Donnerstag, 27.02.2020

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Gutes Pflaster für Auerbacher Mieter

Der Quadratmeterpreis bei der Neuvermietung von Wohnungen liegt in Auerbach im normalen Rahmen. - 10.02.2020 17:32 Uhr

An der Uferstraße hat die Baugenossenschaft vor kurzem einige Wohnhäuser saniert. Die Mietpreise pro Quadratmeter bewegen sich laut Vorstandssprecher Dieter Jasper „im normalen Bereich bei über vier Euro“. © Archivfoto: Brigitte Grüner


Der angestrebte Gesetzestext sieht vor, Mieterhöhungen in angespannten Wohnungsmärkten in Bayern – das sind 162 Städte und Gemeinden – bei laufenden Mietverhältnisse sechs Jahre zu unterbinden.

Eine Erhöhung der Miete soll dann noch erlaubt sein, wenn die erhöhte Miete nicht den Betrag von 80 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete übersteigt. Wer derzeit wenig Miete verlangt, soll also noch einen kleinen finanziellen Spielraum haben, um nicht in Bedrängnis zu kommen.

Von Mieten wie in Auerbach können Münchner nur träumen. Die bayerische Landeshauptstadt ist das teuerste Pflaster Deutschlands, zumindest was Mietpreise betrifft. In München werden bei der Neuvermietung einer Wohnung 17,51 Euro pro Quadratmeter verlangt. In Auerbach sind es hingegen nur 6,42 Euro.

Interessant ist bei diesem Vergleich, dass der Anstieg bei Neuvermietungen in Auerbach mit 39 Prozent seit dem Jahr 2012 höher als der in München ist (plus 36 Prozent.). In der Nachbarstadt Pegnitz zahlen Mieter, die neu einziehen, im Schnitt 6,90 Euro pro Quadratmeter, der Anstieg seit 2012 liegt mit 41 Prozent noch etwas über dem von Auerbach.

Aufschlussreich sind die Mietpreise der Allgemeinen Baugenossenschaft Auerbach. Sie verfügt über neun Häuser mit 54 Wohnungen und sechs Garagen mit einer Gesamtnutzfläche von 2724 Quadratmetern. Die Mietpreise pro Quadratmeter bewegen sich laut Vorstandssprecher Dieter Jasper "im normalen Bereich bei über vier Euro". "Im privaten Sektor sind sie deutlich höher", sagt er. Die Mietpreise würden nur nach einer Sanierung angehoben.

Nachfrage normal

In den Wohnungen, die alle vermietet sind, leben Alleinstehende oder Pärchen, die nach zwei, drei Jahren meist ausziehen würden. Die Nachfrage ist nach Auskunft von Jasper normal. "Wir haben ein paar Interessenten an der Hand, die einziehen wollen." Familien in den Wohnungen der Genossenschaft unterzubringen sei schwierig.

Grund dafür: Der überwiegende Teil der Wohnungen ist nicht sehr groß, meist haben sie zwei Zimmer. Für Familien mit Kindern kommen sie deshalb nicht in Frage. Auch nach dem Umbau eines Blocks mit Zusammenlegung von Wohnungen zu größeren Einheiten seien keine Familien eingezogen, "weil die Leute nicht ausgezogen sind", so Jasper.

Im Eigentum der Stadt Auerbach sind 20 Wohnungen. Die Mietpreise bewegen sich zwischen vier und 4,5 Euro. "Künftig werden Staffelmietverträge abgeschlossen", so Hauptamtsleiter Uwe Lindner, der in der Rathausverwaltung auch für die städtischen Liegenschaften zuständig ist. Er kennt die Wohnungssituation in Auerbach. "Generell gibt es keine Wohnungsnot", sagt er. Was nicht ausschließe, dass sozial Schwache oder Flüchtlinge dringend günstigen Wohnraum suchen würden. Ein Problem sei, dass Vermieter manchmal schlechte Erfahrungen mit Mietern gemacht hätten. "Die haben die Schnauze voll und lassen es leerstehen." Doch solche Mieter seien die Ausnahme, betont Lindner.

Kaum Mehrfamilienhäuser

Mehrfamilienhäuser sind in Auerbach in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch errichtet worden. Der Bedarf sei offensichtlich nicht da gewesen, meint Lindner. Dies deute in diesem Bereich des Wohnungswesens auf eine normale Situation hin.

Ein anderer Grund dafür könne sein, dass für Investoren bei solchen Häusern die Rendite zu schwach sei. "Sonst wären solche Objekte ja gebaut worden." Vermehrt würden jedoch Gebäude umgebaut und vergrößert, sodass mehr Wohneinheiten entstehen. Grundsätzlich mache sich auch der demografische Wandel bemerkbar. Relativ große Häuser, in denen früher Familien gelebt haben, würden heute nach dem Auszug der Kinder häufig nur von einer Person bewohnt. Der Bedarf an Einfamilienhäusern mit Garten sei bei jungen Familien vorhanden, so Lindner.

Die Nachfrage nach Bauland ist ungebrochen. Die Stadt Auerbach kann keine Grundstück verkaufen. "Wir haben nichts mehr", sagt Bauamtsleiterin Margit Ebner. Viele Bürger hätten sich in Auerbach dauerhaft niedergelassen und selbst gebaut. Dies könnte sich in Zukunft ändern, da aufgrund der von den Arbeitgebern geforderten beruflichen Flexibilität die Menschen "nicht mehr so sesshaft sind".

Der Preis für einen Quadratmeter Baugrund lag bei der Stadt Auerbach in den vergangenen Jahren bei 70 Euro – aufgeteilt in 35 Euro Grundstückspreis und 35 Euro Erschließungskosten. Für die Grundstücke am Bahnhof stieg dieser Preis auf etwas über 90 Euro, weil es mehr Parzellen waren und die Erschließung deshalb teurer war.

Die Stadt sei bestrebt, dass Baulücken innerorts geschlossen und bebaut werden, sagt Lindner. Die Kommune suche deshalb Grundstücke. Wo es möglich ist, würden zweigeschossige Gebäude oder auch Reihenhäuser genehmigt, um neuen Wohnraum zu schaffen.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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