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Donnerstag, 23.05.2019

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Hobbyzüchter paart Hühner mit Bommeln am Kopf

Der Wellucker Fritz Leipold hält Araucanas aus Chile - die Tiere legen grüne Eier - 23.04.2019 07:55 Uhr

Julian Leipold zeigt eines der frisch geschlüpften Araucana-Küken seines Opas. Die typischen Bommel links und rechts am Kopf kann man schon erkennen. © Barbara Schuster


Es seien schon die ersten Interessenten da gewesen, um Araucanas zu kaufen, berichtet der Auerbacher. "Es gibt sowohl männliche als auch weibliche Küken mit Bommel", erklärt Leipold. "Die werden aber noch nicht verkauft. Die Küken werden bis Ostern etwa die doppelte Größe haben. Ausgewachsen und legefähig sind sie dann mit etwa sechs bis sieben Monaten."

Für den Osterbrunnen

Angefangen hat alles 1993, als Leipold auf einer Ausstellung für besondere Hühnerrassen die grünen Hühnereier der Araucanas entdeckte. Seine Nachbarin hatte damals die Ostereier für den Osterbrunnen in Welluck bemalt. "Das war mal was anderes, und Grün als Hintergrundfarbe ist besonders schön", schwärmt er.

Und so entschied sich Leipold, sich Araucana-Hühner anzuschaffen. Er kaufte sich das Federvieh im Verhältnis 1:3, will heißen: einen Hahn und drei Hennen. Das auffälligste Merkmal dieser in Deutschland anerkannten Hühnerrasse sind die lustigen Bommel links und rechts am Kopf – da wo normalerweise Vögel ihren Gehörgang, aber keine Ohrmuschel haben.

Im gesamten Tierreich komme dieser Ohrenschutz nur bei dieser einzigartigen Hühnerart vor, erklärt Leipold. Denn ursprünglich stammen Araucanas aus den Weiten der chilenisch-argentinischen Anden-Region. Hier soll die Hühnerpopulation von den Spaniern bei einem Stamm der Araucana-Indianer entdeckt und nach diesem benannt worden sein.

Schutz vor Wind und Wetter

Das Wetter sei dort sehr rau, regnerisch und windig, sodass sich über die Zeit in der Nähe der Gehörgangsöffnung eine mit Federn bedeckte Hautwarze gebildet habe, berichtet Leipold. Diese lustigen Ohrwärmer, die Bommel, seien durch die halbwilde Lebensweise der Hühner entstanden – zum Schutz des Gehörgangs und ganz ohne menschliche Zucht. Trotzdem weiß man bis heute bei einigen Hühnerrassen noch nicht genau, wie das ursprüngliche Huhn ausgesehen haben könnte, da sie mit eingebrachten, verschiedenen europäischen Landhuhnrassen gekreuzt wurden.

Jedoch galt in Deutschland ein Huhn, dass grüne Eier legte als Sensation. Da diese Eierfarbe dominant vererbt wird, wurde ein solches Tier ebenfalls als Araucana-Huhn bezeichnet. Weil sie hierzulande fremd waren, seien die "Bastarde" in Deutschland auch als "Grünleger" bezeichnet worden, berichtet der Experte.

Das außergewöhnliche Merkmal der Bommel veranlasste Menschen bald, diese besondere Art zu erhalten und zu züchten. Dabei machen sich Züchter einen Vorteil zu Nutze, der im Gen der Araucanas festgelegt ist. Das Gen, das für die Bommel zuständig ist, bewirkt, dass bei Paarung von zwei Araucana-Hühnern nur 25 Prozent der Küken überleben. Wählt man jedoch für die Paarung ein Huhn mit und eines ohne "Bommel-Gen" überleben die meisten Küken.

Leipold war mit seinen Hühnern schon deutschland- und europaweit auf Ausstellungen. Zum Beispiel in Hannover oder Leipzig, aber auch im Ausland, etwa in Frankreich oder Prag. Seine Hühner waren 13 Mal bayerischer Meister, einmal deutscher Meister, einmal Europameister im Jahr 2015 und zweimal Europa-Champion (2004 und 2012). Von der Jury werden die Hühner, aber auch die Eier bewertet. "Jedes Ei muss gleich aussehen und wenn möglich die gleiche Größe und Farbe haben", erklärt der Hobbyzüchter. Trotz der Auszeichnungen hat Leipold seinen Hühnern nie Namen gegeben.

Auch sein elfjähriger Enkel Julian Leipold beschäftigt sich mit der Aufzucht der Hühner: "In der Schule habe ich einen Vortrag über unsere besonderen Hühner gehalten. Mein Opa hat mir einiges über die Hühnerhaltung und Zucht erklärt." Julian kann übrigens nicht sagen, ob die Eier von Opas Araucana-Hühnern besser als gewöhnliche Eier schmecken, da er noch nie andere gegessen hat.

Dass die grünen Eier besonders gesund seien, kann Leipold nicht bestätigen. Aber viele der Eier hätten weniger Cholesterin als gewöhnliche Hühnereier. "Ganz ohne Cholesterin funktioniert das Leben nicht", schmunzelt Leipold. Besonders gesund seien sie, weil die Araucanas nur im Stall-Auslauf-System gehalten werden und reichlich Grünfutter, meistens Gras, zu sich nehmen. Das führe zu Eiern mit wertvollen Biostoffen und Mineralien.

Schwierige Unterscheidung

Das Grün der Eier spiegelt sich übrigens auch in den Füßen der Hühner wider. Sie sind je nach Rasse grün oder oliv bis schwarz. An der Unterseite sind die Füße gelb. Weiter gibt es verschiedene Kopfvarianten bei Araucanas. Ein Bart links und rechts des Schnabels und die Federfarbe gehören ebenso zu den Unterscheidungsmerkmalen.

Ein Araucana-Huhn legt etwa 180 Eier im Jahr. Die Eierproduktion bei Leipolds Hühnern hat aber gerade erst begonnen. 

BARBARA SCHUSTER

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