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Hier Stillstand, dort Warnung vor Gigantismus

Himmelweite Unterschiede im Tourismus: Bauwut in Südtirol und Investitionsstau in der Fränkischen Schweiz - 07.05.2019 18:24 Uhr

Dieser Anbau an eine einstmals kleine Berghütte bietet neuerdings Luxus-Suiten mit weitem Blick über die Bergwelt. © Reinl


Im Gegensatz zur Region zwischen Bayreuth, Bamberg und Nürnberg wird etwa im Eisacktal rund um Brixen investiert, was das Zeug hält. Bestehende Betriebe werden regelmäßig mit hohem Aufwand modernisiert und im Angebot erweitert, was grundsätzlich zu begrüßen ist. Wenn dieser Trend jetzt aber auch absolute Ruhezonen wie die Rodenecker Alm auf etwa 2000 Meter erreicht, dann sind Zweifel angebracht. Da wurden und werden urgemütliche Almhütten, die bislang nur zu Fuß von Wanderern erreichbar waren, in Serie zu regelrechten Hotelbetrieben aufgerüstet. Zugegeben, der Blick aus den gläsernen Suiten über das weite Land ist Luxus pur, aber damit wird im Naturschutzgebiet auch der Rummel zunehmen. 

Bauboom in Südtirol: Auf der 2000 Meter hoch gelegenen Rodenecker Alm werden gemütliche Hütten zu Hotels. © Reinl


Die Lage ist so ernst, dass Tourismus-Experten schon von "Gigantismus" reden und warnend den Finger heben. Andere Gastronomen gehen einen neuen Weg. Sie bieten außerhalb des Hotelrummels private Rückzugs-Refugien an, wo es dem Gast von der Tiefgarage über die Sauna im Appartement und einer Frühstücksfee bis zur modernsten Medientechnik an nichts fehlt, wo er sich aber dennoch in ungestörter Privat-Sphäre ganz allein mit der Natur fühlt. 

Wir haben das zuletzt als Alternative zum Hotel-Luxus noch getoppt mit einem Rückzug in eine Almhütte in verträumter Stille. Wir haben dort nach dem besinnlichen Aufstieg über einen neu geschaffenen Schöpfungsweg durch den Wald die Nähe zur Natur gefunden und die Einfachheit vergangener Tage, die die heutige Jugend gar nicht mehr kennt. Es war, als ob die Zeit still steht und das Leben ganz einfach wäre. Kein Straßenlärm, kein Stress, kein Telefon. Ein Stück Speck, eine Flasche Rotwein und ein Schnaps zur Verdauung waren für uns die Steigerung von Luxus. 

Eigentlich wollten wir von dort gar nicht mehr weg. Aber dann hat es uns doch auch in der Einfachheit der Fränkischen Schweiz wieder gefallen. Gibt es doch auch hier außerhalb der Pottensteiner Erlebnismeile kaum Rummel. Allerdings haben wir uns schon gefragt, weche Region auf Sicht die besseren Perspektiven hat, Südtirol, wo die Baukräne allerorten in den Himmel ragen oder die Fränkische Schweiz, wo jede Investition jahrzehntelang überlegt wird, ehe sie ganz ausbleibt. Die seit langem stockenden Bemühungen um neue Hotels in Pottenstein und Pegnitz beweisen es. 

Im Moment, haben beide Tourismus-Alternativen noch ihren Reiz, der ungebremste Hype um immer mehr Luxus genauso wie die bodenständige Variante von Genuss. Die Frage ist, wie lange das noch so bleibt? Wir sind gespannt.  

ISI REINL

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