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Herumtollen im Neuschnee: Ein Besuch im Auerbacher Waldkindergarten

Vier Mädchen bilden derzeit eine Notgruppe im Kindergarten - 14.01.2021 12:55 Uhr

Amanda, Ella und Vicky aus dem Waldkindergarten Auerbach machen einen Schneeengel. Sie gehören zur Notgruppe des Kindergartens und können zurzeit die Schneepracht ausgiebig genießen.

13.01.2021 © Foto: Klaus Trenz


Die dreijährige Ella sitzt dick eingepackt in Winterklamotten im Schnee und betrachtet ganz interessiert, schon fast in sich versunken, die weiße Pracht, die am Dienstag vom Himmel gefallen ist. Ihre drei Freundinnen stehen nicht weit daneben und unterhalten sich und hecken wohl aus, was man als nächstes im Schnee so treiben kann.

Sechs Stunden sind die vier gleichaltrigen Mädchen, die zurzeit die Notgruppe im Waldkindergarten bilden, an der frischen Luft. Auch bei diesem Wetter und den Minusgraden am Morgen. Und sie fühlen sich dabei pudelwohl. Sie sind in einem Alter, in dem sie vielleicht das erste Mal bewusst eine derartige Schneepracht erleben, im Prinzip mitten im Wald. Und sie erleben, was man mit und im Schnee so alles machen kann.

Dick eingemummelt

Erzieherin Kerstin Looshorn und Berufspraktikantin Christine Schulz sind ebenfalls dick eingemummelt. "Drei Schichten" Kleidung trägt Looshorn, sagt sie. Die Kinder brauchen das nicht. Funktionelle Winterkleidung schützt sie vor Kälte und Nässe, auch damit sie sich im Schnee nach Belieben austoben können.

Katharina (rechts) hat nach dem Winter sicherlich einige Kochrezepte mit Schnee ausprobiert.

13.01.2021 © Foto: Klaus Trenz


Frieren tun die Mädchen nicht, weil sie sich ständig bewegen. Darauf achtet auch das Personal. "Bewegung ist das A und O", sagt Schulz: "Wir schauen auch immer darauf, dass Bewegung da ist". Wenn die Kinder mal unter dem Vordach des großen Bauwagens sitzen und zum Beispiel frühstücken, dann wird darauf geachtet, dass das nicht allzu lange ist, damit die "Haselmäuse" nicht auskühlen. Sich zwischendurch mal aufwärmen, zum Beispiel in der Bauwagen-Sonderanfertigung, gibt es im Waldkindergarten nicht. Das würde keinen Sinn machen, erklären die Erzieherinnen, denn wer aus der Wärme in die Kälte kommt, friert schneller. Die Kinder brauchen das sowieso nicht. Die sind putzmunter und scheren sich nicht um tiefe Temperaturen. "Die Kinder sind immer dem Wetter entsprechend angezogen", sagen Looshorn und Schulz. Die Eltern werden vom Personal auch unterstützt und beraten. "Wir haben darin viele Erfahrungswerte, damit das auch funktioniert", so die Erzieherinnen.


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Spielen im Schnee scheint abwechslungsreicher zu sein, als man vielleicht vermutet. Abgesehen davon, dass die Kinder immer etwas finden, womit sie sich beschäftigen, machen die Erzieherinnen auch Angebote. "Es ist nichts willkürlich", sagen sie. "Wir haben zwar unser Schema, aber darin auch viel Freiraum". Wichtig sei es, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Spielsachen gibt es im Waldkindergarten nicht, denn die vielfältigen Möglichkeiten zum Spielen bieten die Natur und der Wald ausreichend: Schlittenfahren, Schneemänner und Schneehasen bauen, ein Waldiglu aus Zweigen errichten, Tierspuren im Schnee verfolgen, ein Schneelabyrinth in den Schneeboden trampeln, um nur einige Beispiele zu nennen. Alle paar Tage schaut man nach, was mit dem "Tierweihnachtsbaum" passiert ist, den man im Wald aufgestellt und ihn mit Äpfeln, Karotten und selbst hergestellten Vogelfutter geschmückt hat. "Die Kinder lernen in der Natur schnell und viel", sagt Schulz und sie machen vor allem eindringliche Sinneserfahrungen. Am Dienstag zum Beispiel hat man dem Schneefall gelauscht und erfahren, dass der Schnee Geräusche macht, wenn er zu Boden fällt.

Damit auch die restlichen 21 Kinder, die wegen der Corona-Einschränkungen zu Hause bleiben müssen, teil haben können, nehmen die Erzieherinnen vieles auf Video auf und senden es den Familien zu. Dort, so sagt Looshorn, wartet man sehnsüchtig darauf, dass die Kinder wieder zurückkehren können. Dann dürfen sie auch den Höhepunkt der Woche wieder mit erleben. Dann, wenn die Wirtin der benachbarten Gaststätte Zur Hohen Tanne einmal in der Woche warmes Essen für zwei Euro pro Kind mit dem Schubkarren zu den Haselmäusen bringt.

Notunterkunft in Welluck

Natürlich sind die Kinder nicht bei richtig ungemütlichem Wetter im Freien auf der Hohen Tanne. Bei zu niedrigen Temperaturen weicht man in die Notunterkunft, in das Dorfgemeinschaftshaus nach Welluck, aus. Am Montag, so erzählt Looshorn, hatte es früh am Morgen elf Grad Minus. "Da haben wir überlegt, ob wir nicht nach Welluck ausweichen sollen". Allerdings habe die Sonne dann dafür gesorgt, dass es nicht so kalt wurde. Die Eltern werden dann vor allem über eine Whatsapp-Gruppe darüber informiert, wenn man in die Notunterkunft ausweichen muss. Im vergangenen Jahr könne man dies aber an einer Hand abzählen.

KLAUS TRENZ

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