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Hans Lodes fährt seit 25 Jahren Hilfstransporte nach Rumänien

80-Jähriger versorgt Kinder in Schulen und Waisenhäusern - Pfarrer Josef Hell oft Nothelfer - 02.01.2021 09:48 Uhr

Hans Lodes hat ein Herz für arme und hilfsbedürftige Kinder. Sei einem viertel Jahrhundert organisiert der Hinterkleebacher Hilfstransporte nach Rumänien.

01.01.2021 © Foto: Rosi Thiem


Da konnte der 80-jährige Lodes, der seit 25 Jahren Hilfstransporte für Rumänien, aber auch in andere Länder wie die Ukraine fuhr, nicht nein sagen und versprach zu helfen. Innerhalb einer Woche organisierte er 58 Kilo Süßigkeiten, um den Kindern in den Waisenhäusern von Sanktanna im Banat eine Weihnachtsfreude zu bereiten.

"Sofort telefonierte ich mit den Familien Rupprecht, Böhmer, Deinlein und Arnold, die alle Jahre für die Kinder spendeten und hatte binnen einer Woche, dank deren Spendenfreude, eilig Pakete gepackt, die per Post nach Rumänien gingen", sagt Lodes.

Frachtgebühren selbst bezahlt

Die Frachtgebühren – immerhin 130 Euro – bezahlte er aus seiner eigenen Tasche. "Das war für mich dieses Mal die einzige Möglichkeit zu helfen. Die DHL-Pakete konnte man gut nachverfolgen. Ich habe jeden Tag mitgefiebert, wo sich gerade die Fracht befindet. Insgesamt ging die Sendung über Arad in Rumänien und dauerte vier Tage. Ein Paket war sogar fünf Tage unterwegs", berichtet Hans Lodes.

Jetzt kam der Dankanruf wieder von Flora und der Heimleitung. "Sie haben sich so sehr gefreut. Hier weiß ich auch, dass die Waren gerecht in den einzelnen Häusern verteilt werden", zeigt er sich zufrieden. In Deutschland wurde er auch gefragt, wieso er kein Mehl oder andere Grundnahrungsmittel verschicke. Doch gerade zu Weihnachten wollte er die Kinder bescheren mit Sachen, an die sie das ganze Jahr nicht kommen und das seien eben Süßigkeiten. In Rumänien weiß Lodes aus Gesprächen, gelten jetzt auch in Corona-Zeiten Maskenpflicht und Ausgangsbeschränkungen.

Hans Lodes kennt Flora, das Waisenmädchen von Klein auf. "Vor 13 Jahren – wir verteilten gerade 550 Nikolauspäckchen – standen zwei kleine Kinder ganz verloren in der Ecke. Es waren ein Junge und Flora, damals drei Jahre alt", erzählt Lodes, der früher bei der Autobahnmeisterei gearbeitet hat.

"Das Mädchen durchlebte eine schwere Kindheit. Mit vielen Heimaufenthalten und Heimweh nach den Pflegeeltern, die sie wegen des Schulbesuches verlassen musste. "Es entstand eine Freundschaft bis heute", berichtet Lodes. Seine Hilfstransporte hat der Hinterkleebacher vor vier Jahren an den ASB Pegnitz zu seiner vollsten Zufriedenheit übergeben und er ist glücklich, dass sein Lebenswerk weitergeführt wird.


Herausragend: NN-Leser spendeten rund 45.000 Euro


Spontan erinnerte er sich an einen früheren von ihm organisierten Nikolaus-Transport nach Rumänien: "Beim Verteilen der Päckchen mussten meine Frau Viviane und ich feststellen, dass die Kinder trotz der Kälte keine Schuhe und Strümpfe trugen. Wir selbst hatten dicke Jacken an, es war ja Mitte Dezember."

Dieses Bild ließ das Ehepaar nicht mehr los. Zuhause angekommen, starteten sie einen Hilferuf und es ging mit Schuhen und warmer Kleidung noch einmal nach Rumänien. Hans Lodes ist allen Spendern dankbar, auch denen, die ihm in all den Jahren unbürokratisch mit Transportkosten, Fahrzeugen und Verpflegung halfen. Manchmal habe er auch gedacht, als er von den Fahrten zurückkam, "ich mag nicht mehr". Doch vier Wochen später war er dann wieder am Planen für die nächste Tour.

"In den 25 Jahren meiner Hilfstransportfahrten – wir waren immer zu zweit oder zu dritt unterwegs – ist viel passiert. Ich könnte einen Roman schreiben. Pfarrer Josef Hell aus Trockau, dessen alte Heimat Rumänien ist, hat uns immer geholfen, auch beim Dolmetschen an den Grenzen. Ohne ihn hätte es nicht funktioniert", sagt der 80-Jährige lobend.

Bei einem seiner jährlichen Hilfstransporte sei er mit seinen Helfern vor Jahren am Zoll festgesteckt. "Eine Frau an der Mautkontrolle wollte von uns 450 Euro, weil angeblich die Papiere nicht in Ordnung waren. Wir hatten kein Geld, es war ja eine humanitäre Fahrt. Mein Retter war Pfarrer Josef Hell.

Ich schaute auf die Uhr und dachte: Daheim könnte gerade der Sonntagsgottesdienst aus sein. Ich bat die uneinsichtige Zöllnerin, anrufen zu dürfen", erinnert er sich noch ganz genau. "Josef ging ans Handy und verhandelte mit der Frau. Es wurde ziemlich laut. Am Schluss gab uns die Frau das Handy zurück und schmiss die Papiere hinterher. Wir durften plötzlich weiterfahren. Ohne diese Hilfe von unserem Pfarrer, der im Übrigen öfter in den Jahren verhandeln musste, wäre die Sache wohl nicht so gut ausgegangen", zeigt sich Hans Lodes heute noch dankbar.

Kinderaugen leuchteten

Pfarrer Josef Hell, der bei einigen Fahrten selbst dabei war, erinnert sich: "Das Schönste war immer die Verteilung der Päckchen in den Kindergärten und Schulen. Es war sehr ergreifend, wie Kinderaugen leuchteten und Dankbarkeit aus den Augen schien. Die Not ist in Rumänien immer noch sehr groß – aber die Menschen sind zufriedener als hier", bemerkt er.

Gefragt nach seinen telefonischen Vermittlungsbemühungen sagt Hell: "An ein Ereignis erinnere ich mich ganz gut: Ich war da nicht mehr dabei, aber Hans Lodes und seine Helfer hatten Verständigungsprobleme an der rumänischen Grenze.

Hans Lodes rief mich an und bat mich, zu vermitteln. Ich habe dann der Zollbeamtin am Telefon erläutert – was gar nicht so einfach war, weil die rumänischen Beamten den Helfern aus dem Ausland den Eindruck vermitteln wollten – dass es in Rumänien keine Not gebe. Aber schließlich konnte ich die Zöllnerin überzeugen, dass wir nur Kindern eine Freude machen wollen. So gab sie dem Hilfstransport dann freie Fahrt."

Der aus Sanktanna stammende Seelsorger berichtet, dass es auch jetzt noch eine enorme Armut in der Bevölkerung gebe. "Im Westen des Landes weniger, aber umso mehr im Inneren und im Osten von Rumänien herrscht eine große Not."

ROSI THIEM

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