Dienstag, 26.05.2020

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Hilfsaktionen in der Region: "Gemeinsam durch die schwere Zeit"

In den vergangenen Wochen wurden Aktionen gegründet, um Menschen aus der Risikogruppe zu helfen. - 30.03.2020 07:55 Uhr

Vorsitzender Peter Danninger ist für den Einkaufsdienst „Senioren 60+“ unterwegs. Der SPD-Ortsverein war die erste derartige Initiative, die in Auerbach gegründet worden ist. Weitere Aktionen folgten. © Foto: Brigitte Grüner


Die Solidarität der Bürger untereinander wird in der aktuellen Krise vielfach gelobt. Und das mit Recht. Auch im Raum Auerbach und Neuhaus/Pegnitz wurden in den vergangenen Tagen Hilfsaktionen ins Leben gerufen. Oft stecken junge Leute hinter den Initiativen, die ganz bewusst den Menschen aus den Risikogruppen behilflich sein wollen.

Mit gutem Beispiel gehen die Kirwajugend aus Michelfeld (die NN berichteten) und aus Neuhaus/Pegnitz voran. In Neuhaus wurde die Idee im Kreis der Kirwapaare geboren, berichtet Alexander Schön. Es wurde ein Flyer entworfen, der dann in sozialen Medien veröffentlicht und in örtlichen Läden ausgehängt wurde. Auch die Marktgemeinde unterstützt die Initiative.

"Wir erhielten eine E-Mail von unserem Bürgermeister Josef Springer, der alle Vereine aufrief, älteren Mitbürgern zu helfen und genau solche Aktionen ins Leben zu rufen", erzählt Schön. Die jungen Leute haben sich extra ein Prepaid-Handy besorgt, über welches die Anrufe eingehen. Über die WhatsApp-Gruppe könne dann schnell abgeklärt werden, wer welche Aufgabe übernimmt.

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Die Kirwaleut Neuhaus bieten an, Einkäufe zu übernehmen, Medikamente aus der Apotheke zu holen, Briefe oder Pakete zur Post zu bringen oder dort abzuholen oder auch mit dem Hund Gassi zu gehen. Die Hilfsaktion sei für alle Mitmenschen gedacht, die zur Risikogruppe gehören. "Wir möchten helfen, denn nur gemeinsam überstehen wir diese schwere Zeit", heißt es von den Aktiven.

Eine gute Dorfgemeinschaft

Das Hilfsangebot soll bestehen bleiben, solange es benötigt wird, also bis die Ansteckungsgefahr deutlich minimiert ist, erklärt Schön. Die Gruppe sei froh, dass die Hilfe bislang nicht in dem Maße benötigt wird, mit dem sie gerechnet hatte. "Das zeigt, dass wir von vornherein eine gute Dorfgemeinschaft haben."

Die Junge Union (JU) hat deutschlandweit die Aktion "Die Einkaufshelden" ins Leben gerufen. Am 17. März startete diese auch in Auerbach, berichtet der örtliche Verantwortliche Markus Neukam. Bei der Initiative gehe es vor allem um Einkaufsdienste. Den Dienst könne jeder Hilfesuchende annehmen.

Insgesamt geht es auch bei der Aktion der CSU-Jugend um den Covid-19-Virus. Dieser solle eingedämmt, und Risikogruppen vor einer Infektion geschützt werden. In Deutschland fanden sich eine gute Woche nach dem Start der "Einkaufshelden" schon mehr als 10 000 Freiwillige. Wer Hilfe sucht, wird einem Einkaufshelden in der Nähe zugeordnet, sodass auch nur dieser die persönlichen Daten des Hilfesuchenden erhält, erklärt Neukam. 

Die erste Initiative in Auerbach wurde vom SPD-Ortsverein gleich nach der Kommunalwahl gestartet. Schnell waren viele Mitglieder, aber auch einige Nicht-SPDler bereit, zu helfen. Man einigte sich auf den Namen "Wir halten zam".

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Etwa 30 Helfer kümmern sich nun um alles, was Personen aus der Risikogruppe nach den Ausgangsbeschränkungen nicht mehr tun sollten. Dazu gehören neben Einkäufen auch Apothekenbesuche mit vorheriger Abholung des Rezepts. Der Dienst richtet sich laut Danninger an alle Senioren über 60 Jahren, die Angst vor einer Ansteckung haben, und an Personen mit Vorerkrankungen. "Wir haben unsere Hilfe auch dem Archeladen angeboten." Doris Graf habe der Gruppe mitgeteilt, dass sie über das Hilfsangebot sehr froh sei und sie sich in ein bis zwei Wochen melden werde, wenn hoffentlich wieder Lebensmittel für den Archeladen zur Verfügung stünden.

Aufbau von Vertrauen

Die Initiative "Wir halten zam" versuche, möglichst immer die gleichen Helfer zu den Hilfesuchenden zu schicken, damit Vertrauen aufgebaut wird. Bisher haben die Freiwilligen noch wenig zu tun. "Dies kann sich aber schnell ändern. Das ist uns bewusst", sagt Peter Danninger. Sollten wir mehr Kapazitäten benötigen, schließen wir uns einfach mit den anderen Gruppen zusammen. Die Aktion werde es geben, bis sich alle wieder sicher vor einer Ansteckung fühlen können.

In den sozialen Medien wurde am 18. März von Sebastian Eisend die Gruppe "Auerbach – jetzt helf i" ins Leben gerufen. Tags darauf kam Mitorganisator Michael Lehner ins Boot. Zur Koordination wurde eine WhatsApp-Gruppe mit derzeit über 20 Helfern angelegt, in der Anfragen eingestellt und Absprachen getroffen werden. Auch diese Gruppe kümmert sich um Angehörige der Risikogruppen, also betagte Mitbürger und Menschen mit Vorerkrankungen. Erledigt werden Einkäufe, Fahrten zu Arztterminen und verschiedene Botengänge. Auch die Haustierversorgung – dazu gehört das regelmäßige Gassi-Gehen mit einem Hund – wird eübernommen.

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In den ersten Tagen waren die Organisatoren von "Auerbach hilft" noch stark damit beschäftigt, das Angebot zu kommunizieren. Anfang vergangener Woche gingen dann die ersten Anfragen ein und wurden erledigt. "Wir rechnen damit, dass sich die Anzahl der Anfragen künftig erhöhen wird, was gut wäre, weil unsere Helfer nur darauf warten, endlich richtig loslegen zu dürfen", sagt Michael Lehner. Wenn die Aktion gut angenommen werde, könnte es sie auch über die Coronakrise hinaus geben, denn es werde immer Bürger geben, die sich über eine helfende Hand freuen.

BRIGITTE GRÜNER

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