Sonntag, 08.12.2019

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Gottesdienst in herbstlicher Pegnitzer Pracht

Vier Generationen feiern unter dem Dach von St. Bartholomäus Erntedankfest - 02.10.2016 17:33 Uhr

Die Hände zum Himmel: Die Kindergartenkinder vom Wiesweiher und aus Buchau stimmten mit Liedern über das Wachsen musikalisch auf den Erntedankgottesdienst ein. © Foto: Bernhard Niemczyk


Der älteste Kirchgänger war mit stolzen 100 Jahren Herr Krüger aus dem evangelischen Brigittenheim. Der Senior nahm mit zahlreichen anderen Heimbewohnern – darunter viele im Rollstuhl – am festlichen Erntedankgottesdienst in der Kirche im Herzen von Pegnitz teil. Für die Bewohner des Altenheims sei diese Feier jedes Jahr ein besonderer Anlass, erklärten Heimleiterin Anke Schellermann und Dekan Dr. Gerhard Schoenauer.

Mit Äpfeln und Kürbissen

Der Nachwuchs, darunter der jüngste Gottesdienstbesucher mit nur einem Jahr, hatte sich in einem langen Zug vor der Kirche aufgestellt und dort bei Nieselregen gewartet, bis sich die Kirchentore öffneten. Für viele der Kleinen – und auch für deren Mütter und Väter – war es ein besonders feierlicher Moment, mit Körben voller Kürbissen, Äpfeln und Blumen in die voll besetzte Kirche einzuziehen.

Ihr Weg führte sie bis zum Altar, der üppig geschmückt war mit reicher Ernte — angefangen von Ähren über alles, was Acker und Garten um diese Jahreszeit hergeben, bis hin zu Broten. Inmitten der herbstlichen Pracht gaben die Jüngsten der Kindergärten am Wiesweiher und aus Buchau zur Gitarrenbegleitung von Karin Weiss Lieder über das Wachsen und Gedeihen zum Besten, bevor sie zum Krabbel- und Kindergottesdienst ins Gemeindehaus weiterzogen.

Mit Blumen und Körben voller Äpfel und Kürbissen zogen Kinder und Eltern ins Pegnitzer Gotteshaus ein. © Bernhard Niemczyk


Nachdenklich wurde es, als Dekan Schoenauer den Gottesdienst mit den Worten eröffnete, dass so vieles im Leben nicht erworben und erarbeitet, sondern geschenkt sei. Unter dem Motto der Dankbarkeit, des „fröhlichen Gebens“ und der guten Nachrichten stand auch seine Predigt.

Schoenauer ermunterte seine Zuhörer, statt tagein, tagaus sorgenvoll das Auf und Ab der Börsenkurse zu beobachten, doch besser das persönliche Wohl und Wehe der Mitmenschen wahrzunehmen. Der Geistliche erinnerte die Gemeinde an den untrennbaren Kreislauf des Säens und Erntens, des Empfangens und Weitergebens, der nicht unterbrochen werden dürfte.

Perspektivenwechsel gefordert

Allein in Deutschland landeten jedes Jahr die Hälfte aller Lebensmittel auf dem Müll. Mit den weltweit weggeworfenen Lebensmitteln könnten die Hungernden der Welt sogar dreimal satt werden. Gier mache kleine Augen, mit denen Gottes Schöpfung nicht wahrgenommen werde. Schoenauer mahnte darum einen Perspektivenwechsel an, mit dem sich der Mensch nicht nur als Nehmender, sondern auch als „fröhlich Gebender“ sehen kann.

Musikalisch wurde der Gottesdienst stimmungs- und klangvoll vom Kirchenchor unter der Leitung von Kantor und Kirchenmusikdirektor Jörg Fuhr und vom Posaunenchor unter der Leitung von Roland Weiss gestaltet. Im Anschluss an die Messe ging es ins Gemeindehaus zum Feiern und zur Versteigerung der gespendeten Ernte. Dort übernahm der Dekan mit rotem Halstuch höchstpersönlich – wie schon seit 17 Jahren – die Versteigerung von Weizen und Weintrauben, Kürbis und Kartoffeln zugunsten der Aktion „Brot für die Welt“.

Die rund 100 Anwesenden boten fleißig mit, genossen Imbiss, Kaffee und Kuchen, den die Gemeindehelfer vorbereitet hatten, und zeigten sich dankbar für einen anregenden Erntedanksonntag. Oder wie Dekan Schönauer es mit den Worten Martin Luthers ausdrückte: „Alles beginnt mit den kleinen Dingen“.

GISELA LEINBERGER

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