Samstag, 16.11.2019

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Große Ärztepraxis in Pegnitz erweitert - das ist neu

Neuer Praxisanbau für "Ärzte plus": Sechs Mediziner arbeiten unter einem Dach, auch in Pottenstein ärztliches Sextett. - 19.10.2019 05:55 Uhr

Wegen des großen Patientenaufkommens wird die Praxis am Mühlweg durch einen Holzständerbau erweitert. Rechts der Hausherr und Dr. Hubertus Lindner.


Der neue eingeschossige Anbau ist nicht die erste Praxiserweiterung. Von den etwa 115 Quadratmetern entfällt allein die Hälfte auf den neuen Anmeldebereich. "Zwei Mitarbeiterinnen empfangen die neuen Patienten, eine Dritte ist für die Verabschiedung zuständig."

Dabei meint Lindner nicht (nur) den freundlichen Abschiedsgruß wie in einem Laden. Stattdessen würden Patienten nach erfolgter Arztuntersuchung Rezepte oder Bescheinigungen wie Überweisungen ausgehändigt.

Im Jahr 1993 hatte Hubertus Lindner allein die Allgemeinarztpraxis eröffnet. Ein Jahr später stieg auch seine Ehefrau Dr. Maria Lindner in den Praxisbetrieb mit ein.

Wegen des ständig steigenden Bedarfs wurde das Ärzteteam immer mehr erweitert: auf bis jetzt sechs Ärztinnen und Ärzte: zusätzlich zum Mediziner-Ehepaar Lindner noch Dr. Siegfried Fischer, Dr. Lucia Großkopf-Müller und Dr. Matthias Henkel als Teilnehmer der Gemeinschaftspraxis, die schließlich in "Ärzte plus" umbenannt wurde. Seit Juli macht noch die angestellte Ärztin Dr. Sabine Wolf die Mediziner-Runde komplett. Das Spektrum der angebotenen Leistungen der Fachärzte reicht von Allgemeinmedizin und Hausbesuchen über Diabetologie und Psychotherapie bis zu kleiner Chirurgie und Kindervorsorge.

Den Ärzten arbeiten rund 30 Medizinische Fachangestellte — im Volksmund: Arzthelferinnen — in Voll- und Teilzeit zu. Nicht zu vergessen die Verah-Schwestern, also die "Versorgungsassistentinnen im Hausarzt-Einsatz". Die beiden Verah-Schwestern kurven im schneeweißen Corsa zu ihren Hausbesuchen.

Aber trotz dieser Unterstützung bei Routine-Hausbesuchen bleiben für die Mediziner von "Ärzte plus" noch mehr als genügend Hauseinsätze übrig. "Praktisch an jedem Tag" ist Hubertus Lindner an irgendeiner Ecke des Versorgungsgebietes auf Tour. "Wir fahren regelmäßig das Brigittenheim, das Senivita und in Michelfeld Regens Wagner an."

Selbst im Urlaub ist Lindner schon über seinen Privatanschluss früh um halb Sieben angeklingelt worden. "Das war für eine Leichenschau." Natürlich ließ er sich nicht lange bitten.

Zusätzlicher freier Tag

Ein durchschnittlicher Arbeitstag dauert für ihn bis zu zwölf Stunden. Weshalb er und seine Kollegen pro Woche einen zusätzlichen freien Tag erhalten. "Für Fortbildungen, Verwaltung oder auch für Privates."

Im Moment nutzt er diese "Freizeit", um nach einem Kurzurlaub im zünftigen Blaumann auf seiner Praxis-Baustelle nach dem Rechten zu sehen. "Wir wollen noch vor Weihnachten einziehen, das ist unser Weihnachtsgeschenk", zeigt er sich vorsichtig optimistisch.

Den allerersten Anbau mit Rezeption und Wartezimmer 2001 hatte noch der eigene Bruder Lothar Lindner von der Zimmerei Karl Lindner erstellt. Da es die Firma nicht mehr gibt, wurde nun eine Plecher Zimmerei beauftragt. Bei der Baustellen-Visite legte Firmenchef Theo Reichel höchstpersönlich mit Hand an und besorgte den Schutzanstrich im Sockelbereich der neuen Eingangstür.

Auch das Obergeschoss des Praxisgebäudes – ein früheres Wohnhaus von Lindners Mutter – wurde vor fast zehn Jahren in den Praxisbetrieb integriert.

Mit selbst fabrizierten Hinweisschildern werden jetzt in der Bauzeit die Patienten zum rückwärtigen Praxiseingang umgeleitet. Was offensichtlich reibungslos klappt.

Oberste Maxime für den neuen Anbau: "Das soll kein anonymes Gesundheitszentrum sein." Für Hubertus Lindner war immer wichtig: "Wir wollten trotz steigendem Bedarf Zeit für die Patienten haben." Die Behandlung solle für Patienten möglichst angenehm sein. Das alles sei aber nur im Team möglich.

Mit dem neuen Anbau werde die Gemeinschaftspraxis "zukunftsfähig". Vielleicht denkt Lindner dabei auch an die eigene Tochter Dr. Elisabeth Lindner, die als Ärztin bis jetzt täglich von Leups nach Münchberg pendelt.

Ähnliche Erfahrungen wie bei "Ärzte plus" machte auch Lindners Pottensteiner Kollege und Praxisgründer Dr. Franz Macht (60). Dessen Praxis besteht heuer seit 30 Jahren. "Wir sind eine überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft", beschreibt er die jetzige Organisationsform der Praxis. Hauptstandort sei Pottenstein, dazu kämen noch Filialen in Gößweinstein und Betzenstein.

Auch hier sind sechs Ärzte im Einsatz: Dr. Franz Macht, Dr. Stefan Bauernschmitt, Dr. Florina Mitesc, Dr. Bernd Martin, Dr. Maria Sarawara und – seit dieser Woche – Dr. Daniel Bläser. Außerdem soll im Januar eine weitere Ärztin in Weiterbildung folgen.

Erster Kontakt über Skype 

"Es war nie unser Plan, die halbe Fränkische Schweiz zu übernehmen", erklärte Macht unumwunden. Auch gab es in den vergangenen Jahren eine "ordentliche Fluktuation". Bei den Ärzten vier oder fünf Wechsel. Sogar eine Armenierin gehörte zeitweilig zum Pottensteiner "Ärztestab". Diese hatte die Pottensteiner Praxis im Internet entdeckt und per Skype angeschrieben.

Das jetzige System funktioniere "ganz gut", so sein Resümee. Wenn er früher wegen eines medizinischen Notfalls seine Praxisräume trotz vollem Wartezimmer verlassen musste, gab es regelmäßig lange Gesichter. Jetzt unterstützen ihn Kollegen im Ernstfall.

Wenn in Pottenstein mittags das Wartezimmer leer und in Betzenstein noch voll ist, dann fährt Macht oder ein Kollege mal schnell dorthin und hilft mit aus. Im Gegensatz zu vielen "Einzelkämpfern" in anderen Landarztpraxen kommt Macht auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von nur 38 bis 40 Stunden.

Auch wenn es "betriebswirtschaftlich Blödsinn" sei, hält er gerne am Konzept mit drei Praxisstandorten ("drei Ultraschallgeräte, dreifache Miete") fest. Für Patienten bedeute es: kurze Wege, für Beschäftigte mehr Flexibilität.

FRANK HEIDLER

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