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Dienstag, 15.10.2019

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Hoch auf das analoge Zeitalter im Kameramuseum

Bei der Film- und Fotobörse spielte die Digitalisierung nur in Sachen Super-8-Filme eine Rolle - 17.06.2019 09:00 Uhr

Bis auf den letzten Meter ausgenutzt war die Plecher Mehrzweckhalle bei der jüngsten Film- und Fotobörse des Deutschen Kameramuseums. © Foto: Klaus Trenz


Digitale Möglichkeiten? Bei den ausgestellten Objektiven und Kameras Fehlanzeige. Reichlich Zuspruch gab es bei der Messe trotzdem. © Foto: Klaus Trenz


  Die Halle war komplett ausgenutzt. Insgesamt 27 Aussteller belegten 54 Tische, die meist komplett vollgepackt waren, mit alten, analogen Film- und Fotokameras, Objektiven, Literatur und Zubehör. Digitale Fototechnik spielte nur hinsichtlich der Digitalisierung von Super-8-Filmen eine Rolle.

Auf dem Weg zu einer Tradition

"Wir legen jedes Jahr zu, was Besucher und Aussteller betrifft", sagt Andreas Wolf, der Mann für alles im Kameramuseum und auch ein Mann der ersten Stunde dort. "Wir wollen mit der Fotobörse eine Tradition begründen und sind auf einem guten Weg." Man wolle auch eine Lücke schließen, die die Auflösung des Photomuseums in Zeil am Main gerissen habe. Dort hat im März dieses Jahres eine letzte Fotobörse stattgefunden, bei dem Museumsexponate, die nicht an andere Museen, etwa nach Plech, übergegangen sind, an den Mann und die Frau gebracht wurden.

Es sind vor allem Sammler, die eine derartige Fotobörse aufsuchen. Auf der Suche nach einem Zubehörteil, nach einem neuen Objektiv oder einem neuen Stück für die Sammlung. Da steckt viel Nostalgie dahinter in Zeiten von Handylinsen, digitalen und leichten Fotokameras und Filmkameras, die kaum größer sind als eine Zigarettenschachtel.

"Die analoge Fotografie ist glücklicherweise nicht tot", sagt Wolf. Viele würden aus Spaß noch mit einer analogen Kamera fotografieren. Die Filme bekäme man bei den Fotohändlern immer noch, selbst ausgefallene Formate. Dort bei den Händlern könne man auch noch jederzeit die Filme zum Entwickeln abgeben. Auch Schwarz-Weiß-Filme, wie Wolf weiß. Und immer noch, so Wolf, sei ein Diafilm, was Auflösung und Schärfe betrifft, unerreicht. Die analoge Fotografie sei plötzlich wieder im Kommen. Noch immer gebe es viele Fotografen, die sagten, dass die digitale Fotografie nicht an die analoge heranreiche, bestätigt Museumsleiter Kurt Tauber.

Die Film- und Fotobörse verstehen die Museumsmacher außerdem als Teil ihres Bildungsauftrags. "Wir wollen dieses Medium am Leben erhalten", betont Wolf.

Hilfreich ist dabei sicherlich, dass es noch genügend Sammler gibt, die bei den Fotobörsen das Besondere suchen oder ihre Sammlungen erweitern wollen und auch Profi- und Hobbyfotografen, die den Farb- oder Schwarz-Weiß-Film noch nicht abgeschrieben haben.

Oft verlegen sich die Fotofans auch auf ganz alte Techniken. So wie Bastian Schwentner aus Fürth. Der 27-Jährige verkaufte in Plech nun Teile aus der Sammlung seines Großvaters. Weil der in Thüringen lebte, besteht die Sammlung aus Kameras, Objektiven und Zubehör von Herstellern aus der ehemaligen DDR und der Sowjetunion.

"Lichtzeichner" anno 1851

Schwentner selbst sammelt Balken- und Plattenkameras, die er sich nicht nur in die Vitrine stellt, sondern mit denen er auch fotografiert. Und so beschichtet er Glas- und Aluminiumplatten. "Lichtzeichner" auf Lateinisch ("Lumen Artifex") steht auf seinem T-Shirt und dazu die Jahreszahl 1851.

Schwentner fotografiert viel digital, auch weil er einen kleinen Nebenerwerb als Fotograf hat. "Ich habe aber etwas zum Entschleunigen gesucht", erzählt er. Dabei kam er auf die Pioniertechnik mit den Glasplatten. "Das hat einen ganz eigenen Charme und ist eben noch Handwerk." In Plech war Schwentner das erste Mal. "Ich bin begeistert", sagt er. "Es gibt viele gute Gespräche und das ist sehr schön."

Einer, mit dem sich Schwentner lange unterhielt, war Thorsten Pöllath aus Nürnberg. Er sammelt Kameras mit dem sogenannten M42-Anschluss. Das war ein bei Fotografen nicht unbedingt beliebtes System, unter anderem weil die Objektive angeschraubt werden mussten. Für Pöllath sind Objektive und Kameras mit diesem System aber das Objekt der Begierde und mit Schwentner hat er einen Aussteller gefunden, der ihm viel für seine Sammlung bieten konnte. Zubehörteile oder Stative in Originalverpackung zauberten ein Lächeln auf Pöllaths Gesicht. Er war das erste Mal bei der Fotobörse in Plech und es ist zu vermuten, dass er nicht das letzte Mal dort war: "Das ist ein guter und netter Treffpunkt und vor allem kann man sich bestens unterhalten."

KLAUS TRENZ

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