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Hilfe für 250 Menschen: Auerbacher Archeladen besteht seit 15 Jahren

Die ehrenamtliche Mitarbeit in Archeladen und Kleiderkammer erfüllt Helfer mit großer Zufriedenheit - 16.04.2021 14:55 Uhr

Mithilfe von Ehrenamtlichen: Im Bild (von links) Teamleiterin Doris Graf und Lotte Mura helfen gerne im Auerbacher Archeladen mit der angegliederten Kleiderkammer.

15.04.2021


"2006 im September haben wir angefangen. Der Archeladen entstand auf Initiative des Pfarrgemeinderates. An den Archeladen ist auch eine Kleiderkammer angegliedert", erzählt die heute 75-Jährige, die beruflich bei KSB in Pegnitz im Personalwesen tätig war. Heute ist sie die Teamleiterin des Archeladens und der Kleiderkammer. Nun sind es viele Stunden im Monat geworden – aber Doris Graf ist glücklich.

"Die größte Motivation sind die vielen Kinder, die wir als Kunden haben", bekennt Doris Graf. Wenn die Jüngsten einen neuen Anorak bekommen oder eine Jeans, kann sie sich richtig mitfreuen. "Träger des Archeladens und der Kleiderkammer ist die katholische Kirche Auerbach. Wir haben um die 50 helfende Ehrenamtliche, die immer wochenweise eingeteilt werden", erklärt sie.

Pro Woche wird ein Verantwortlicher eingeteilt. Das funktioniert sehr gut. "Jede Woche arbeiten um die zehn Ehrenamtlichen. Wir sind froh, über jede Stunde, die geleistet wird", legt die engagierte Frau offen. "Wir arbeiten nach dem Prinzip der Tafeln. Jeder Bedürftige benötigt einen Ausweis – ausgestellt von der Caritas oder von der Diakonie. Unsere Helfer holen von den Supermärkten, Bäckern und Metzgern die gespendeten Waren ab."

Boden putzen und Obst säubern

Immer donnerstags von 13 bis 15 Uhr ist der Archeladen geöffnet. Das gespendete Obst und Gemüse wird kontrolliert, bevor es in den Verkauf kommt. "Die Lebensmittel müssen von den Supermärkten abgeholt – alles private Pkws –, die Salate geputzt, das Obst aussortiert und die Lebensmittel eingeräumt werden. Nach der Öffnungszeit müssen alle Regale wieder gesäubert, die Böden gewischt und Abfälle entsorgt werden", schildert Graf. Gute Teamarbeit ist gefragt und auch gegeben.

"Wir sind alle gestandene Frauen und Männer. Jeder Mitarbeiter kann sich auf seine Art einbringen. In regelmäßigen Abständen gibt es Teambesprechungen." Der Archeladen fühlt sich in Auerbach gut aufgehoben. Hier spenden neben den Geschäften auch Vereine und Privatpersonen.

"Weil die gespendeten Lebensmittel nicht ausreichen, sind wir auf Spenden angewiesen", sagt die sympathische Teamleiterin. "Von diesen Spenden kaufen wir Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Öl und Milch dazu. Unsere Kunden bezahlen pro Einkauf – unabhängig von der Größe der Familie – 1,50 Euro. Von diesem Geld erwerben wir wieder Grundnahrungsmittel."

Derzeit sind 80 Berechtigungsscheine ausgestellt, damit werden 250 Kunden versorgt. "Wir sind auch sehr froh, dass wir Männer unter den Ehrenamtlichen haben", ist Doris Graf dankbar und denkt an die schweren Lasten, die zu tragen sind. Die älteste Helferin ist 85 Jahre, die Jüngste 45 Jahre. Doris Graf findet es bewundernswert, wie das Engagement der ehrenamtlichen Helfer immer wieder Woche für Woche lebt.

Jünger sind dann noch die Praktikanten, die ein soziales Jahr absolvieren. "Für uns Helfer ist es wichtig, dass wir helfen können. Wie gesagt, besonders die vielen Kinder, die zu unseren Kunden gehören, liegen uns am Herzen. Dafür lohnt die Menge Arbeit. Auch der Frust, wenn für einige wenige unserer Kunden alles selbstverständlich ist."

Vor Corona besuchten Schulen und Kindergärten den Archeladen, um einen Einblick in die Arbeit zu bekommen. Das ist wichtig für das Sozialverhalten, so Graf, zu sehen, dass nicht alle Menschen auf der Sonnenseite des Lebens stehen. "Einmal wurde ich dabei gefragt: ,Kannst du alle Sprachen sprechen?‘ ,Nein‘, sagte ich dann lächelnd, aber ich habe ja Hände." Doris Graf spricht mit Freude über ihr Ehrenamt. Die ruhige und besonnene Frau will einfach nur da sein und helfen.

Viele Schicksale erlebt

"In den 15 Jahren des Bestehens des Archeladens erfahren wir von vielen Menschen Wertschätzung, die uns die ehrenamtliche Arbeit etwas erleichtert", lobt die Frau der ersten Stunde. Doris Graf ist dankbar, doch sie mahnt: "Durch das Ehrenamt habe ich viele Schicksale der Menschen erlebt. Es kann nie jemand sagen: Ich komme nicht in so eine Notsituation. Jobverlust, Scheidung oder der Arbeitgeber hört auf zu zahlen: Das sind oft Gründe für Bedürftigkeit."

Die angegliederte Kleiderkammer ist ebenfalls jeden Donnerstag geöffnet. Die Kleiderkammer macht sehr viel Arbeit. Die Kleiderspenden müssen sortiert, aussortiert und einsortiert werden. Oft machen sich die Spender keine Gedanken über die abgegebenen Kleidungsstücke. Manchmal werden sie auch verschmutzt oder total aus der Mode abgegeben. "Wir haben einmal im Monat Annahme von Kleidungsstücken. Da arbeiten fünf ehrenamtliche Helfer viele Stunden", so Graf.

"Die Kleidung, die nicht abgegeben werden kann, geben wir größtenteils an Kolping weiter. Unsere Kleiderkammer ist sehr gut sortiert. Wir achten darauf, dass die Kleidung sauber und zeitgemäß ist. Sehr gerne nehmen wir Kinder- und Sportbekleidung. Dafür haben wir dankbare, kleine Käufer." Die guterhaltenen Bekleidungsstücke können für eine geringe Spende erworben werden. Die Kleiderkammer ist übrigens für alle interessierten Käufer – auch ohne Berechtigungsschein – geöffnet. Ansprechpartnerin ist hier Lotte Mura, die auch schon seit Beginn dabei ist.

Die 78-jährige ehemalige Büroangestellte empfindet das Ehrenamt als Win-Win-Situation. "Ich kann helfen. Hier denke ich vor allem an die Kinder. Die Erwachsenen können eher für sich selbst sorgen. Bei dieser Arbeit habe ich viele nette Kollegen kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Ich komme unter die Menschen und es gibt mir einen Sinn", erklärt sie ihr Engagement. "Ich bin glücklich, mache es gerne und bringe mich ein", freut sich Lotte Mura sichtlich.

"Wir können nur jedem raten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Da werden die eigenen Sorgen kleiner und man ist dankbar, dass man selbst genug Einkommen und Rente hat, um gut durch das Leben zu gehen", erklärt Doris Graf zufrieden. Sie und Lotte Mura machen engagiert weiter. "Wer rastet, der rostet", sind sich beide einig.

ROSI THIEM

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