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Großer Brückenschlag im oberen Pegnitztal

Bahn will bis 2016 sämtliche Eisenbrücken ausmustern und 23 neue Bauwerke errichten - 30.11.2011

Das Pegnitztal wird ein anderes Gesicht bekommen, wenn die Bahn 23 Brücken erneuert. Das Bild zeigt eine Visualisierung einer neuen Brücke vor Lungsdorf aus Richtung Rupprechtstegen kommend. © DB


Diplomingenieur Ludolf Krontal sprach einleitend von einem sehr „anspruchsvollen Bauvorhaben“, bedingt durch die große Zahl an Brückenbauwerken, durch die Enge des Pegnitztals sowie durch die stark belastete Bahnstrecke und die viel befahrene Staatsstraße. Insgesamt müssten aufgrund der vorliegenden Materialanalysen des Eisenbahnbundesamtes die 23 Brücken zwischen Hersbruck und Pegnitz erneuert werden. Dies sei eine technische Notwendigkeit; die DB habe in den zurückliegenden Jahren nichts verschlampt, sondern die „Lebenserwartung der Stahlkonstruktionen gehe einfach zu Ende“. Der vor über einhundert Jahren zum Teil verwendete Flussstahl zeige deutliche „Ermüdungserscheinungen“.

Drei Bauabschnitte

Die Strecke habe man in drei Bauabschnitte eingeteilt, zwei Brückenbauwerke zwischen Hersbruck und Vorra wolle man in den Jahren 2012 bis 2013 erneuern, vier Brücken zwischen Neuhaus und Pegnitz in den Jahren 2013 bis 2014 und 17 Brücken zwischen Artelshofen und Neuhaus in den Jahren 2014 bis 2016. Die meisten Überführungen stammten aus den Jahren 1890 beziehungsweise 1920 und seien als Fachwerk- oder Vollwandträger ausgeführt mit Spannweiten zwischen 20 und 36 Metern.

Bei der Mehrzahl der Brücken habe man sich – in Abstimmung mit dem Brückenbeirat der DB – für unten liegende Verbundträger entschieden. Diese würden größere Spannweiten erlauben, die Widerlager könnten teilweise um fünf bis sechs Meter zurückgesetzt und dadurch für die Staatsstraße ein Lichtraumprofil von rund 4,5 Meter eingehalten werden. Andererseits könne man die Brücken nicht anheben, da die Schienenoberkante wegen der begrenzten Höhe der sieben Eisenbahntunnel nicht verändert werden könne. Krontal zeigte anhand von Visualisierungen die jeweils geplanten Bauwerkstypen. Für jeden Bauabschnitt würden so genannte „Brückenfamilien“ mit einheitlicher Gestaltung – erstmals in ganz Europa — realisiert. So würde neben der Tragfähigkeit und der Wirtschaftlichkeit vor allem auch die Ästhetik eine Rolle spielen. Alle Brücken würden sich aufgrund ihrer ansprechenden Gestaltung sehr gut in das Landschaftsbild einfügen, betonte er abschließend.

Projektleiter Hartmut Völker ergänzte die Ausführungen mit Hinweisen auf bevorstehende Einschränkungen des Schienen- und Straßenverkehrs in den angegebenen Zeiträumen. Die einzelnen Planungs- und Genehmigungsverfahren befänden sich derzeit in unterschiedlich fortgeschrittenen Stadien. Vor Baubeginn an den einzelnen Brückenbauwerken müssten zum Teil Baustraßen angelegt und Hilfsbrücken über die Pegnitz eingebaut werden. Neben einem überwiegend eingleisigen Bahnverkehr käme es vor allem bei der Errichtung der Widerlager zu einer mehrwöchigen Vollsperrung. Für den Straßenverkehr würde man abschnittweise ein Umleitungskonzept erarbeiten.

In der Diskussion wurde von den Referenten betont, dass die Finanzierung des Projektes in Höhe von rund 100 Millionen Euro gesichert sei. Eine Erneuerung werde deshalb dringend notwendig, weil das Eisenbahnbundesamt nur noch rund fünf Jahre den Betrieb auf der Strecke genehmige. Durch die neuen Brücken werde die Lärmbelästigung für die Anwohner deutlich geringer. Auch würden zusätzlich rund zehn Kilometer Gleisbett erneuert.

Leider, so eine Wortmeldung, würde, wie die visuelle Darstellung gezeigt habe, der typische Charakter des Pegnitztals für immer verschwinden. Dem hielten die Planer entgegen, dass man in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde für eine Wiederherstellung der Natur, der notwendigen Aufforstung und der Einpassung der Bauwerke in die Landschaft garantiere. Auch wegen der Einwände des Landesamtes für Denkmalschutz werde man Lösungen finden. Zur Frage der Elektrifizierung der Strecke meinte der Projektleiter, dass dies eine politische Entscheidung sei, solange sei die Aufweitung der Tunnel kein Thema.

fu

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