Grüne-Stadtratsfraktion stimmt gegen Bodendorfer Bauantrag

9.5.2021, 11:55 Uhr
Ein Bodendorfer Bauantrag sorgte in der Stadtratssitzung am vergangenen Mittwoch für Gesprächsstoff.

Ein Bodendorfer Bauantrag sorgte in der Stadtratssitzung am vergangenen Mittwoch für Gesprächsstoff.

Am Ortsausgang Richtung Skiclubhütte soll ein Einfamilienhaus entstehen. Auf dem Grundstück gibt es bereits ein Gebäude. Der Sohn des Grundstückseigentümers möchte auf diesem Anwesen bauen. Laut Verwaltung spreche nichts gegen das Einvernehmen für das Bauvorhaben. Das Haus grenze letztendlich sehr knapp an das Schutzgebiet Fränkische Schweiz, liege jedoch ganz klar außerhalb dieser Zone.

Aus Sicht der Grünen handle es sich bei diesem Vorhaben um keine Abrundung, sondern um ein weiteres Gebäude, das den Flächenverbrauch erhöhe. "Pixel für Pixel an Fläche verschwindet. Das ist nicht sinnvoll, so vorzugehen. Wir müssen uns die Dörfer genau anschauen und entscheiden, wie man mit der Fläche umgeht. Also wir werden dagegen stimmen", stellte Stadträtin Susanne Bauer (GU) zu Beginn der Diskussion klar und sorgte damit für Unmut im restlichen Gremium.

Stadtrat Oliver Winkelmaier (SPD) machte direkt seiner Unzufriedenheit darüber Luft und bat darum, jedes Bauvorhaben im Einzelnen zu betrachten. "Wir müssen mal die Kirche im Dorf lassen. Wir diskutieren dieses Thema seit Jahren. Die Menschen leben heute eben anders und wollen sich etwas leisten können. Wollen wir wirklich die Bevölkerung in Wohntürme sperren?", fragte Winkelmaier in Richtung Grünen-Fraktion.

Sohn will neben Eltern bauen

Auch Hans Hümmer (FWG) zeigte sich wenig erfreut über die Aussage seiner Stadtratskollegin und bat um eine Alternative. Es gehe darum, dass der Sohn des Grundstückseigentümers neben dem Gebäude seiner Eltern bauen möchte. "Sollen wir dem jungen Mann dann die Empfehlung geben, auszuwandern? In anderen Gemeinden wird großflächig Bauland ausgewiesen, weil der Druck auf dem Immobilienmarkt enorm ist", sagte Hümmer und gab zu bedenken, dass mit solchen Ideen die Stadt "ruiniert" werde.

Trotzdem ließ sich Bauer von ihrem Vorschlag nicht abbringen und erinnerte daran, dass der Großteil der Stadträte immer die gleichen Phrasen vorbringe, wenn es um Bauanträge gehe. Unterstützung erhielt Bauer von ihrem Fraktionskollegen Jürgen Schorner (GU). Er widersprach Hümmer und betonte, dass nicht immer die Idee dahinter stecke, Menschen zu vertreiben. Man müsse von Fall zu Fall überprüfen, was möglich und sinnvoll sei und auch andere Optionen wie einen Grundstückstausch in Betracht ziehen.

Auch Zweite Bürgermeisterin Sandra Huber (GU) gab Bauer Rückendeckung: "Wir können die Probleme – Flächenverbrauch, Klimawandel oder das Artensterben – nicht wegdrücken." Für sie zähle auch nicht das Argument, dass man mehr Platz benötige, weil das die Menschen binden könnte oder man so mehr Bürger dazugewinne. "Es ist statistisch bewiesen, dass wir unsere Infrastruktur ausbauen und ausweiten. Trotzdem gibt es in Pegnitz keinen Bevölkerungszuwachs. Die gleiche Menge Menschen lebt nur auf mehr Fläche", relativierte Huber.

Sozialer Aspekt

Für den vorliegenden Bauantrag spreche jedenfalls der soziale Aspekt, war sich Simone Birnmeyer (PEG) sicher. Junge Leute, die in die Nähe des Elternhauses zögen, könnten im Notfall ihre Eltern pflegen, die wiederum nicht ins Pflegeheim müssten. Es werde eine Mehrgenerationen-Situation geschaffen. "Das bringt uns voran. Solche Konstrukte müssen wir fördern und nicht im Wege stehen."

Genau so sah es auch Bürgermeister Wolfgang Nierhoff (PEG), der keine Bauchschmerzen bei diesem Projekt hatte. Er signalisierte aber, dass man bei jedem Antrag individuell entscheiden müsse. Mit zwei Gegenstimmen votierte der Stadtrat für eine Fortführung der geplanten Bautätigkeit.

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