Anstrich nicht halten. Der Anstrich wird allerdings nicht über den Winter erfolgen, das muss bis Frühjahr warten.

Der frühere Kirchenpfleger Bernhard Schrüfer (links) und Pater Flavian vor der eingerüsteten Kirche: „Mit dem Anstrich beginnen wir im Frühjahr. Damit ist der erste Bauabschnitt auch beendet.“ © Ralf Münch


Im September wurden dann die Zuganker gesetzt, die die nötige Stabilität des Kirchenschiffs wieder herstellen sollen. "Dann war eine Firma hier, die die Risse mit Spezialmörtel ausgepresst hat", erklärt Schrüfer. Jeder, der schon einmal ein altes Haus renoviert hat, kennt das: Es kommt immer was Neues dazu. So auch hier. Es wurde festgestellt, dass in den Mauern gewaltige Hohlräume existieren, die ausgepresst werden mussten. "Auch in den tragenden Wänden. Das muss man sich einmal vorstellen. Die Leute, die die Kirche vor rund 400 Jahren gebaut hatten, dachten wohl nicht, dass sie so lange steht. Ein Wunder, dass es so ist. Das Wunder von Gößweinstein", lacht der Pfarrer. Im Oktober wurden außerdem die Fenster entrostet und neu gestrichen sowie Ausbesserungsarbeiten an den Bleiverglasungen durchgeführt.

Fassade wird gestrichen

Wenn kommendes Frühjahr die Außenfassade gestrichen wird, ist der erste Bauabschnitt, der von den insgesamt geschätzten Kosten von 620 000 Euro mit rund 400 000 Euro zu Buche schlägt, beendet.

Der zweite Bauabschnitt beinhaltet die Innensanierung. Die Elektronik muss neu gemacht werden, der Innenraum bekommt neue Farbe. "Eventuell muss die Kirche auch begast werden, weil der Holzwurm sein Unwesen treibt. Ob das aber wirklich so schlimm ist, muss erst noch überprüft werden", sagt Schrüfer. Im dritten Bauabschnitt soll dann die Innenausstattung restauriert werden – die Altäre, Figuren und Bänke.

Geplant war, dass die gesamten Arbeiten drei bis vier Jahre dauern, sprich bis maximal 2022 dauern und die Kirche wieder geöffnet werden kann. Doch das wird nicht passieren. Schrüfer: "Das Rathaus soll ja eventuell ins Pfarrhaus umziehen. Bevor das passieren kann, muss das Pfarrhaus aber saniert werden. Das Geld, das dafür investiert werden muss, fehlt uns dann bei der Klosterkirche. Kurz vor Weihnachten haben wir vom Bauamt die Nachricht bekommen, dass deshalb die Bauarbeiten still gelegt werden müssen. Jetzt ist die Planung total durcheinander."

Mit Zugankern wurde die Stabilität des Kirchenschiffs wieder hergestellt. Und die tiefen Risse und Hohlräume in den Wänden sind auch ausgebessert. Doch dabei muss es jetzt erst einmal bleiben. In den nächsten ein bis zwei Jahren wird hier nicht mehr gearbeitet. © Ralf Münch


Der frühere Kirchenpfleger schätzt die Verzögerung der Arbeiten auf ein bis zwei Jahre. "Es kommen immer wieder Fragen, weshalb sich hier plötzlich nichts mehr tut. Wir finden es alle schade, dass es so ist wie es ist. Besonders leid tut mir das für die vielen Spender. Etwa für die Familie, die zweimal auf ihren Urlaub verzichtete und uns das Geld gespendet hat. Oder für eine Rentnerin, die gerade einmal 350 Euro im Monat bekommt und uns jeden Monat fünf Euro überweist."

Einen kleinen Lichtblick, bezüglich einer früheren Öffnung der Kirche, auch wenn die Arbeiten noch nicht beendet sind, gibt es dennoch: "Wir haben uns mit dem Architekten und dem Bauamt in Verbindung gesetzt und angefragt, ob es möglich sei, wenn festgestellt wird, dass die Statik wieder hergestellt ist, die Kirche zu säubern und für die Besucher zu öffnen. Auf die Antwort warten wir aber noch", so Bernhard Schrüfer weiter.

Spenden können unter dem Stichwort "Klosterkirche" auf die Konten der Kirchenstiftung Gößweinstein unter IBAN: DE69 7639 1000 0006 0239 75 BIC: GENODEF1FOH oder IBAN: DE32 7635 1040 0005 4523 39 BIC: BYLADEM1FOR eingezahlt werden.  

RALF MÜNCH

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