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Samstag, 06.06.2020

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Hobbymusiker versorgt Pottensteiner mit heimatlichen Klängen

Viele Pottensteiner lauschen in der Coronazeit dem Flügel- und Alphorn von Gerhard Polster. - 18.05.2020 17:44 Uhr

Der Pottensteiner Gerhard Polster spielt seit Ostern hoch über der Felsenstadt und versüßt mit heimatlichen Klängen die schwierigen Coronazeiten. © Foto: Rosi Thiem


"Wann spielst Du wieder?" Der Pottensteiner Gerhard Polster muss schmunzeln und freut sich über diese Frage. Viele Pottensteiner lauschen inzwischen — als kleine "Fan-Gemeinde" — allsonntäglich seinen kirchlichen und heimatlichen Klängen vom Köppelplatz, hoch über Pottenstein. Seit Ostern spielt er hier oben mit seinem Flügelhorn und ab und zu mit seinem 3,60 Meter langen Alphorn aus Davos und sorgt bei den Einwohnern für heimatliche Glücksmomente in Coronazeiten.

Der 55-jährige Musiker spielte am Anfang der Ausgangsbeschränkungen nach Empfehlung des Nordbayerischen Musikbundes erst von seinem privaten Balkon aus. "Dann sind einige auf mich zugekommen mit der Bitte, ob ich nicht vom Berg aus spielen könne, dann würden mehr Menschen etwas von der Musik haben", erzählt er.

Und Ostern war es dann soweit. Er tauschte die Fenstermusik mit der Natur und dem einzigartigen Panoramablick. "Da keine Gottesdienste waren, wollte ich allen eine Freude bereiten. Gerade älteren Bürgern, die nicht weg konnten", war sein erster Impuls.

Das ist ihm gelungen. Um die 20 Minuten dauert jeden Sonntag der Auftritt. Vorher sucht er sich die Lieder, passend zu den Feiertagen und Monaten aus.

Applaus als Belohnung

"An Ostern spielte ich "Heil uns heil" und "Nun danket all". Ich spiele zwei bis drei Kirchenlieder und dann auch noch weltliche, wie "Oberfranken, du bist mein Heimatland". Das Feedback von den Zuhörern unten im Tal kommt stets prompt. Nach jedem Lied wird dankbar geklatscht.

"Seit Mai bringe ich nun die Marienlieder wie "Wunderschönprächtige" und "Maria Maienkönigin", verrät er. Der Klang ist einzigartig und im Talkessel hallt es berührend wieder zurück. Für einen Moment denkt man, der Klang wird feierlich von den Felsen festgehalten und als Dank melodisch und warm zurückgespielt.

"Unten in der Stadt hört man es noch viel intensiver, als hier oben", ergänzt er und zeigt auf die Häuser unten und zur Burg oben, an der gegenüberliegenden Felsformation.

Seit seinem zwölften Lebensjahr spielt Gerhard Polster Blasinstrumente. Angefangen hatte er mit Trompete und Flügelhorn. Dazu kamen im Laufe der Zeit noch Jagd- und Alphorn. "Früher hatten wir in der Stadtkapelle Standkonzerte. Mir macht es jetzt als Musiker auch Spaß, wenn ich Freude bereiten kann", resümiert der Familienvater.

Gab es schon mal Kritik wegen seinen Auftritten am Felsen? "Nein, noch nie. Die Resonanz ist von den Zuhörern unten zwischen den Häusern durchwegs positiv", sagt er. Ihm wurden sogar schon Ton- und Filmaufnahmen davon gezeigt. Pottensteiner Bürger rufen bei ihm an und bedanken sich am Telefon. "Wir brauchen auch nicht in Urlaub fahren, wir haben es so schön bei uns. Wir haben hier das Paradies", schwärmt der heimatverbundene Schichtführer Polster.

Zwischen Felsen, Walderdbeeren, Vogelgezwitscher und Spitzwegerich bereitet er sich auf sein neues Stück vor, immer ein zufriedenes Lächeln im Mundwinkel. "Vorerst, bis wieder richtig Gottesdienst ist, werde ich dies weitermachen", sagt er. Der Musiker weiß, dass er damit viele Bürger, nicht nur die Senioren der Stadt, glücklich machen kann.

"Jeden Sonntag, so um 10 Uhr morgens — vorausgesetzt bei guter Witterung — bin ich da", fügt er hinzu und lockt zum Abschluss mit "Kein schöner Land in dieser Zeit."

ROSI THIEM

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